US-Intellektueller "Vanity Fair"-Star Christopher Hitchens gestorben

Er war ein streitbarer Geist, Schrecken der Linken und Rechten zugleich, ein schonungsloser Kritiker der Kirchen und ein trinkfreudiger Lebemann. Jetzt ist der britisch-amerikanische Journalist Christopher Hitchens, Star-Autor der "Vanity Fair", einem Krebsleiden erlegen. Er wurde 62 Jahre alt.

Journalist und Lebemann Hitchens: "Geben Sie mir einen Doppelten"
REUTERS

Journalist und Lebemann Hitchens: "Geben Sie mir einen Doppelten"


Einst, so erzählte er es selbst, ist Christopher Hitchens im Skiort Aspen in Colorado aus einem Lift gestiegen, und stand einer reizenden jungen Service-Dame gegenüber. Was sie ihm denn bringen könne? "Einen Gin Tonic." Das gehe leider nicht, in dieser Bergeshöhe sei der Gin wesentlich giftiger als am Boden. "Wenn das so ist, geben Sie mir einen doppelten."

Keine Kompromisse, nicht in Fragen des Alkohols oder Tabakkonsums - und in politischen Fragen schon gar nicht. Christopher Hitchens war ein radikaler Kämpfer für die Freiheit des Wortes und gegen den Zwang zur Konformität. Auf eine bestimmte Ideologie ließ er sich niemals festlegen.

Geboren wurde Hitchens 1949 in Großbritannien als Sohn eines Marineoffiziers . Die Mutter legte Wert auf eine gute Ausbildung des Sohnes, dem sie so den Zugang zur Oberschicht ermöglichen wollte. Früh lernte Hitchens, dass Worte Waffen sein können - und dass er diese Waffen beherrschte wie kaum ein Zweiter. Er ging in Cambridge zur Schule und studierte bis 1970 in Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft. Hier schloss er sich der politischen Linken an.

1982 wechselte Christopher Hitchens in die USA über, wo er aus Washington eine Kolumne für die berühmte links-liberale Zeitschrift "The Nation" schrieb, später und bis zu seinem Tod publizierte er in der "Vanity Fair" und im Online-Magazin "Slate".

In jungen Jahren war Christopher Hitchens Trotzkist, doch die Linke konnte sich bald nicht mehr darauf verlassen, dass er sie sie schonte, wenn er Fehler in ihrem Weltbild sah. Der erklärte Gegner Henry Kissingers und scharfe Kritiker der US-Interventionen in Chile und Vietnam änderte seine Weltsicht, nachdem sein Freund Salman Rushie vom iranischen Revolutionsführer mit einem Todesurteil belegt worden war. Linke Rechtfertigungsversuche für den islamistischen Terrorismus wollte er nicht nachvollziehen.

Zum Bruch mit der Linken kam es endgültig nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, nach welchen er sich zu einem Unterstützer des damaligen US-Präsidenten George W. Bush und Befürworter des Irak-Krieges wandelte. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich später in einem Selbstversuch dem sogenannten Waterboarding zu unterziehen und diese von der Bush-Regierung eingesetzte Verhörmethode als Folter zu geißeln.

Scharf kritisierte Hitchens auch die Kirchen, wie die Religionen insgesamt. Er war ein überzeugter Atheist und kämpfte auch für diese Sache leidenschaftlich. Sein Buch "Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt vergiftet" (2007) wurde zum Bestseller. 2010 wollte er gemeinsam mit anderen Religionskritikern Papst Benedikt XVI. wegen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche vor Gericht bringen.

"Wer seine Texte gelesen hat, glaubte ihn zu kennen. Wer ihn kannte, konnte sich glücklich schätzen", schrieb "Vanity Fair"-Chefredakteur Graydon Carter in der Mitteilung des Blattes zum Tod seines Star-Autors.

In der Nacht zum Freitag ist Christopher Hitchens seinem Krebsleiden erlegen. Er wurde 62 Jahre alt.

kuz/ap/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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sir_popper 16.12.2011
1. Unendlich traurig
Zitat von sysopEr war ein streitbarer Geist, Schrecken der Linken und Rechten zugleich, ein schonungsloser Kritiker der Kirchen und ein trinkfreudiger Lebemann. Jetzt ist der britisch-amerikanische Journalist Christopher Hitchens, Star-Autor der "Vanity Fair",*einem Krebsleiden erlegen. Er wurde 62 Jahre alt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,804120,00.html
Christopher Hitchens war ein wunderbarer Mensch. Ich habe ihn für seine klaren, immer elegant formulierten Gedanken geliebt und verehrt. Seine warme Stimme der Vernunft wird sehr fehlen.
liberal69 16.12.2011
2.
Mit Hitchens ist wohl der Intelligenteste und Leidenschaftlichste Intelektuelle unsere Zeit von uns gegangen. Seine Fähigkeit Worte wie Waffen zu benutzen und seine Kompromisslose Opposition zu Totalitarismus jeglicher Art waren und sind tief Beeindruckend. Hitchens war jedoch nicht nur ein Ausgezeichneter Politischer Denker, sonder auch ein ausgesprochen distinguierter Literatur-Kritiker. Vor allem seine Beiträge zu George Orwell waren ebenso bedeutend wie exzellent. Leider gibt es in Deutschland niemand mit nur annähernd ähnlichem Format und/oder Intelligenz. Umso ärgerlicher ist es daher, dass jetzt auch die Englische Welt keinen wie Hitchens mehr hat.
Meskiagkasher 17.12.2011
3. The Theists' Nightmare has died.
Falls es doch einen Gott gibt, wird er bald Atheist sein.
curiouscat 17.12.2011
4. Die Floskel vom grossen Verlust...
Zitat von sysopEr war ein streitbarer Geist, Schrecken der Linken und Rechten zugleich, ein schonungsloser Kritiker der Kirchen und ein trinkfreudiger Lebemann. Jetzt ist der britisch-amerikanische Journalist Christopher Hitchens, Star-Autor der "Vanity Fair",*einem Krebsleiden erlegen. Er wurde 62 Jahre alt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,804120,00.html
...wird so gerne von Politikern in öffentlichen Nachrufen verwurstet. Man denkt dann immer "Na ja, so ein grosser Verlust ist das jetzt nicht wirklich. Vielleicht für die Familie des/der Verstorbenen, aber sicher nicht für die Menschheit!" Ach, hätte sich Christopher Hitchens doch die eine oder andere Zigarette oder das eine oder andere Gläschen gespart! Denn sein Tod, so beinahe unbemerkt (und doch erwartet) er schließlich eintrat ist tatsächlich ein grosser Verlust. Er war einzigartig und wird mir sehr fehlen.
weltsichtig 17.12.2011
5. Goodbye, Hitch
Zitat von MeskiagkasherFalls es doch einen Gott gibt, wird er bald Atheist sein.
In Momenten wie diesen bedaure ich es tatsächlich ein wenig, dass es keinen Himmel gibt. R.I.P. Christopher Hitchens
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