US-Medienkonzern Belästigungsvorwürfe gegen CBS-Chef Moonves

Der Chef des US-Medienkonzerns CBS soll laut einem Medienbericht mehrere Frauen sexuell belästigt haben. Leslie Moonves selbst räumt Fehler ein - er habe Frauen "in Verlegenheit gebracht".

Leslie Moonves
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Mindestens sechs Mitarbeiterinnen soll Leslie Moonves unangemessen berührt, ohne ihr Einverständnis geküsst oder eingeschüchtert haben: Ein Bericht des Magazins "The New Yorker" setzt den Chef des US-Medienkonzerns CBS unter Druck - einen der mächtigsten Männer der amerikanischen Unterhaltungsbranche. Der Artikel legt zudem nahe, dass sexuelle Übergriffe bei CBS allgemein verbreitet seien. Das Unternehmen kündigte eine Untersuchung der Vorwürfe an.

Der "New Yorker" erfuhr nach eigenen Angaben von sechs Frauen von sexuellen Übergriffen durch Moonves in einem Zeitraum von den Achtzigerjahren bis zu den späten Nullerjahren. Vier Frauen berichteten demnach, Moonves habe sie während beruflicher Treffen angefasst oder geküsst. Zwei andere Frauen klagten demnach, Moonves habe sie körperlich eingeschüchtert oder ihnen gedroht, ihre Karriere zu zerstören.

Der CBS-Chef räumte in einer Erklärung Fehlverhalten ein. "Ich erkenne an, dass es vor Jahrzehnten Zeiten gab, in denen ich manche Frauen durch Avancen in Verlegenheit gebracht habe", schrieb er. Es handele sich um "Fehler und ich bedauere sie enorm". Zugleich versicherte Moonves, er habe immer "verstanden und respektiert", "das 'Nein' Nein heißt". Außerdem habe er nie seine Position missbraucht, um die Karriere von Mitarbeitern zu behindern.

"Leslie ist ein guter Mann"

Moonves' Frau Julie Chen, die bei CBS die Reality-Serie " Big Brother" moderiert, verteidigte ihren Mann gegen die Vorwürfe. "Leslie ist ein guter Mann und liebender Vater, hingebungsvoller Ehemann und inspirierender Unternehmensführer", schrieb sie auf Twitter. Er sei "immer ein liebenswürdiger, anständiger und moralischer Mensch" gewesen.

Der CBS-Aufsichtsrat hatte zuvor erklärt, die Vorwürfe würden untersucht und die Ergebnisse schnell bewertet. Danach werde das Gremium geeignete Maßnahmen ergreifen.

Im Bericht des "New Yorker" heißt es außerdem, 30 aktuelle oder ehemalige CBS-Mitarbeiter hätten darüber geklagt, dass Moonves' Verhalten auch auf andere Teile des Unternehmens abfärbe, darunter die CBS-Nachrichten und das renommierte Investigativ-Magazin "60 Minutes". Männer, die sich mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert sähen, würden bei CBS trotzdem gefördert, selbst wenn Frauen wegen der Vorwürfe bereits Geld gezahlt worden sei.

CBS erklärte, der Artikel gebe die Realität im Unternehmen nicht zutreffend wider. CBS tue "sein Bestes, um seine Zehntausende Mitarbeiter würdevoll und respektvoll zu behandeln".

Im November hatte CBS News den Moderator Charlie Rose, bis dahin einen der angesehensten Fernsehjournalisten der USA, entlassen, nachdem laut "Washington Post" acht Frauen ihm unerwünschte sexuelle Avancen vorgeworfen hatten.

Aktienkurs stürzt ab

Moonves war 1995 von der Fernsehproduktionsfirma Warner Bros. zu CBS gekommen und 1998 zum Chef von CBS Television aufgestiegen. 2003 wurde er Vorstandsvorsitzender. Er nahm Quotenhits wie die Serien "CSI" und "Alle lieben Raymond" ins Programm. Sein Vermögen schätzt das Magazin "Forbes" auf 700 Millionen Dollar (601 Millionen Euro).

Vergangenes Jahr war CBS die meistgesehene Sendergruppe in den USA. Am Freitag stürzte der Aktienkurs des Unternehmens bereits vor Erscheinen des Enthüllungsberichts allein wegen der vorab kursierenden Gerüchte um Moonves um mehr als sechs Prozent ab.

Der Artikel im "New Yorker" stammt von Ronan Farrow. Mit seinen Berichten über die Vorwürfe sexueller Gewalt gegen den früheren Hollywoodmogul Harvey Weinstein hatte er dazu beigetragen, die #MeToo-Debatte loszutreten. Er wurde dafür mit dem renommierten Pulitzerpreis ausgezeichnet und machte in der Folge weitere Missbrauchsskandale öffentlich.

Für Weinstein und andere Showgrößen führten solche Enthüllungen in den vergangenen Monaten zum beruflichen Absturz. Dieses Schicksal könnte nun auch Moonves drohen.

kev/AFP

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