Medienwandel: US-Magazine verlieren im Kioskverkauf zehn Prozent

Amerikanische Zeitschriften: Fehlende Sensationsgeschichten erschweren das Geschäft Zur Großansicht
AFP

Amerikanische Zeitschriften: Fehlende Sensationsgeschichten erschweren das Geschäft

Die Verkaufszahlen sinken drastisch: Die US-amerikanischen Magazine verzeichnen im ersten Halbjahr 2013 am Kiosk einen durchschnittlichen Rückgang von rund zehn Prozent. Zu den großen Verlierern zählen auch Flaggschiffe der Branche.

Washington - Der Wandel der US-Medienbranche beschleunigt sich. Laut einer aktuellen Analyse des amerikanischen Branchendiensts Alliance for Audited Media ist der Kioskverkauf der US-Magazine im ersten Halbjahr durchschnittlich um mehr als zehn Prozent eingebrochen.

Die Verluste der Printausgaben am Kiosk gelten vor allem deshalb als alarmierend, weil der Einzelverkauf auch als Indikator für die Strahlkraft einer Publikation angesehen wird. Besonders von sinkenden Verkaufszahlen betroffen sind wöchentlich erscheinende Star-Magazine und Frauenzeitschriften. Selbst Flaggschiffe der Branche bleiben nicht verschont: Das Modemagazin "Vogue" verzeichnet in den ersten beiden Quartalen einen Rückgang der Absätze am Kiosk von gut zehn Prozent, die Printausgabe der Zeitschrift "Vanity Fair" verkaufte sich dort um elf Prozent schlechter. Lediglich Zeitschriften der Verlegergruppe Time Inc. gingen überraschend um 1,2 Prozent häufiger über die Ladentheke - zu den Publikationen des Medienhauses zählen beispielsweise "Time" oder "Sports Illustrated".

Optimistische Prognose für Digitalausgaben

Die aktuellen Zahlen belegen zudem den Trend, dass sich Zeitschriftenleser zunehmend den digitalen Ausgaben der Magazine zuwenden. Digital replizierte Editionen - "digital replica editions" - machen im US-Zeitschriftengeschäft nun 3,3 Prozent der Gesamtverbreitung aus. Das entspricht mit rund 10,2 Millionen verkaufter Digitalausgaben im Vorjahresvergleich einer Verdoppelung. 2012 wurden im gleichen Zeitraum nur 5,4 Millionen Digitalausgaben der Magazine vertrieben, das waren 1,7 Prozent der Gesamtverbreitung.

"Noch ist die Zahl relativ gering", sagt US-Branchenexperte Steven Cohn über den Anteil der Digitalausgaben am Gesamtgeschäft. Cohn, Herausgeber des "Media Industry Newsletter", erwartet aber, dass künftig immer mehr Leser die Print- gegen die Digitalausgabe der Magazine tauschen werden. Von der Zukunftsfähigkeit der digitalen Replikate ist er überzeugt: "Man muss erst laufen lernen, ehe man rennen kann", sagte er der "New York Times".

Ein möglicher Grund für die Verluste bei den Kioskverkäufen der Magazine seien fehlende Sensationsgeschichten, erklärt Cohn. Von der Geburt des britischen Prinzen George Alexander Louis, Sohn von Herzogin Kate und Prinz William, etwa hätten die Medien profitiert - die lag allerdings in der zweiten Jahreshälfte. So verkaufte sich die Ausgabe des "People"-Magazins mit dem Titelthema "Royal Baby Joy!" Anfang August mit mehr als 1,2 Millionen Auflage so gut wie bislang keine andere Ausgabe der Klatschzeitschrift in diesem Jahr.

bos/gin

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