Verstehen Sie Haas? So dekadent ist Hartz IV!

Von Daniel Haas

Westerwelle hat recht: Inmitten des deutschen Sozialstaats hat sich ein dekadentes Milieu gebildet! SPIEGEL ONLINE berichtet exklusiv aus dem Leben einer Hartz-IV-Gesellschaft, deren Genuss- und Vergnügungssucht nur eines genannt werden kann: spätrömisch!

Den Hals nicht voll kriegen: So geht "Das große Fressen" des Sozialstaats Zur Großansicht
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Den Hals nicht voll kriegen: So geht "Das große Fressen" des Sozialstaats

Neulich, in Berlin-Neuköllnium. Domizil einer vierköpfigen Familie (62 qm), Mehrparteien-Villa. Anwesende:

Kevinius, 36, (S-Bahn-Fahrer, freigestellt anno 2006)
Mandylia, 34, seine Frau
Ronnymus, 9, der Sohn, lyceeum rütliorum
Chantalia, 18, die Tochter


Kevinius: Reich sie mir die Fernbedienung. Und die Flips, wenn sie schon dabei ist.

Mandylia: O, Kevinius, schlemmen tust du wie ein Patrizier. Bangen muss ich ob deiner Plautzierung. Schon seh ich dich beim Medicus!

Kevinius: Sorge dich nicht, Mandylia, Füllige, Kinderreiche. Begrenzen werd ich mich nach diesem Erdnussröllchen für lang. Es ist das letzte.

Chantalia: Was scheut ihr denn den Medicus? Erst gestern war ich dort, zum Zeitvertreib und Illustriertenstudium. Zudem bringt der Senat doch die Pekunia auf!

Kevinius: Ja, Tochter, du hast recht. Und wer hätte sich Zerstreuung deutlicher verdient als du, Frühgebärende, Haargesträhnte? Ganze eineinhalb Jahre standest du vollzeitbeschäftigt in Diensten, serviertest Speisen, Demeter des Frittierten!

Chantalia: Und ward gekündigt ob einer Bulette! Und hatt ich nicht Tribut gezollt dem Staat und überhaupt? Ach, tief geht meine Erschöpfung. Recreation, das ist, was ich brauch!

Ronnymus: Komm, Schwester, ergötz dich mit mir an Brot und Videospielen.

Mandylia: Brot gibt es keins, aber nimm Chips, die Tütenraschelnden, und lass zerschmelzen sie im Mund, gefüllt mit süßer Brause.

Ronnymus: Ja, lasst uns Freude haben am Salzgebäck und wilden Spiel der Kreaturen. Den Bullterrier wolln wir reizen, auf dass er sich mit andern rauft.

Chantalia: Den Nachbarfilius, gut, den soll er greifen. Der Schlingel, der sich mein Nintendo lieh und dreizehn Unzen noch dazu, vom roten Libanesen.

Kevinius: Ja, keck sind sie, die Fremdlinge, mit ihrem Ostgebet und Teegetrinke. Sie schmähen unsern Gerstensaft und kennen unsre Riten kaum. Nie sah ich sie samstags bei der Television, auch bei den Ämtern traf ich sie eher selten.

Chantalia: Bizarr sind sie, mit verbundnem Kopf. Da lob ich mir die Toga, dreigestreift an Ärmel und Bein, in flauschgem Stoff umspielt sie mir Brust und Beine.

Kevinius: Ja, Tochter, sanft bleiben so die Übergänge zwischen Bett und Garderobe.

Mandylia: Es klingelt. Ist's schon der Bote mit leckrer Sendung? Den duftenden Kartons, dazu die Musik der Erfrischung, wenn die Koffeinkaraffen aneinander schlagen!

Kevinius: Wie gut ist uns Fortuna! Der Orator, wie hieß er gleich, der Hautgenarbte? Er wusste es: Gesegnet sind wir mit Kultur und Kulinarik.

Alle im Chor: Nunc est bibendum! Prosit, Guido Westerwelle!

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
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1. .
frubi 12.02.2010
Zitat von sysopWesterwelle hat recht: Inmitten des deutschen Sozialstaats hat sich ein dekadentes Milieu gebildet! SPIEGEL ONLINE berichtet exklusiv aus dem Leben einer Hartz-IV-Gesellschaft, deren Genuss- und Vergnügungssucht nur eines genannt werden kann: spätrömisch! http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,677512,00.html
Großes Kino. Druck ich direkt mal aus und schick es an die FDP-Zentrale z. Hd. Herrn Westerwave. Gibt es für MdB´s eigentlich Gratis Schlaftabletten? Ich würde mich ansonsten ernsthaft Fragen, wie die Nachts ruhig schlafen können.
2. selten so gelacht!
lexel 12.02.2010
Köstlich! Danke für den humorvollen Wochenausklang! Schade nur das der Hintergrund so unerfreulich ist... Aber wie sagt der Volksmund? Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
3. Guidius
Medienkritiker 12.02.2010
Ja Guidius, Recht seid Ihr! die Prekariaten schlemmen und versaufen unser heilig Reich...
4. Geschichte und FDP
odet 12.02.2010
Die Geschichtskenntniss des Herrn W. sind ja allerliebst. Vieleicht könnte sich einer der nächsten FDP-Parteispender erbarmen und statt Cash ein paar Geschichtsbücher springen lassen. Aber Spaß beiseite, die Politik des Herrn W. und seiner Mövenpick-Partei ist einfach nur noch widerlich und abstossend. Bleibt zu hoffen, daß auch die Wähler das mal merken und die FDP in ihrer Dekadenz auch bald Geschichte ist.
5. "der Hautgenarbte"
Neurovore 12.02.2010
Da kann man dem Haas ja direkt seine letzten Beiträge verzeihen....;-)
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