Verstehen Sie Haas? Was wirklich mit "Uuh La Schmidts" Auto geschah

Was ist wirklich geschehen im spanischen Dénia? Wie verlief er tatsächlich, der Raub von Ulla Schmidts Dienstwagen? SPIEGEL ONLINE zeigt, wie sich der spektakuläre Autoklau zugetragen haben könnte.

Von Daniel Haas


Dénia/Berlin - Die Wellen um Ulla Schmidts Dienstwagenskandal schlagen immer höher. Am Mittwoch tauchte der gestohlene Mercedes wieder auf. Was das Bundeskriminalamt der Presse vorenthielt: Das Fahrzeug war vom Innenministerium rundumverwanzt worden (auch außen, an diesem Nupsi, unterm Rückspiegel).

Ministerin Schmidt: Eine Tragödie kommt ins Rollen
REUTERS

Ministerin Schmidt: Eine Tragödie kommt ins Rollen

Der Sprecher von Innenminister Schäuble hält sich bislang bedeckt, spricht von "erweiterten Maßnahmen zur äußersten Steigerung der Außeninnen-Sicherheit".

Auf das wiederholte Anfragen seitens der Chefredaktion und motivierter Fachkräfte (Redaktionsassistent Schmonko M. Lümmelberger) wurde SPIEGEL ONLINE Einsicht in das Transkript des Bandmaterials gestattet.

Hier exklusive Auszüge aus dem aus dem Südnordostspanischen übersetzten Dokument.

Mann 1: "Los steig ein, Carlos!"
Mann 2: "Geht nicht, Tür ist abgeschlossen!"
Mann 1: "Quatsch, hier, hab doch gerade … Wieso ist denn die Tür abgeschlossen?"
Mann 2: "Sag ich doch!"
Mann 1: "Hey, Javier, hilf uns mal!"
Mann 3: "Ihr werdet doch noch eine Autotür auf… Mann, was ist das denn?"
Mann 2: "Also, jetzt mal alle zusammen. Auf drei … Eins, zwei, drei!"
(Schweres Schnaufen, Türgeräusch. Motor wird gestartet.)

Der Mitschnitt zeichnet im Folgenden auf: Fahrtgeräusche des, wie klar wird, tatsächlich massiv gepanzerten Wagens; ein Gespräch von Mann 1 und Mann 2 über iberischen Schinken und warum "Carla, die kleine Brünette aus Teulada" ein "Früchtchen" ist. Dann immer länger werdende Pausen, die Männer scheinen angespannt.

Mann 2: "Warum fährst du so langsam, schläfst du ein, oder was?"
Mann 1: "Ich fahre langsam, damit ich nicht bremsen muss."
Mann 2: "Spinnst du? Die Karre hat doch Bremsen!"
Mann 1: "Der Wagen hat den Bremsweg von die Spaceshuttle."
Mann 3: "Dem Spaceshuttle."
Mann 1: "Meinetwegen."
Mann 2: "Iiiii!"
Mann 1: "Was ist los! Erschreck mich doch nicht so! Ich hätte beinahe gebremst!"
Mann 2: "Tu das weg, tu das weg!"
Mann 3: "Ist doch nur Zahnseide."
Mann 1: "Wer macht denn so was? Zahnseide auf der Kopflehne!"

Das Gespräch wird lebendiger, die Diebe spekulieren über den Verkaufspreis ("100.000 Euro Minimum!") und dass dieser "Berliner Rap-Fuzzi, Buschidu oder so ähnlich" sicher "so was haben will". Das Radio wird eingeschaltet, kurze Zeit später laufen erste Meldungen zum Diebstahl der Staatslimousine.

