Fotograf Volker Hinz Gestohlene Momente

Normalerweise sind sie hinter der Kamera, doch hier stehen die Fotografen im Mittelpunkt: Volker Hinz hat Bilder gemacht, die seine Kollegen bei der Arbeit zeigen - oft zusammen mit Promis.

Volker Hinz/ Edition Lammerhuber

Fotos prägen Erinnerungen. Nicht nur private, auch die einer Gesellschaft. Volker Hinz, über Jahrzehnte Fotograf für den "Stern", prägte mit seiner Arbeit das Bild, das die junge Bundesrepublik sich von sich selber machte. Der einsame Willy Brandt auf einer Fähre, einen Tag vor seinem Rücktritt. Helmut Schmidt, mal nachdenklich, mal gelöst mit seinem Vater. Helmut Kohl zwischen zwei Pferdehintern.

Volker Hinz war ein Gesellschaftsbeobachter. Vor seiner Linse tummelten sich nicht nur Politiker, sondern unzählige Stars und Sternchen, von Woody Allen bis Kate Moss. Auch viele dieser prägnanten Schwarz-Weiß-Aufnahmen gingen in das kollektive Gedächtnis ein: Muhammad Ali 1984 beim Training vor einem Kampf. William S. Burroughs von hinten, in der Hand ein Revolver. Franz Beckenbauer 1977 im entspannten Gespräch mit Pelé - nackt unter der Dusche.

Volker Hinz veredelte mit seiner Hasselblad-Kamera den Schnappschuss zur Kunst. Die Pose interessierte ihn nicht, und er beteiligte sich nicht daran, eine Oberfläche zu polieren. Es ist ein warmer, zugewandter Blick auf Menschen und Situationen, der seine Bilder so faszinierend macht. "Stolen Moments", so bezeichnet Hinz selbst seinen subjektiven Ansatz bei der Fotografie.

Fotografen im Fokus

"Was ich mache, ist kein Beruf", hat Volker Hinz gesagt. "Man muss schon besessen sein von dem, was man tut. Ich bin es." Im Sommer 2012 ging er in den Ruhestand, aber ruhig geworden ist er deshalb nicht. 2013 stellte er eine Retrospektive seiner Fotos von William S. Burroughs zusammen, die in seiner Heimatstadt Hamburg gezeigt wurde.

Nun ist er erneut in die Tiefen seines Archivs hinabgestiegen -wortwörtlich, denn Hinz bewahrt seine Fotos nicht digital, sondern als Dias in Hunderten von Kartons auf. Diesmal suchte er nach Motiven, um seiner Profession eine Liebeserklärung zu machen.

Herausgekommen ist der 424 Seiten und 371 Fotos umfassende Band "In love with Photography". Volker Hinz versammelt hier Porträts von Menschen, die für ihn unsichtbare Helden sind, eigentlich immer verborgen hinter ihren Kameras: Fotografen. Die in fast 50 Jahren angehäuften Aufnahmen zeigen Persönlichkeiten, die mit ihren Bildern unsere Wahrnehmung der Welt formten: Ansel Adams und Richard Avedon, F. C. Gundlach und Annie Leibovitz, Helmut Newton und Irving Penn.

Die Bilder zeigen sie privat oder bei der Arbeit, viele sind Porträts, bei denen sich die Fotografierten selbst in Szene setzen. Durch einen begleitenden Text des ehemaligen "Geo"-Chefredakteurs Peter-Matthias Gaede wird das schwergewichtige Buch auch zu einer Biografie von Volker Hinz selbst.

Im Mittelpunkt aber stehen seine Kollegen, die hier vor Hinz' Objektiv selbst zu Modellen werden. In den besten Momenten geschieht aber noch mehr: eine Reflexion über die Produktion von Bildern. Wie verhalten sich Fotograf und Modell zueinander - und wie wollen die Menschen hinter der Kamera selbst gesehen werden? Hinz hält diese Momente fest und kommt seinen Kollegen und damit seiner eigenen Arbeit sehr nahe.

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  • Volker Hinz:
    In love with Photography
    Text: Peter-Matthias Gaede

    Edition Lammerhuber;
    424 Seiten; 249 Euro.

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