"New York Times" Nachrufe auf die Übersehenen

Seit 1851 druckt die "New York Times" Nachrufe - die meisten nach eigener Aussage über weiße Männer. Nun gedenkt die Zeitung nachträglich 15 berühmter Frauen, die man "übersehen" hat.


Charlotte Brontë, Ida B. Wells oder Diane Arbus, alles Frauen die nach Ansicht der "New York Times" Nachrufe verdient hätten - und sie nicht bekamen. Zumindest von der eigenen Zeitung: Unter Tausenden Nachrufen, die die "New York Times" veröffentlichte, handelten nur gut ein Fünftel von Frauen. Unter dem Titel "overlooked", zu deutsch "übersehen" startete die Zeitung zum Weltfrauentag eine Artikelserie über weibliche Berühmtheiten.

"Nachrufe sind mehr über das Leben als den Tod", schreiben die beiden verantwortlichen Redakteurinnen Amisha Padnani und Jessica Bennett. "Wem gedacht wird - und wie - beinhaltet eine grundsätzliche Beurteilung. Auf Nachruf-Archive zurückzuschauen, kann deshalb eine umfassende Lektion darin sein, wie unsere Gesellschaft verschiedene Errungenschaften und erfolgreiche Menschen wertschätzt."

Aktivistinnen, Autorinnen, Matematikerinnen

Fotografin Diane Arbus
Getty Images

Fotografin Diane Arbus

Unter den derzeitigen Veröffentlichungen finden sich Aktivistinnen, Autorinnen oder Mathematikerinnen. Darunter die amerikanische Fotografin Diane Arbus, die mit ihren Aufnahmen Debatten unter Intellektuellen und Fotografen anregte.

Gemälde von Ada Lovelace
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Gemälde von Ada Lovelace

Auch Ada Lovelace, eine Matematikerin, die zu den ersten Computer-Programmiererinnen zählt, bekam einen Nachruf. Lovelace lebte im 19. Jahrhundert.

Aktivistin Ida B. Wells, aufgenommen 1920.
Getty Images

Aktivistin Ida B. Wells, aufgenommen 1920.


Ganz oben auf der Seite findet sich ein Nachruf für Ida B. Wells, einer amerikanischen Journalistin und Bürgerrechtlerin, die sich Ende des 19. Jahrhunderts gegen die Lynchjustiz von Afroamerikanern einsetzte. "Jemand muss zeigen, dass gegen Afroamerikaner mehr Sünden begangen werden, als sie selbst begehen, und es scheint als ob es mir zugefallen sei, dies zu tun", zitiert die Zeitung Wells.

Chinas Johanna von Orleans

Als nächstes folgt die feministische Poetin Qui Jin, die auch als Chinas Johanna von Orleans bezeichnet wird. "Mit ihrer Leidenschaft für Wein, Schwerter und das Bomben-Bauen war Qui Jin nicht wie die anderen Frauen, die im späten 19ten Jahrhundert geboren wurden", schreibt die "Times".

Auch die bekannte britische Autorin Charlotte Brontë findet sich unter den Nachrufen. Brontë war 20 als sie 1836 ihre ersten Manuskripte an Robert Southey, ein preisgekrönter englischer Poet, schickte. Seine Antwort: "Literatur sollte nicht das Geschäft der Frauen sein." 11 Jahre später veröffentlichte Brontë unter Pseudonym den Erfolgsroman "Jane Eyre".

Die "New York Times" kündigte an, weitere Nachrufe von nicht beachteten Persönlichkeiten der Vergangenheit veröffentlichen zu wollen. In Zukunft wolle man sich aber nicht nur auf Frauen beschränken.

ans/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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meineidbauer 10.03.2018
1. Pseudonym statt Synonym
Charlotte Brontë benutze das Pseudonym Currer Bell für ihren ersten Roman, später auch andere. Die Brontë Geschwister waren allesamt musisch/künstlerisch sehr begabt, leider war ihnen kein großes Lebensglück beschieden und alle starben früh. Bei einem Aufenthalt in Yorkshire empfehle ich den Besuch der Brontë Parsonage in Haworth, wo der Familie ein würdiges Andenken bewahrt wird.
mick richards 10.03.2018
2.
Späte einsicht für eine zeitung von welt...sry.
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