Mann 1: "Wer ist Uuh La Schmidt?"
Mann 2: "La Schmidt wie La Palma?"
Mann 1: "Nein, diese Señora, wer ist das?"
Mann 2: "Keine Ahnung, aber sie muss stark sein wie ein Pferd!"
Mann 1: "Bei den Türen!" (Lachen)

Der Wagen kommt zum Stehen. Das Radio wird ausgeschaltet. Es wird an die Tür geklopft. Stimmengewirr. Geruckel an der Tür. Flüche. Geruckel. Zwei Männer steigen ein.

Mann 4: "Rutsch mal!"
Mann 3: "Vorsicht, hier ist überall Zahnseide."
Mann 4: "Iiiii, wer macht denn so was?"
Mann 1: "Uuh La Schmidt."
Mann 4: "Wer?"
Mann 5: "Seid ihr blöd im Kopf?"
Mann 2: "Warum?"
Mann 5: "Eine gepanzerte Limousine! Willst du, dass wir absaufen auf der Fähre?!"
Mann 2: "Äh, also …"
Mann 5: "Und die Türen gehen schwerer auf als ein zugefrorenes Kühlschrankfach."
Mann 1: "Ein Eis wär gut …"
Mann 5: "Klappe! Ihr bringt den Schlitten zurück!"
Mann 2: "Was?"
Mann 5: "Die Karre muss weg. Die Sache ist außerdem viel zu heiß!"
Mann 1: "Apropos, so ein Eis …"
Mann 5: "Und vergesst nicht, alles perfekt saubermachen!"
Mann 3: "Mit Zahnseide!" (Lachen)

Dies sind die prägnantesten Stellen aus dem 19-stündigen Tonband.

Am Mittwoch warf Reiner Holznagel (Name nicht von der Redaktion geändert), Hauptgeschäftsführer des Bundes der Steuerzahler, der Ministerin vor, die Dienstwagenaffäre zu verschleiern: "Der Fall wird immer verworrener."

Klar ist jedoch, was sich im malerischen Dénia selbst abspielte: der Beginn einer Tragödie.

Denn nicht nur das politische Schicksal der Gesundheitsministerin hängt seit dieser Nacht am seidenen Faden.



insgesamt 130 Beiträge
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claudilein 30.07.2009
1. Wo ist ein Artikel über Dienstreisenaffäre der CDU?
Im Gegensatz zu den Privatflügen mit der Flugbereitschaft von Merkel oder der Geheimnistuerei von Zensursula ist Schmidt doch harmlos: http://info.kopp-verlag.de/news/kanzlerin-angela-merkel-auf-kosten-der-steuerzahler-mit-dem-learjet-zur-buchpraesentation.html Wäre aber schön, wenn Merkel und Zensursula nun auch aus dem CDU-Kompetenzteam flögen…
Berlinger, 30.07.2009
2. Satire?
Ist das eine Satire? Der gelungene Entwurf eines Drehbuchs?
ullameyko, 30.07.2009
3. von den Kosten für die Spanienreise des Autos samt Chauffeur lebt eine Hartz IV Famil
Die "da oben" sind inzwischen so abgehoben. Weiss Frau Schmidt eigentlich noch, dass über 3000 Euro (wobei ich das für nach unten geschönt halte) eine Menge Geld ist. Davon lebt eine Person mit Hartz IV oder ALG II 10 Monate lang.... Abwählen ist die einzig richtige Strategie und Gott sei Dank ist das Stimmvieh ja demnächst wieder mal gefragt....
waldemar, 30.07.2009
4. Ich will ...
... das ganze Tonbandmaterial (19 Stunden) lesen ...
OG187 30.07.2009
5. Gps?
Jetzt wissen wir dass der Wagen rundum verwanzt ist... wer hat denn im Alltag eigentlich Zugriff auf die Aufnahmen? Wer die Gespräche unserer höchsten Regierungsmitglieder mitverfolgen kann muss wohl sehr mächtig sein. Eine andere Frage: hat denn der Wagen keinen versteckten GPS-Sender eingebaut? (SPON-Suchfunktion findet das Wörtchen "GPS" zu allgemein und ignoriert es :-)))
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