Verfahren eingestellt: Ice-T darf auch in Ungarn rappen

Der Fall galt als Vorbote ungarischer Medienzensur. Jetzt hat die Medienregulierungsbehörde des Landes das Verfahren gegen den Privatsender Tilos Radio eingestellt. Der hatte einen Song des Gangster-Rappers Ice-T gespielt. 

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Rapper Ice-T: Könnte die psychische Entwicklung Minderjähriger negativ beeinflussen

Hamburg/Budapest - "Ordinär, sexistisch und gewaltverherrlichend" sei der Songtext, befand die umstrittene ungarische Medienregulierungsbehörde NMHH - und leitete eine Untersuchung gegen den Budapester Underground-Sender Tilos Radio ein. Der hatte "It's on", einen Song des Gangster-Rappers Ice-T, im Nachmittagsprogramm gespielt. Jetzt wird das Verfahren eingestellt.

"Wir sind zu der Schlussfolgerung gelangt, dass die spezifische Slang-Sprache dieses Songs von ungarischen Minderjährigen nicht verstanden wird", sagte der Behördenvertreter Andras Koltay am Donnerstag vor Journalisten in Budapest.

Die Behörde hatte noch im Jahr 2010 das Verfahren eingeleitet. Der Text des Lieds könne die psychische Entwicklung Minderjähriger negativ beeinflussen, hatte es in der Begründung für die Einleitung des Verfahrens geheißen. Der Fall hatte deshalb Aufsehen erregt, weil der Inhalt des Bescheids am Neujahrstag bekannt geworden war, als das neue, umstrittene Mediengesetz in Ungarn in Kraft trat.

Das Verfahren war auf der Grundlage des alten Medienrechts eingeleitet worden, das bereits entsprechende Jugendschutzbestimmungen enthielt. Das neue Medienrecht wurde sowohl in Ungarn als auch international kritisiert, weil seine vagen Bestimmungen auch zur Unterdrückung der Pressefreiheit herangezogen werden können. Die EU-Kommission prüft es derzeit im Hinblick auf seine Vereinbarkeit mit europäischem Recht.

sha/dpa

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