USA Streit um geplante Doku über Hitlers Jugend

Über den Plan des amerikanischen TV-Senders CBS, eine Mini-Serie über Adolf Hitler zu drehen, ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Die Filmreihe soll den deutschen Diktator nicht als Monster, sondern als Mensch zeigen.


Diktator Hitler: "Wir vergessen, dass er letztlich ein Mensch war"
DPA

Diktator Hitler: "Wir vergessen, dass er letztlich ein Mensch war"

Als Basis der Serie "Hitler" soll die vor zwei Jahren veröffentlichte, dreibändige Hitler-Biografie des britischen Historikers Ian Kershaw dienen. Laut CBS wolle man mit den geplanten Filmen die Wurzeln des Bösen erkunden und der Fragestellung nachgehen, was Hitler zu der Person gemacht habe, als die er in die Geschichte einging. Die Tatsache, dass sich die Mini-Serie aus diesem Grund auf die Kindheit und Jugend Hitlers konzentrieren will, spätere Gräueltaten jedoch aussparen soll, provozierte bereits im Vorwege der Produktion heftige Kritik.

Was die Gemüter erhitzt, stellt die "Los Angeles Times" fest, ist die Frage, welchen Einfluss ein Film haben soll, der Hitlers Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen, vom ausgeschlossenen, verstoßenen Künstler zum Führer des Dritten Reiches zeigt, ohne die furchtbaren Konsequenzen dieses Aufstiegs zu schildern.

Bevor überhaupt mit den Dreharbeiten begonnen wurde, ist offenbar bereits gesichert, dass die Serie in den so genannten "Sweeps" ausgestrahlt werden soll, speziellen Zeiträumen, in denen die Einschaltquoten gemessen werden, nach denen später die Höhe der Werbepreise festgelegt wird. Kritiker werfen CBS deswegen vor, im Kampf um Zuschauer auf den Namen eines Massenmörders zu setzen. "Beste Sendezeit für Hitler" titelte etwa das "Jewish Journal for Greater Los Angeles".

CBS-Chef Leslie Moonves weist jedoch alle Vorwürfe zurück. Im Hinblick auf den Terroristen Osama bin Laden oder Iraks Präsident Saddam Hussein sei es interessant zu betrachten, wie "böse Jungs" mächtig werden und wie das die restliche Welt beeinflusse. Gezeigt werden solle dies an einem Teil von Hitlers Leben, der den Leuten bis heute kaum bekannt ist: Hitler nicht als Monster, sondern als Mensch.

"Die Geschichte hat das Urteil gefällt, dass Hitler ein Monster ist", sagte Abraham H. Foxman, Leiter der "Liga gegen Verleumdung", einer amerikanischen Bewegung gegen Antisemitismus, gegenüber der "L.A. Times". "Warum müssen wir erfahren, wann und wie er aufgewachsen ist? Der nächste Film zeigt Hitler dann vermutlich als Jugendlichen und wir werden herausfinden, dass er ein Bettnässer war."

Der amerikanische Rabbi John Rosove fürchtet unterdessen, dass die Serie einen sympathischen Menschen zeigen könnte. Dies könnte unbeabsichtigte Folgen haben in einer Zeit des stärker werdenden Antisemitismus.

"Wir wissen, wie die Geschichte endet", hatte der CBS-Chef bereits im Juli erklärt. "Die Leute sagen: 'Vorsicht, du könntest ihn menschlich machen'. Aber er war menschlich. Wir vergessen, dass er letztlich ein Mensch war. Ich sage nicht, dass er ein guter Kerl war. Er war ein schlechter Kerl."



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