"Vanity Fair"-Urgestein US-Autor Dominick Dunne ist tot

Fast drei Jahrzehnte berichtete Dominick Dunne für das berühmte US-Magazin "Vanity Fair" über die kriminelle Energie der amerikanischen High Society. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Roman über den O.J.-Simpson-Prozess. Am Mittwoch ist der Schriftsteller gestorben.


Er war ein Meister des "True Crime", der Geschichten über wahre Verbrechen. Im Gesellschaftsmagazin erzählte Dominick Dunne mehr als ein Vierteljahrhundert von den schockierenden Taten der Reichen und Berühmten. Jetzt ist der US-Autor im Alter von 83 einem Krebsleiden erlegen, wie sein Sohn am Mittwoch mitteilen ließ.

Schon von Kindesbeinen an war Dominick Dunne von Hollywood fasziniert. Gleich nach dem College begann er also beim Fernsehen zu arbeiten und produzierte schließlich in den Siebzigern mehrere Hollywood-Filme, bevor er sich in Richtung Journalismus umorientierte und den Problemen der High Society widmete.

Es war ein persönlicher Schicksalsschlag, der ihn zu seiner beruflichen Passion der nächsten Jahrzehnte führte: 1982 wurde seine gerade 22-jährige Tochter, eine aus Steven Spielbergs Film "Poltergeist" bekannte Schauspielerin, ermordet. Fortan berichtete Dominicke Dunn über wahre Verbrechen.

Das Erlebnis prägte ihn so, dass er außerdem später das viel diskutierte Buch "In unseren Kreisen" (Originaltitel: "People Like Us") veröffentlichte, in dem ein Journalist verurteilt wird, weil er versucht hat, den Mörder seiner Tochter umzubringen. "Als Schriftsteller konnte ich eine Situation erschaffen, in der ich das tun konnte, was mir im wirklichen Leben nicht möglich war", schrieb Dunne seinerzeit über die vom wahren Leben inspirierte Geschichte.

Zu den berühmten Fällen, über die er berichtete, gehört vor allem die Mord-Anklage gegen Football-Star O.J. Simpson. Millionen von Amerikaner lernten Dunnes Gesicht in den Jahren nach 1994 kennen, war er doch nicht nur ständig im Gerichtssaal zu sehen, sondern wurde auch häufig als Quasi-Experte für Promi-Verbrechen von den US-Fernsehsendern befragt. Der Roman "Another City, Not My Own" (Originaltitel), der auf der wahren Simpson-Verhandlung basiert, aber im Stil fiktiver Memoiren eines Gerichtsreporters geschrieben ist, schaffte es wie andere Dunne-Bücher auf die Bestsellerliste.

Doch Dominick Dunne schrieb nicht nur über die High Society, sondern war auch selbst ein Teil von ihr. Der 1925 geborene Schriftsteller will Stars wie Michael Jackson persönlich gekannt haben, speiste mit zahlreichen Prominenten und war ein regelmäßiger Gast beim Filmfestival in Cannes.

Seine berühmte Kolumne im "Vanity Fair"-Magazin wurde vor dem Tod des Autors vorübergehend ausgesetzt, weil sich Dunne auf die Fertigstellung seines nun letzten Buches "Too Much Money" (Originaltitel) konzentrieren wollte.

can/AP



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