Verstehen Sie Haas? Vorsicht, Kanzlerin am Drücker!

Von Daniel Haas

Die Kanzlerin tastet sich durchs tägliche Regierungsgeschäft. Und zwar per SMS. Aber ist Angela Merkel dem Medium wirklich gewachsen? SPIEGEL ONLINE veröffentlicht exklusiv den Kurznachrichtenwechsel der mächtigsten Frau im Land. Ein fiktives Protokoll des Schreckens.

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Kanzlerin Angela Merkel: Ich drück dich

Früher, im Kalten Krieg, hatten wir Angst, dass jemand auf den falschen Knopf drückt. Heute sind es mindestens zwölf Tasten, um die wir uns Sorgen machen müssen. Die Kanzlerin ist am Drücker, und zwar per Handy. Man weiß, dass sie täglich zahllose SMS-Nachrichten versendet; die SMS-Botschaft ist quasi ihr Instruktions- und Verlautbarungsorgan, ihre technologische Bulle.

Spätestens seit der causa Gauck ist klar, wie rabiat Angela Merkel mit dem Short Message Service verfährt. "Danke für die Info und herzliche Grüße am", schrieb sie an Sigmar Gabriel, der Joachim Gauck vorgeschlagen hatte. Nur 41 Zeichen, und die Idee einer parteiübergreifenden Kandidatur des Wunschkandidaten von SPD und Linken für das Bundespräsidentenamt gehörte zu den Akten.

Was aber, wenn Angela Merkel, deren Arbeitstag rund 14 bis 16 Stunden umfasst, die eine Finanzkrise und einen marodierenden Vizekanzler im Zaum halten muss, die internationale Allianzen zur Klimarettung schmiedet und transatlantische Bündnisse formt, was ist, wenn diese Frau dem SMS-Stress nicht mehr gewachsen ist? Wenn sie sich vertippt? Wenn Sie den falschen Adressaten wählt?

Wer genau hinschaute, war bereits gewarnt: Die klassische Merkel-Handhaltung - Fingerkuppen von Rechter und Linker gegeneinander gestemmt und damit ein Dreieck bildend -, das ist eine klassische Entspannungsübung bei Überbeanspruchung von Sehnen und Muskeln. Der Rösler hätte als Gesundheitsminister da ruhig mal was sagen können: Alles im Griff, Frau Merkel?

Wie brisant die Lage tatsächlich ist, das enthüllen nun die Protokolle des SMS-Verkehrs der Kanzlerin. Sie wurden SPIEGEL ONLINE von einem sich verdeckt haltenden Telekommunikationskonzern nach langem Hin und Her ("Menno!", "Jetzt seid doch nicht so!") zugespielt.

Die Kanzlerin macht Druck

Am 29. Mai schreibt Merkel an Christian Wulff: "Sie haben Hannover und dem Land einen großen Dienst erwiesen. Und ich mag Ihren Akzent." Wulff daraufhin zurück: "Welchen Akzent meinen Sie? Den wirtschaftspolitischen? Oder meine Haltung zu Schwarz-Gelb generell?" Erst hier realisiert Merkel, dass sie eine alte, für Lena Meyer-Landrut bestimmte SMS versendet hat. Auch die Nachricht: "Gut, dass Sie das Abi trotzdem gemacht haben" war nicht für den niedersächsischen Ministerpräsidenten bestimmt.

Am 2. Juni erhält Tante Ursula, genannt Ursel, folgende SMS: "Tut mir leid. Hätte es Dir früher sagen sollen." Tante Ursel, eine entfernte Verwandte mit Wohnort im Altenheim Kyritz, erleidet daraufhin einen schweren psychotischen Schub und wird "Nicht auch noch Schlesien!" rufend in eine geschlossene Abteilung eingeliefert. Noch dreimal versendet die Kanzlerin die SMS, die schließlich der Pfleger Bodo Schmirgel folgendermaßen beantwortet: "Was soll der Blödsinn?" Erst als die Kanzlerin Ursula von der Leyen mit den Worten "Dieser Blödsinn ist nun mal unser Job!" zur Rede stellt, kann die Sache aufgeklärt werden.

Am 5. Juni schreibt Merkel an Joachim Löw: "Auch wenn die Truppe reduziert ist: keine Gefangenen." Die SMS geht allerdings an den Verteidigungsminister. "Und die Genfer Konventionen?", lautet die schmallippige Antwort Guttenbergs. Merkel: "Gut, dass Sie Ihren Humor noch nicht verloren haben."

