Diskriminierung in Ungarn Festival streicht Aufführung von Film über Roma

Noch ein Kapitel in der Diskriminierung von Roma in Ungarn: Zwei Filme, in denen die Situation der Minderheit kritisch dargestellt wird, dürfen auf einem Filmfestival nicht gezeigt werden - angeblich wegen nahender Kommunalwahlen.

Kundgebung von Roma in Miskolc (im Juni): Kritische Filme unerwünscht
AFP

Kundgebung von Roma in Miskolc (im Juni): Kritische Filme unerwünscht


Budapest - Zwei kritische Filme zur Situation der Roma dürfen beim Filmfestival CineFest im ungarischen Miskolc nicht gezeigt werden. Die Festivalleitung habe mitgeteilt, dass die beiden Filme nicht willkommen seien, erklärte der Filmverleih DunaDock. Als Begründung habe die Festivalleitung angegeben, eine Vorführung würde im September angesichts der wenig später stattfindenden Kommunalwahlen zu hohe politische Wellen schlagen. Miskolc ist ein Brennpunkt sozialer Konflikte um Roma.

Vorkommnisse dieser Art hat es in den letzten Monaten häufiger in Ungarn gegeben. Seit Monaten tobt dort eine Debatte um Roma, und der verbreitete Hass auf die Bevölkerungsminderheit kam im Wahlkampf sogar gezielt zum Einsatz. Auch darüber hinaus bekommt das Land unter dem mit riesiger Mehrheit regierenden Viktor Orbán totalitäre Züge: Medien werden drangsaliert, Homosexuelle von Regierungsvertretern beschimpft, Obdachlose gesetzlich diskriminiert - und auch der Antisemitismus grassiert.

Die jetzt erfolgte Absage an die beiden kritischen Filme beim CineFest-Festival hat dem Verleiher zufolge auch politische Ursachen: "Wahrscheinlich befürchten sie, staatliche Subventionen zu verlieren, falls sie unsere Filme zeigen", sagte eine Sprecherin von DunaDock der Nachrichtenagentur dpa. Bei den abgelehnten Filmen handelt es sich laut dpa um Pál Schiffers Klassiker "Cseplö Gyuri" aus dem Jahr 1978 sowie einen neueren Film, dessen Produzenten darum gebeten haben, den Namen des Films nicht im Zusammenhang mit dem aktuellen Skandal zu nennen.

Die Festivalleitung sagte ungarischen Medien, dass es bei CineFest sehr wohl ein "Roma-Programm" geben werde, bei dem Filmporträts "erfolgreicher Roma" gezeigt würden. Zu den nun abgelehnten Filmen äußerte sich die Festivalleitung allerdings nicht.

CineFest steht unter anderem unter der Schirmherrschaft der Medienbehörde NMHH, der regelmäßig politische Zensur im Auftrag der rechtsnationalen Regierung Orbáns vorgeworfen wird. Das Festival in Miskolc soll vom 12. bis 21. September stattfinden, die Kommunalwahl ist für den 12. Oktober angesetzt.

mxw/dpa

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