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Verlag Gruner + Jahr: Aus für "Park Avenue", weiterer Stellenabbau

Europas größter Zeitschriftenverlag reagiert auf die Krise: Gruner + Jahr stellt sein Personality-Magazin "Park Avenue" und zwei internationale Titel ein. Zuvor hatte der Verlag bereits den Umbau seiner Wirtschaftstitel angekündigt. Insgesamt fallen rund 120 Stellen weg.

Hamburg - Glamouröses Opfer: Nachdem der Gruner + Jahr-Vorstand aufgrund der Krise im Anzeigenmarkt "sein Portfolio einer Überprüfung unterzogen" habe, wie es in einer Pressemitteilung des Verlages heißt, hat er sich offenbar entschlossen, das Hochglanz-Magazin "Park Avenue" einzustellen.

Verlag Gruner + Jahr: Standorte in Köln und München werden geschlossen
DPA

Verlag Gruner + Jahr: Standorte in Köln und München werden geschlossen

Das seit 2005 erscheinende Gesellschaftsmagazin habe die "ambitionierten Ziele im Anzeigengeschäft" nicht erreicht - und der Verlag sieht offenbar keine Perspektive, dass sich dies in den kommenden Jahre ändern könnte.

Die Zeitschrift unter Leitung von Chefredakteur Andreas Möller soll letztmalig im Januar 2009 erscheinen. Von der Einstellung seien 23 Mitarbeiter in Redaktion und Verlag betroffen, deren Stellen wegfielen.

Auch zwei internationale Titel werden wegen der Sparmaßnahmen eingestellt. Neben der im Jahr 2001 gegründeten, monatlich erscheinenden "Gala"-Russland-Edition "Life & Style" werde auch das Wochenmagazin "Gala Niederlande" (seit 2007) wieder vom Markt genommen, hieß es von Verlagsseite aus.

Beide Titel hätten sich in ihren dicht besetzten Marktsegmenten nicht durchsetzen können. Zusammen entfielen durch die beiden Maßnahmen 35 Stellen in Verlag und Redaktion.

Nur wenige Stunden zuvor hatte Gruner + Jahr bekannt gegeben, dass es auch Veränderungen bei den Wirtschaftstiteln geben wird. Ab März 2009 soll eine Zentralredaktion die unterschiedlichen Wirtschaftspublikationen von Gruner + Jahr bestücken. Dazu gehören die "Financial Times Deutschland" (FTD), die Magazine "Capital" und "Impulse", die bisher in Köln beheimatet waren, und das Anlegermagazin "Börse Online", derzeitiger Redaktionssitz München.

Wie der Verlag mitteilte, wird die in Hamburg zusammengelegte Redaktion von einem Kollegium unter Leitung von "FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann geführt. Rund 250 Vollzeitkräfte sollen ihr angehören. Die Standorte Köln und München werden geschlossen.

Wie Alexander Adler, Sprecher von Gruner + Jahr, SPIEGEL ONLINE sagte, sollen insgesamt 110 Vollzeitstellen gestrichen werden. Dafür werden 50 Stellen in der neuen Zentralredaktion geschaffen, so dass bei der Umstrukturierung 60 Stellen wegfallen.

Gekündigte Mitarbeiter müssen sich allerdings für die 50 neuen Stellen in der Zentralredaktion erneut bewerben, und zwar "zu den Bedingungen, die in der neuen Gesellschaft Usus sind."

Die Chefredakteure Dr. Ursula Weidenfeld ("Impulse"), Stefanie Burgmaier ("Börse Online") und Klaus Schweinsberg ("Capital") sollen aber die inhaltliche Verantwortung für ihre Marken behalten.

Für Schweinsberg wird dies allerdings nicht mehr lange gelten: Am Dienstag wurde bekannt, dass er den Verlag Anfang 2009 verlassen wird. Der Mitteilung des Verlags ist jedoch zu entnehmen, dass seine Position offenbar wiederbesetzt werden soll.

Die gemeinsame Redaktion gliedert sich künftig in die Ressorts Unternehmen, Mittelstand/Gründer/Steuern, Geldanlage, Finanzen News, Politik, Lifestyle und Agenda. Über die Besetzung der Ressortleitungen soll in den kommenden Wochen entschieden werden.

Zusätzlich sollen je ein Reporter- und Autorenteam eingerichtet werden. Die Aufgaben des Layouts und der Chefs vom Dienst werden jeweils aus einem Team heraus wahrgenommen, die Online-Redaktionen werden zusammengelegt.

Überraschend sind diese Sparmaßnahmen nicht: Vor mehreren Wochen hatte Gruner + Jahr bereits eine mögliche Schließung von Titeln angedeutet.

Es sei "notwendig, dass wir in den nächsten Wochen in all unseren Ländern unser Portfolio um jene Titel bereinigen, die keine Aussicht haben, die Krise zu überstehen", schrieb Vorstandschef Bernd Kundrun an seine Mitarbeiter. Namen nannte Kundrun damals jedoch nicht. Außerdem verordnete der Vorstand eine Kürzung der Spesen, Reise- und Veranstaltungskosten um 20 Prozent.

Gruner + Jahr ist nicht der einzige Verlag, der sich aufgrund einbrechender Werbeeinahmen im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise gezwungen sieht, Sparmaßnahmen zu ergreifen.

Vor einigen Wochen hatte die WAZ-Gruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung" "Neue Ruhr/Rhein Zeitung", "Westfälische Rundschau") angekündigt, rund 300 Stellen zu streichen. Vergangene Woche machte dann die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH), Mehrheitseignerin des Süddeutschen Verlags, publik, dass es auch bei der "Süddeutschen Zeitung" Einschnitte geben wird.

chc/tdo/dpa/AP

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