Olympia-Outfits: Deutschland trägt "Prolli"
Verbrennen, sofort! Echte Patrioten halten das Outfit der US-Sportler für textilen Landesverrat. Die Deutschen sehen nach Sylt aus. Und die Franzosen machen ihrem Ruf alle Ehre. Welches Olympia-Team liegt mit seinem Dress richtig - und welches greift richtig daneben? Eine kleine Stilkritik.
Deutschland
Es gibt sicher Menschen, die das schön finden, was der Münchner Designer Bogner da für das deutsche Olympia-Team entworfen hat. Sylt-Urlauber aus Düsseldorf vielleicht. Oder diejenigen, die früher gerne mit Barbie und Ken gespielt haben. Alle anderen haben plötzlich wieder das seit der Kindheit vergessene Wort Anorak im Kopf und denken an die ewigen Kämpfe mit dem Reißverschluss, wenn sich der knitternde Kunstfaserstoff mal wieder darin verklemmt hatte. Der weiße Trilby-Hut namens "Olli" mit dem Band in Nationalfarben hingegen lässt sich auch prima noch bei der nächsten Ballermann-Reise tragen und könnte nach dem Ende der Spiele weiter unter dem Namen "Prolli" vermarktet werden.
Großbritannien
Viele Diskussionen gibt es um die Wettkampf-Outfits des Gastgeberlandes, die Stella McCartney entworfen hat: Manchen sind sie nicht rot genug. Patrioten fehlt damit eine wichtige Union-Jack-Farbe, Psychologen rollen Studien auf, die behaupten, dass Sportler in roten Trikots eher gewinnen. Fast untergegangen ist dabei die Kollektion für offizielle Feierlichkeiten vom britischen Label Next. Die Athleten wirken in den schmal geschnittenen blauen Anzügen mit goldenen Einstecktüchern ein bisschen so, als würden sie gleich verkünden, dass im Falle eines Druckverlusts Sauerstoffmasken aus der Decke fallen. Sie sehen aber sehr stylisch dabei aus. Leider werden sie darin nicht zur Eröffnungszeremonie einlaufen.
USA
Patriotischer als die USA kann's wieder mal keiner. Ralph Lauren, dessen Preppy-Stil sonst höhere Töchter und Söhne sowie die Jura-Studenten dieser Welt begeistert, hat offensichtlich Spaß daran gehabt, endlich mal Uniformen für Menschen mit wirklich durchtrainierten Körpern, eiserner Disziplin und Kampfeswillen zu entwerfen. Sieht man von dem höchst peinlichen Barett einmal ab, sehen die Kleidungsstücke für sich betrachtet gar nicht so schlecht aus und könnten durchaus beim nächsten Lions-Club-Abend getragen werden. Doch leider konnte der Designer nicht darauf verzichten, die Sportler für die offiziellen Fotos so zu inszenieren, dass sie aussehen, als stünden sie auf einem Flugzeugträger und warteten nur darauf, heldenhaft für die Verteidigung ihres Landes in den Krieg zu ziehen. Kritikern waren sie aber immer noch nicht patriotisch genug - weil die Kleider in China hergestellt wurden. Der US-Politiker Harry Reid (der einst sagte, Obama sei ein guter Kandidat, weil er "ein hellhäutiger Schwarzer ist und keinen Negerdialekt spricht") forderte, man solle alle Uniformen nehmen, sie auf einen Haufen werfen und verbrennen.
Frankreich
Das Land, das den Chic und die Eleganz in der Mode erfunden hat, liegt auch beim Olympia-Outfit genau richtig: Schlichte, klare Schnitte, elegante Stoffe, farblich gehalten in weiß und blau mit winzigen roten Akzenten, so dass auch die Tricolore zu ihrem Recht kommt. Die Franzosen haben verstanden, dass man selten zur bestaussehenden Person eines Events ernannt wird, wenn man die auffälligsten Klamotten trägt. Das französische Outfit hat Stil und Klasse - très beau!
