Diffamierende Sprache "Volksverräter" ist das Unwort des Jahres 2016

Sprachwissenschaftler haben das Unwort des Jahres bekannt gegeben: Sie entschieden sich für den Begriff "Volksverräter", mit dem rechte Pöbler oft Politiker beschimpfen.

Mittelmäßig gelungenes Symbolbild
DPA

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Als Sigmar Gabriel im August 2016 das niedersächsische Salzgitter besuchte, brüllten ihm rechte Demonstranten vor allem einen Begriff entgegen: "Volksverräter". Gabriel zeigte ihnen daraufhin den Stinkefinger.

"Volksverräter" ist nun zum Unwort des Jahres gewählt worden. Das gab die Sprecherin der "Unwort"-Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, in Darmstadt bekannt. Das Wort sei ein "Erbe von Diktaturen", sagte sie. In der Begründung der Jury heißt es, Anhänger von Pegida, AfD und ähnlichen Initiativen würden den Begriff als Vorwurf gegenüber Politikern verwenden. Er sei undifferenziert und diffamierend und würde "das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft" abwürgen.

Die Aktion "Unwort des Jahres" sitzt in Darmstadt und bezeichnet sich als sprachkritische Initiative, die "Grenzen des öffentlich Sagbaren in unserer Gesellschaft anmahnen" will. Die "Unwort"-Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Neben dieser Jury wählt davon getrennt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das Wort des Jahres. Für 2016 entschied sie sich für den Begriff "postfaktisch".

Die Unwort-Aktion gibt es seit 1991. Für 2016 waren 1064 Einsendungen mit 594 verschiedenen Vorschlägen eingegangen. 2015 hatte es 1644 Einsendungen gegeben, mehr als in den Jahren 2014 (1246) und 2013 (1340).

Zum Unwort des Jahres 2015 war "Gutmensch" gewählt worden, 2014 war es die Parole "Lügenpresse". Beide Begriffe werden vor allem vom fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis genutzt. Im Jahr 2013 war "Sozialtourismus" das Unwort, davor "Opfer-Abo" (2012) und "Döner-Morde" (2011).

otr/dpa



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