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30. Juli 2009, 10:08 Uhr

Verstehen Sie Haas?

Was wirklich mit "Uuh La Schmidts" Auto geschah

Von Daniel Haas

Was ist wirklich geschehen im spanischen Dénia? Wie verlief er tatsächlich, der Raub von Ulla Schmidts Dienstwagen? SPIEGEL ONLINE zeigt, wie sich der spektakuläre Autoklau zugetragen haben könnte.

Dénia/Berlin - Die Wellen um Ulla Schmidts Dienstwagenskandal schlagen immer höher. Am Mittwoch tauchte der gestohlene Mercedes wieder auf. Was das Bundeskriminalamt der Presse vorenthielt: Das Fahrzeug war vom Innenministerium rundumverwanzt worden (auch außen, an diesem Nupsi, unterm Rückspiegel).

Ministerin Schmidt: Eine Tragödie kommt ins Rollen
REUTERS

Ministerin Schmidt: Eine Tragödie kommt ins Rollen

Der Sprecher von Innenminister Schäuble hält sich bislang bedeckt, spricht von "erweiterten Maßnahmen zur äußersten Steigerung der Außeninnen-Sicherheit".

Auf das wiederholte Anfragen seitens der Chefredaktion und motivierter Fachkräfte (Redaktionsassistent Schmonko M. Lümmelberger) wurde SPIEGEL ONLINE Einsicht in das Transkript des Bandmaterials gestattet.

Hier exklusive Auszüge aus dem aus dem Südnordostspanischen übersetzten Dokument.

Mann 1: "Los steig ein, Carlos!"
Mann 2: "Geht nicht, Tür ist abgeschlossen!"
Mann 1: "Quatsch, hier, hab doch gerade … Wieso ist denn die Tür abgeschlossen?"
Mann 2: "Sag ich doch!"
Mann 1: "Hey, Javier, hilf uns mal!"
Mann 3: "Ihr werdet doch noch eine Autotür auf… Mann, was ist das denn?"
Mann 2: "Also, jetzt mal alle zusammen. Auf drei … Eins, zwei, drei!"
(Schweres Schnaufen, Türgeräusch. Motor wird gestartet.)

Der Mitschnitt zeichnet im Folgenden auf: Fahrtgeräusche des, wie klar wird, tatsächlich massiv gepanzerten Wagens; ein Gespräch von Mann 1 und Mann 2 über iberischen Schinken und warum "Carla, die kleine Brünette aus Teulada" ein "Früchtchen" ist. Dann immer länger werdende Pausen, die Männer scheinen angespannt.

Mann 2: "Warum fährst du so langsam, schläfst du ein, oder was?"
Mann 1: "Ich fahre langsam, damit ich nicht bremsen muss."
Mann 2: "Spinnst du? Die Karre hat doch Bremsen!"
Mann 1: "Der Wagen hat den Bremsweg von die Spaceshuttle."
Mann 3: "Dem Spaceshuttle."
Mann 1: "Meinetwegen."
Mann 2: "Iiiii!"
Mann 1: "Was ist los! Erschreck mich doch nicht so! Ich hätte beinahe gebremst!"
Mann 2: "Tu das weg, tu das weg!"
Mann 3: "Ist doch nur Zahnseide."
Mann 1: "Wer macht denn so was? Zahnseide auf der Kopflehne!"

Das Gespräch wird lebendiger, die Diebe spekulieren über den Verkaufspreis ("100.000 Euro Minimum!") und dass dieser "Berliner Rap-Fuzzi, Buschidu oder so ähnlich" sicher "so was haben will". Das Radio wird eingeschaltet, kurze Zeit später laufen erste Meldungen zum Diebstahl der Staatslimousine.

Mann 1: "Wer ist Uuh La Schmidt?"
Mann 2: "La Schmidt wie La Palma?"
Mann 1: "Nein, diese Señora, wer ist das?"
Mann 2: "Keine Ahnung, aber sie muss stark sein wie ein Pferd!"
Mann 1: "Bei den Türen!" (Lachen)

Der Wagen kommt zum Stehen. Das Radio wird ausgeschaltet. Es wird an die Tür geklopft. Stimmengewirr. Geruckel an der Tür. Flüche. Geruckel. Zwei Männer steigen ein.

Mann 4: "Rutsch mal!"
Mann 3: "Vorsicht, hier ist überall Zahnseide."
Mann 4: "Iiiii, wer macht denn so was?"
Mann 1: "Uuh La Schmidt."
Mann 4: "Wer?"
Mann 5: "Seid ihr blöd im Kopf?"
Mann 2: "Warum?"
Mann 5: "Eine gepanzerte Limousine! Willst du, dass wir absaufen auf der Fähre?!"
Mann 2: "Äh, also …"
Mann 5: "Und die Türen gehen schwerer auf als ein zugefrorenes Kühlschrankfach."
Mann 1: "Ein Eis wär gut …"
Mann 5: "Klappe! Ihr bringt den Schlitten zurück!"
Mann 2: "Was?"
Mann 5: "Die Karre muss weg. Die Sache ist außerdem viel zu heiß!"
Mann 1: "Apropos, so ein Eis …"
Mann 5: "Und vergesst nicht, alles perfekt saubermachen!"
Mann 3: "Mit Zahnseide!" (Lachen)

Dies sind die prägnantesten Stellen aus dem 19-stündigen Tonband.

Am Mittwoch warf Reiner Holznagel (Name nicht von der Redaktion geändert), Hauptgeschäftsführer des Bundes der Steuerzahler, der Ministerin vor, die Dienstwagenaffäre zu verschleiern: "Der Fall wird immer verworrener."

Klar ist jedoch, was sich im malerischen Dénia selbst abspielte: der Beginn einer Tragödie.

Denn nicht nur das politische Schicksal der Gesundheitsministerin hängt seit dieser Nacht am seidenen Faden.

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