US-Magazin "Reader's Digest" kündigt Insolvenz an

Konservativ, heimelig und über Jahrzehnte äußerst erfolgreich: Doch jetzt droht dem Magazin "Reader's Digest" die Pleite. Der gleichnamige Verlag hat bekanntgegeben, in den USA Gläubigerschutz beantragen zu wollen. Das deutsche Heft soll nicht betroffen sein.


New York - Die traditionsreiche Publikumszeitschrift "Reader's Digest" steckt tief in der finanziellen Misere: Der international agierende Konzern Reader's Digest Association Inc. will deshalb in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts beantragen (siehe Info-Kasten), um seine Schuldenlast zu reduzieren. Das gab das Unternehmen am Montagabend bekannt.

US-Magazin "Reader's Digest": Wie eine Offenbarung
AFP

US-Magazin "Reader's Digest": Wie eine Offenbarung

Demnach gibt es bereits eine Einigung mit der Mehrheit der Hauptkreditgeber. Der Entscheidung seien monatelange Überlegungen vorausgegangen, sagte Vorstandschefin Mary Berner. Stellenstreichungen werde es nicht geben. Insgesamt sollen die Schulden mit Hilfe einer Umstrukturierung von derzeit 2,2 Milliarden Dollar auf 550 Millionen Dollar reduziert werden.

Seit das Unternehmen, das außerdem Bücher, weitere Zeitschriften und Musik herausgibt, 2007 von einem Finanzinvestor gekauft wurde, hatte man versucht, das Konzernwachstum wieder anzukurbeln. Unter anderem sollte eine Verjüngung des "Reader's Digest" helfen, dem Leserschwund entgegen zu wirken. Zuletzt gab das Unternehmen im Juni 2009 bekannt, künftig zehn statt zwölf Hefte pro Jahre zu veröffentlichen und jeweils nur noch 5,5 Millionen Exemplare zu drucken - rund die Hälfte weniger als noch vor fünf Jahren.

Lektüre für den Feierabend

Die nach eigenen Angaben meist verkaufte Publikumszeitschrift wurde 1922 in New York gegründet, die simple Idee: lesenswerte Artikel aus anderen Publikationen in gekürzter Form gebündelt verbreiten. Es sollte Lektüre für den Feierabend sein, gut zu lesende Geschichten, die emotional berühren und ein positives Lebensgefühl verbreiten. Später wurden außerdem Autoren eingestellt, die eigene Stücke beisteuerten. Heute hat das Unternehmen Dependancen in 45 Ländern der Welt und verlegt den "Reader's Digest" in über 20 Sprachen.

Als hierzulande 1948 die erste Ausgabe "Reader's Digest" erschien, wurde sie mit den Worten "Lies was die Welt liest" beworben. Das habe "wie eine Offenbarung" geklungen, und mit ihrem "unverkennbar optimistischen Unterton" habe es das Blatt auch in schwierigen Zeiten vollbracht, eine Botschaft zu vermitteln, schrieb die "Stuttgarter Zeitung" anlässlich des 60-jährigen Bestehens im vergangenen Jahr. Das handliche Magazin, kaum so groß wie eine DIN-A5-Seite wurde auch in Deutschland zu einem angesehenen Titel, dessen Gesamtauflage sich zwar schon vor Jahren weit von der Million-Grenze entfernt hat, aber einigermaßen stabil bei rund 800.000 liegt.

In Deutschland geht's weiter wie bisher

In seiner Pressemitteilung vom Montag betonte das Unternehmen ausdrücklich, nur die USA seien von der Umstrukturierung betroffen. Auf das deutsche Heft habe die amerikanische "Reader's Digest"-Pleite keine Auswirkungen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sei das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Umsatzwachstum von 5,4 Prozent und Werbezuwächsen auf dem deutschen Markt um 7,7 Prozent sogar "sehr zufriedenstellend" gelaufen, heißt es.

can/AP/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.