Vorübergehend Taliban setzen Zerstörung der Buddha-Statuen aus

Wegen des moslemischen Opferfestes hat die Taliban-Regierung in Afghanistan die Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan ausgesetzt. Mehr als die Hälfte der Substanz der beiden 53 und 36 Meter hohen Skulpturen sei jedoch durch Dauerbeschuss bereits beschädigt worden.


Bereits zur Hälfte zerstört: Buddha-Statuen in Bamyian
REUTERS

Bereits zur Hälfte zerstört: Buddha-Statuen in Bamyian

Kabul - Am Wochenende, nach dem Ende der Feiern, solle die Zerstörungsaktion der Taliban zufolge fortgesetzt werden, berichteten Augenzeugen am Dienstag. Der Botschafter der radikal-islamischen Regierungspartei Taliban in Pakistan, Abdul Salam Saeef, schloss einen Kompromiss im Streit um die Buddha-Zerstörungen aus. Saeef betonte, seine Regierung sei entschlossen, alle Buddha-Statuen in ihrem Herrschaftsgebiet zu vernichten. Die Taliban kontrollieren rund 90 Prozent des Staatsgebietes. Ihr Anführer, Mullah Mohammad Omar, bezeichnete Buddha als Götzen. Im Rundfunk sagte er, die moslemischen Afghanen sollten stolz auf die Zerstörung sein und sich nicht dem Druck der Ungläubigen beugen. "Wir werden alle Statuen zerstören, auch die Buddhas, und keine anderen Vorschläge in Betracht ziehen", sagte Saeef der Nachrichtenagentur AIP zufolge. Ein afghanischer Ingenieur in London hatte zuvor vorgeschlagen, die Buddha-Figuren in der Felswand mit einer Mauer zu verbergen.

Auch am Dienstag hielten die internationalen Proteste gegen die Zerstörungsaktion an. Australiens Außenminister Alexander Downer sprach von kulturellem Vandalismus. Die Bamiyan-Statuen seien für die ganze Welt von großer Wichtigkeit. In Indien erklärte Syed Ahmed Bukhari, der Vorsitzende der moslemischen Gemeinde in Neu-Delhi, seine grundsätzliche Bereitschaft nach Afghanistan zu reisen, um die Taliban zu einem Ende der Zerstörungsaktionen zu bewegen. Allerdings müsse sich vorher die indische Regierung bei den Moslems für die Zerstörung einer Moschee entschuldigen. 1992 hatten hinduistische Fanatiker die Jama-Masjid-Moschee in Neu-Delhi aus dem 16. Jahrhundert zerstört.



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