Verhandlungen gescheitert Veranstalter verkünden Aus für die Love Parade

Die Love Parade wird nach Aussage der Veranstalter in diesem Jahr nicht stattfinden. Die Verhandlungen mit dem Senat über eine abermalige Beteiligung der Stadt Berlin an den Kosten des Raver-Umzugs seien gescheitert. Eine Sprecherin des Wirtschaftssenators widersprach. Es werde ein weiteres Gespräch geben.


Tänzerin auf der Love Parade (2002)
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Tänzerin auf der Love Parade (2002)

Berlin - Eine Sprecherin der Love Parade erklärte am Mittwoch, dass die Gespräche mit dem Berliner Senat zu keiner Einigung geführt hätten. Im vergangenen Jahr hatte eine Tochtergesellschaft der Messe Berlin das Catering und andere Dienstleistungen übernommen und war auf einem Minus von 500.000 Euro sitzen geblieben. Einen solchen Verlust will die Stadt nicht mehr tragen.

Die Veranstalter hatten dagegen argumentiert, dass von der Love Parade auch das Berliner Hotel- und Gaststättengewerbe profitiere. Bei den bisherigen Gesprächen mit dem Senat sei auch die Möglichkeit geprüft worden, künftig ein Eintrittsgeld für die Love Parade zu verlangen. "Wir denken aber, dass das der falsche Weg ist, da eine Love Parade als geschlossene Veranstaltung die ursprüngliche Idee ins Gegenteil verkehren würde", sagten die Organisatoren.

Unterdessen erklärte eine Sprecherin von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS), für den Senat seien die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. An diesem Freitag solle es ein abschließendes Gespräch mit den Love-Parade-Machern geben. Inzwischen hat man dieses Gespräch offenbar auf den heutigen Abend vorverlegt.

Die oppositionellen CDU und FDP in Berlin forderten den Senat dazu auf, die Love Parade für Berlin zu retten. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Kai Wegner, erklärte, für Berlin seien ein enormer Imageschaden und erhebliche Einnahmeverluste zu befürchten. Die FDP fordert den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf, die Love Parade zur Chefsache zu machen und Sponsoren aufzutreiben.

Die Grünen-Sprecherin für Stadtentwicklung, Claudia Hämmerling, betonte hingegen, es sei nicht Aufgabe des Senats, "Spaßveranstaltungen zu subventionieren". Es sei kein Wunder, dass die "in die Jahre gekommene Jugendveranstaltung" vor dem Aus stehe.

Vor 15 Jahren begann das öffentliche Tanz-Spektakel mit rund 150 Techno-Fans auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Initiator war damals Techno-DJ Dr. Motte, mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh, der immer noch der oberste Zeremonienmeister des Umzugs ist. Binnen weniger Jahre mauserte sich die Love Parade zur größten Raverparty der Welt. 1995 wurde der Ku'damm zu eng für die Parade, die im Jahr darauf erstmals auf der Straße des 17. Juni durch den Tiergarten zog. Mehr als 750.000 Menschen tanzten rund neun Stunden lang in oft gewagter Aufmachung zu hämmernden Rhythmen hinter den "Lovetrucks" her und verwandelten die Hauptstadt in eine große Partyzone. 1999 brach das Spektakel mit mehr als 1,5 Millionen Teilnehmern alle Rekorde, die "Tanzfläche" zwischen dem Brandenburger Tor und dem Ernst-Reuter-Platz war so groß wie 36 Fußballfelder: etwa 260.000 Quadratmeter.

2001 ging der mittlerweile auch nach Wien, Tel Aviv und Mexiko-Stadt exportierte Techno-Umzug erstmals nicht als politische Demonstration für Liebe und Toleranz sondern als kommerzielle Veranstaltung über die Bühne. 2002 gab es einen Besuchereinbruch: Nur noch rund 700.000 Besucher tanzten bei der Love Parade. Im vergangenen Jahr zogen die Beats und Bässe nur noch 500.000 Technofans an.



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