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US-Zeitung: Amazon-Gründer Bezos kauft "Washington Post"

Der Preis liegt bei 250 Millionen Dollar. Amazon-Gründer Jeff Bezos übernimmt die renommierte US-Hauptstadtzeitung "Washington Post". Bezos tritt als Privatperson an, mit dem weltgrößten Online-Händler soll der Deal nichts zu tun haben.

Amazon-Gründer Bezos (Archivbild): "Die Werte werden sich nicht ändern" Zur Großansicht
AFP

Amazon-Gründer Bezos (Archivbild): "Die Werte werden sich nicht ändern"

Washington/Seattle - Eine der renommiertesten US-Zeitungen wechselt den Besitzer - und geht an einen Internetunternehmer: Amazon-Chef Jeff Bezos kauft die "Washington Post". Der Kaufpreis liegt bei 250 Millionen Dollar. Allerdings gehe das Zeitungsgeschäft der Washington Post Company an Bezos als Einzelperson und nicht an den weltgrößten Online-Händler Amazon, erklärte das Verlagshaus am Montag.

Verlagschef Donald Graham führte die schwierige Lage der Zeitungsbranche als Grund für den Verkauf ins Feld. Bezos sei ein "einzigartig guter neuer Besitzer", erklärte er. Der Amazon-Chef sagte, er sei zuversichtlich für die Zukunft der Zeitung und versprach: "Die Werte der 'Post' werden sich nicht ändern."

Über vier Generationen war die Zeitung in Händen der Familie Graham - ihre Reporter hatten etwa Skandale wie die Watergate-Affäre enthüllt, zuletzt berichtete die "Post" gemeinsam mit dem britischen "Guardian" als Erste über das NSA-Überwachungsprogramm Prism. In der vergangenen Dekade war das Traditionsblatt wie viele von der Zeitungskrise betroffen. In den vergangenen sechs Jahren ging der operative Umsatz des Unternehmens um 44 Prozent zurück.

Alle Familienmitglieder hätten sich zunächst schwergetan mit den Verkaufsplänen, sagte Graham in einem Interview am Montag. Erst als der Name Bezos aufkam, habe sich die Gefühlslage in der Familie verändert. Nach Angaben der "Washington Post" könnte der Verkauf innerhalb von 60 Tagen abgeschlossen sein. Die bisherigen Verantwortlichen sollen in ihren Ämtern bleiben.

Das Unternehmen machte bereits in Bildung und Infrastruktur

Zusammen mit der "Washington Post" gehen auch mehrere andere Blätter an Bezos. Der Amazon-Chef kann sich den Kauf offenbar problemlos leisten: Er besitzt nach Schätzungen des Finanzdienstleisters Bloomberg aktuell ein Vermögen von 28,2 Milliarden Dollar, das vor allem in Amazon steckt. Damit landet er in der Rangliste der Superreichen auf Rang 15.

Die börsennotierte Washington Post Company stellt sich schon seit Jahren breiter auf, zu ihr gehören unter anderem ein Bildungsanbieter, lokale Fernsehstationen und ein Kabelnetz-Betreiber. Das Unternehmen wird seinen Namen nach Abschluss des Zeitungsverkaufs ändern. Ein neuer Name sei aber noch nicht gefunden, hieß es.

Aktuell gibt es einige Übernahmen in der Medienbranche. Erst am Wochenende hatte in den USA der "Boston Globe" den Besitzer gewechselt. Zuvor hatte bereits Starinvestor Warren Buffett über seine Investmentholding Berkshire Hathaway rund 70 lokale Blätter übernommen.

Parallel hat Medienmogul Rupert Murdoch seine Zeitungen (unter anderem "Wall Street Journal", "Sun") in ein eigenständiges Unternehmen abgespalten. Einen ähnlichen Weg geht momentan die Tribune Company ("Chicago Tribune", "Los Angeles Times"), die sich aufs lokale Fernsehen verlegt. Ende Juli hatte sich in Deutschland der Springer-Verlag von seinen Traditionsblättern "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost" getrennt.

sun/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
bettyboop2013 05.08.2013
Na bitte, es geht auch andersrum. Ich glaube ja nicht an das große Zeitungssterben.
2.
totalmayhem 06.08.2013
Zitat von sysopAFPDer Preis liegt bei 250 Millionen Dollar. Amazon-Gründer Jeff Bezos übernimmt die renommierte US-Hauptstadtzeitung "Washington Post". Bezos tritt als Privatperson an, mit dem weltgrößten Online-Händler soll der Deal nichts zu tun haben. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/us-zeitung-amazon-gruender-bezos-kauft-washington-post-a-914972.html
Wer's glaubt wird selig... und wer's nicht glaubt kommt auch in den Himmel. Klingt irgendwie nach Uli Hoeness, der trat ja auch als Privatperson beim grossen schweizer Schwarzgeldboersengewinnspiel an, mit dem weltgroessten Fussballverein sollen diese Deals nichts zu tun haben. ;)
3. Warum
disi123 06.08.2013
hoeren wir nichts schlechtes ueber Amazon? Sollten das ordentliche Oekonomen sein? Ich selbst habe einen Kindle Paperwhite als Nachfolger des Kindle Keyboard und bin meist zufrieden, insbesondere wegen 3G Lieferung der Buecher. Alles andere interessiert mich eher wenig :)
4. Da fällt mir doch ein altes Sprichwort ein
einwerfer 06.08.2013
Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
5. optional
steelman 06.08.2013
Da kommt dann wohl auch bei der WP der flächendeckende Minimallohn, damit sich Herr Bezos auch bei seinem auf letzter Reise getragenen Hemd (in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft) die nicht vorhandenen Taschen füllen kann.
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