Unterdrückung der Medien Albanische Regierung sabotiert kritische Zeitung

Die Absicht ist klar, das Vorgehen brutal: Mit zweifelhaften Mitteln versucht die albanische Regierung, das weitere Erscheinen der kritischen Zeitung "Tema" zu verhindern. Doch deren Chefredakteur leistet Widerstand.

Von Renate Flottau, Belgrad


Belgrad - Mit unerwartet brutalen Methoden versucht die albanische Regierung, das Erscheinen der kritischen Zeitung "Tema" zu verhindern: Das Auto von Chefredakteur Mero Baze wurde Ende Dezember in Brand gesetzt, Anzeigenkunden werden vor weiteren Inseraten gewarnt und seit Donnerstag ist das Redaktionsgebäude von bewaffneten Polizeikräften umzingelt.

Albanischer Premier Berisha: Brutale Unterdrückung der Medien
AP

Albanischer Premier Berisha: Brutale Unterdrückung der Medien

Mero Baze konnte eigenen Aussagen zufolge gestern nur mit Gewalt in sein Büro eindringen, die im Gebäude befindlichen Journalisten durften dieses bis in die späten Abendstunden nicht verlassen. Der Innenminister berief sich dabei auf eine Anordnung von Premier Sali Berisha und die einseitige Aufkündigung eines vor 20 Jahren abgeschlossenen Mietvertrags für das Redaktionsgebäude durch die Regierung.

Berisha müsse lernen, dass blinder Hass gegen die Medien einen Kampf darstelle, den er nicht gewinnen könne, sagt Baze und kündigt an, daß "Tema" trotz aller Regierungsschikanen weiter erscheinen werde. Der Journalist hatte während der achtjährigen Oppositionszeit von Premier Berisha dessen Rückkehr an die Macht bedingungslos unterstützt und zählte nach dessen Sieg zu den engsten Freunden des Regierungschefs.

Seit er jedoch auch Skandale der neuen Regierung kompromisslos veröffentlicht, schlug die Sympathie in Feindseligkeit um. Der ohnehin in der Wählergunst sinkende albanische Premier greift jetzt offenbar auf Methoden zurück, für welche er in seiner ersten Amtsperiode bekannt und berüchtigt war: die Unterdrückung der Medien.



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