Neuseeland
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätten die neuseeländischen Designer von Rodd & Gunn zu viele Folgen der amerikanischen TV-Serie "Mad Men" geschaut, als sie das Outfit für ihr Nationalteam entwarfen, schauen Sie selbst. In Wirklichkeit ließen sie sich aber vom historischen Olympia-Dress inspirieren, den die Neuseeländer 1948 trugen. Beim weiß umrandeten Blazer, den die Männer ohne Krawatte tragen, kann man sich auch ein wenig an Playboy-Gründer Hugh Hefner im Morgenmantel erinnert fühlen - und die Schluppenkleider der Damen mit den weit schwingenden Röcken wären mit einem dezenteren Muster, das nicht so sehr nach Kittelschürze aussieht, noch hübscher. Trotzdem ist der Retro-Look der Neuseeländer nicht nur sehr aktuell, sondern sieht auch noch sehr adrett aus.
Spanien
Die armen Spanier. Mehr als Bedauern darf man zu diesem Outfit eigentlich gar nicht äußern. Die ketchuprot-senfgelbe Farbkombination würde sich besser auf einem Hotdog machen als an einem Athletenkörper. Das Tribal-artige Emblem, mit dem die Trainingsjacke verziert ist, sieht aus wie das Arschgeweih-Tattoo einer Bäckereifachverkäuferin. Die Sportler sind damit auch nicht wirklich glücklich, auf Twitter wurde schon ordentlich gelästert und geklagt. Aber es hilft ja nichts - Spanien hat kein Geld und die Olympia-Klamotten gab's umsonst. Das russische Modelabel Bosco Sport spendete das Design. Nun könnte man den Russen für das, was sie da entworfen haben, ja fast Boshaftigkeit unterstellen. Schaut man sich aber deren eigene Trainingsjacken mit dem rotweiß-mutierten Paisley-Muster an, die vom gleichen Label designt wurden, nimmt man sofort alles zurück. Die finden das offensichtlich einfach schön!
Jamaika
Wie Stella McCartney in Großbritannien durfte auch in Jamaika die Tochter eines berühmten Musikers die Kleidung des Nationalteams entwerfen - Cedella Marley ist die Tochter von "No Woman, No Cry"-Bob. Mit den jamaikanischen Nationalfarben hat sie es aber auch einfach: grün und gelb passen gut zur aktuellen Colourblocking-Mode, dazu gibt's noch eine Jacke im Military-Stil, die an die alten Bundeswehrhemden erinnert, mit denen sich alternativ angehauchte Gymnasiasten früher im Army-Shop eingedeckt haben. Kommt aber auch an Sprinter Usain Bolt gut rüber.
Belize
Wunderhübsch retro ist das Team aus Belize ausgestattet. Der Designer Jeff Banks nahm "The Great Gatsby" zum Vorbild für seine Kostüme in Nationalfarben mit kecken Hütchen, Sie sehen es hier. Fast erwartet man, die Sportler darin auch noch steppen und singen zu sehen. Vielleicht hat das Team ja damit eine Chance, wahrgenommen zu werden - das kleine Land tritt nur mit drei Athleten an.
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- Freitag, 27.07.2012 – 18:35 Uhr
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| Die erfolgreichsten Nationen bei Olympischen Sommerspielen (vor 2012) | ||||
| Team | Gold | Silber | Bronze | Gesamt |
| USA | 932 | 730 | 640 | 2303 |
| Russland | 549 | 458 | 439 | 1446 |
| Deutschland | 400 | 413 | 448 | 1261 |
| Großbritannien | 207 | 255 | 252 | 714 |
| Frankreich | 191 | 212 | 234 | 637 |
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- Protest gegen US-Olympia-Uniformen: Made in China? No way! (14.07.2012)
- Jeff Banks News: Uniform für das Olympia-Team von Belize
- "Stuff": Olympische Uniform des neuseeländischen Teams
- Facebook: Nein zur spanischen Olympia-Uniform (auf Spanisch)
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