An Joachim Löw wird am selben Tag hingegen eine für Joachim Sauer bestimmte Nachricht versandt. Sie bezieht sich auf einen Anruf Sauers aus dem Ikea-Markt Spandau, wo der First Husband zwei Nachttischchen erstehen soll. "Lieber Joachim", schreibt Merkel, "du machst das schon. Aber die schwarzen find ich doof." Mit Mühe und Not kann der im südafrikanischen Pretoria trainierende Löw davon abgehalten werden, den Rassismus-Beauftragten des DFB einzuschalten.

Am 8. Juni erhält Frank-Walter Steinmeier folgende Nachricht: "Ich stehe nach wie vor hinter Ihnen." Auch wenn der Verdacht nahe liegt, Merkel könnte ihre Außenminister mit protestantischer Knappheit unter "Außenminister" im Adressbuch abgespeichert haben, korrigiert Steinmeier das Missverständnis nicht. Dafür foppt er bei einem Lunch in der Bundestagskantine seinen Amtsnachfolger mit dem abgewandelten Kindervers "Ich lese was, was du nicht kriegst".

Schließlich der Fall Gaucks: Hier lässt sich erst jetzt das ganze Ausmaß des Debakels richtig einschätzen. Gunter Gabriel, seit seinem Auftritt für die deutschen Truppen in Kabul in Merkels Handy-Adressbuch eingespeichert, wird am 10. Juni von folgender SMS überrascht: "So habe ich mir unsere Zusammenarbeit nicht vorgestellt." Während Sigmar Gabriel noch mindestens eine Stunde auf Merkels Meinung zur Nominierung Gaucks warten muss, entspinnt sich zwischen Kanzlerin und Schlagerbarde folgender SMS-Wechsel:

Gabriel: "Ich diene meinem Land. Aber ich bin ein Künstler. Künstler sind frei."

Merkel: "Was hat das mit Kunst zu tun?"

Gabriel: "Also, das finde ich das kränkend."

Merkel: "Sie reden schon wie Koch."

Gabriel: "Kenn ich nicht."

Merkel: "Jetzt seien Sie doch nicht gleich pikiert."

Aufgeklärt wird das Ganze nur, weil Gabriel (Gunter) ein Foto schickt, das ihn beim Nacktwandern über den afghanischen Khyber-Pass zeigt.

Besorgt schaut man in die Zukunft: Wie wird die Kanzlerin durch die aktuelle Krise navigieren? Speichert sie führende Minister nun unter "Rumpelstilzchen" ab? Wird der Koalitionspartner demnächst unter "Gurkentruppe" geführt? Liebe Angela Merkel, beweisen Sie Fingerspitzengefühl! Ihre Sendung bestimmt das Geschick der Nation.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
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1. Man kann es nicht glauben,....
puter70 10.06.2010
Zitat von sysopDie Kanzlerin tastet sich durchs tägliche Regierungsgeschäft. Und zwar per SMS. Aber ist Angela Merkel dem Medium wirklich gewachsen? SPIEGEL ONLINE veröffentlicht exklusiv den Kurznachrichtenwechsel der mächtigsten Frau im Land. Ein Protokoll des Schreckens. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,699850,00.html
...dass Merkel ihre Regierungsgeschäfte offensichtlich im Wesentlichen durch das Versenden von SMS betreibt. Sie macht sich damit lächerlich. Das Bild einer Kanzlerin, die während Parlamentsdebatten auf ihr Handy starrt und Kurznachrichten in alle Welt schickt, zeigt eine überforderte, armselige Frau (watschelnder Hosenanzug), die sich wie eine Sekretärin verhält. So geht das nicht, Mutti. Ich bin sicher, dass es nirgendwo einen anderen Regierungschef gibt, der ein so trauriges Bild abgibt.
2. Respektlos
festuca 10.06.2010
Wie vereinbart sich solch ein Spon-Artikel eigentlich mit dem Post- und Dienstgeheimnis sowie der Privatsphäre? Soll die Kanzlerin jetzt auf das Niveau des seligen Heinrich Lübcke ("Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger...") runtergeschrieben werden?
3. .
takeo_ischi 10.06.2010
Zitat von festucaWie vereinbart sich solch ein Spon-Artikel eigentlich mit dem Post- und Dienstgeheimnis sowie der Privatsphäre? Soll die Kanzlerin jetzt auf das Niveau des seligen Heinrich Lübcke ("Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger...") runtergeschrieben werden?
Scheinbar verstehen Sie Haas nicht... Vielleicht hätte er doch besser 'Achtung Satire!' in I-Pad-grossen Lettern darüberschreiben sollen...
4. haha
mirallesklar81 10.06.2010
"Wer genau hinschaute, war bereits gewarnt" mal gespannt, wer noch so alles leichtgläubig lästert ...
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