US-Journalismus "New York Times" korrigiert Fehler - nach 48 Jahren

Lieber spät als nie: Die graue Eminenz des US-Journalismus, die "New York Times", hat in ihrer Korrekturspalte zugegeben, bei einer Musicalkritik einen falschen Nachnamen genannt zu haben - der betreffende Artikel stammt aus dem April 1960.


New York - Wie wichtig es das Zeitungsurgestein "New York Times" mit journalistischer Genauigkeit nimmt, beweist eine ungewöhnliche Korrektur: "Eine Auflistung der Darsteller am 28. April 1960 zu einer Theaterrezension der 'West Side Story', als sie ins Winter Garden Theater zurückkehrte, nannte einen falschen Nachnamen für den Schauspieler, der die Figur Action spielte. Es ist George Liker, nicht Johnson", war dort am Montag in der Korrekturspalte zu lesen. Den entscheidenden Hinweis habe der Schauspieler selbst gegeben, der an einer Wiederaufnahme der Show mitwirken wolle, berichtete die Zeitung.

Hauptsitz der "New York Times": Korrektur nach 48 Jahren
REUTERS

Hauptsitz der "New York Times": Korrektur nach 48 Jahren

Die "West Side Story" feierte ihre Premiere im Winter Garden Theater am Broadway im September 1957. Sie wurde insgesamt 732 Mal gezeigt, der Artikel der Zeitung bezog sich auf eine Wiederaufnahme. Das Musical ist eine Neuinterpretation von Shakespeares "Romeo und Julia", die eine Liebesgeschichte im Milieu verfeindeter Straßengangs in Manhattan erzählt. Die Musik gehört zu den bekanntesten Werken von Leonard Bernstein.

Doch nicht genug damit, das Großreinemachen ging weiter, der falsche Schauspielername war nicht die einzige interessante Korrektur dieser Ausgabe: In der gleichen Spalte bekannte die Zeitung, den US-Präsidentschaftskandidaten John McCain mehr als ein Jahrzehnt lang fälschlicherweise als Kampfpiloten zur Zeit des Vietnam-Krieges bezeichnet zu haben.

Dabei habe es sich bei der Douglas A-4, die McCain flog, in Wahrheit nicht um einen Kampfflieger gehandelt, sondern um ein Schlachtflugzeug. Der Unterschied liegt darin, dass Kampfflieger auch andere Flugzeuge attackieren können, während Schlachtflugzeuge hauptsächlich für Ziele am Boden eingesetzt werden.

Für einige Kommentatoren, wie den New Yorker Blog Gawker ging diese Korrektur zu weit - schließlich sei auch eine A-4 in der Lage gewesen, andere Flugzeuge abzuschießen, und dadurch die Bezeichnung als Kampfpilot durchaus vertretbar, so dessen Argument.

sto



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