US-Historiker Trauer um Fritz Stern

Kürzlich hatte er in Interviews zu seinem 90. Geburtstag vor einem "neuen Zeitalter der Angst" gewarnt. Jetzt ist der Historiker Fritz Stern, der sich zeitlebens mit Deutschland beschäftigte, gestorben.

Fritz Stern
DPA

Fritz Stern


Der Historiker Fritz Stern ist im Alter von 90 Jahren in New York gestorben. Das teilte sein deutscher Buchverlag C.H. Beck mit.

Stern wurde 1926 als Sohn einer deutsch-jüdischen Arztfamilie in Breslau geboren, erlebte die Diskriminierungen des Dritten Reiches am eigenen Leib und floh 1939 vor dem Terror der Nazis in die USA. Hier studierte er Geschichte an der Columbia University in New York. Später arbeitete er als Professor am Institute for Advanced Study in Princeton. Stern war einer der renommiertesten Historiker der USA, er beschäftigte sich besonders mit deutscher Geschichte.

Stern war Träger vieler Auszeichnungen, darunter der Friedenspreis des deutschen Buchhandels, der deutsche Nationalpreis, das Bundesverdienstkreuz und der Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste. Zu Sterns wichtigsten Werken zählen "Gold und Eisen", eine Untersuchung zu Bismarck und dem jüdischen Bankier Gerson Bleichröder sowie seine Dissertation "Kulturpessimismus als politische Gefahr", in der er das völkisch-irrationale Denken analysierte, das dem Nationalsozialismus Vorschub leistete.

Außerdem meldete Fritz Stern sich mit vielen Essays auch zu aktuellen Debatten zu Wort, wodurch er zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten des intellektuellen Lebens ins Deutschland wurde. In seinem letzten Buch "Zu Hause in der Ferne" legte er in mehreren Essays sein Geschichtsverständnis dar, in dem Figuren und Situationen zu "Wegweisern zum Ziel des Verstehens" werden sollten.

Stern machte in seinen Schriften den radikalen Wandel deutlich, den die Bundesrepublik nach der Naziherrschaft vollzog. Genauso eindringlich schilderte er den Zivilisationsbruch des Dritten Reiches.

Angesichts der Flüchtlingskrise warnte Stern in Interviews vor einem neuen Zeitalter der Angst. Viele Länder in Europa seien erschreckend schnell und weit nach rechts gerückt: "Ich habe mich manchmal beschwert, dass ich aufgewachsen bin mit dem Ende einer Demokratie und jetzt, am Ende des Lebens, die Kämpfe um die Demokratie noch einmal erleben muss. Eigentlich eine traurige Bilanz."

kae

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