Von Jochen Leffers
Nur für ein paar Tage wurde es seltsam still um die rheinische Verlegerfamilie Neven DuMont, die so effektvoll, lautstark und ruppig öffentlich zanken kann. Es geht um die Perspektiven des Verlages, um die Ausrichtung eines klassischen Zeitungshauses im Internet-Zeitalter, vor allem aber um einen Patriarchen und seinen Spross: Alfred Neven DuMont, 83, hat Sohn Konstantin, 41, erst gemaßregelt und dann vor die Tür gesetzt. Der aber war nie bereit, klein beizugeben.
Frisch munitioniert hat sich Konstantin Neven DuMont nun abermals per Interview zu Wort gemeldet und äußert sich in der Zeitschrift "Focus" verbittert. "Hinters Licht geführt" fühle er sich von seinem Vater, mit dem er seit drei Wochen kein Wort mehr geredet habe. Dabei habe es vor 15 Jahren geheißen, "du musst jetzt schnell in die Firma, ich will mich stärker zurückziehen". Seitdem habe er, der Sohn, gut gearbeitet und sich "vielleicht an manchen Punkten zu sehr verbogen - und jetzt schmeißt er mich raus".
Alfred Neven DuMont habe sich verhalten "wie jemand, der seinen Hund mit einer Wurst am Stock lockt". In den letzten Wochen habe er immer wieder gehofft, dass der Vater seine Meinung ändere und er in den Verlag zurückkehren könne, sagte Konstantin Neven DuMont. Danach sehe es "überhaupt nicht mehr aus": "Vielleicht nutzt mein Vater ja diese Geschichte aus, um sich als der letzte große Verleger zu positionieren, dem in der zwölften Generation kein Geeigneter folgen konnte."
"Das ist kein Denver-Clan"
Dass der öffentlich ausgetragene Machtkampf negative Aspekte habe, räumte DuMont junior ein. Aber er glaubt, die Medienberichte hülfen ihm, sich "als Marke aufzubauen" - "die Leute reden über uns, die wissen, dass das kein Denver-Clan nach einem Drehbuch ist, sondern Realtime-Reality."
Kein Denver-Clan? Zeitweilig erinnerte der tosende Streit eher an eine Daily Soap im viertgrößten deutschen Zeitungshaus. Was zuvor geschah: Ende Oktober äußerte Medienjournalist Stefan Niggemeier den Verdacht, dass der designierte Verlagserbe Niggemeiers Blog geradezu flutete mit Kommentaren, mal unter eigenem Namen, mal unter Pseudonym. Konstantin Neven DuMont behauptete daraufhin, nicht er selbst habe geschrieben, sondern zwei Bekannte mit Zugang zu seinem Rechner. Das glaubte ihm nicht jeder, wohl auch im Verlagshaus M. DuMont Schauberg nicht.
Es war erst der Anfang, schmutzige Wochen voller gegenseitiger Anwürfe von Sohn und Vater sollten folgen. Am 10. November teilte Konstantin Neven DuMont mit, er gönne sich eine "kreative Auszeit" vom Job im Verlagsvorstand und als Herausgeber der "Frankfurter Rundschau", die mit zum Verlagsimperium gehört, wie neben dem "Kölner Stadt-Anzeiger" auch der Kölner "Express", die "Berliner Zeitung" und die "Hamburger Morgenpost". Bis dato war der Verlegersohn als einer von vier Vorständen für Strategie und Kommunikation zuständig.
Zunächst schien es eine dreiwöchige Beurlaubung zu sein, dennoch beharrte er auf einem Führungsanspruch und sagte zugleich, er sei interessiert an einem Verkauf seiner Anteile. Kurz darauf forderte er Mitte November den Rückzug seines Vaters, und zwar ausgerechnet in der Kölner Ausgabe der "Bild"-Zeitung, der lokalen Konkurrenz also: "Ich will eine neue Führungskultur erzwingen. Es wäre schon, wenn bis Monatsende etwas kommt. Der Ball liegt jetzt bei meinem Vater."
DuMont junior plant Web-Portal und TV-Magazin
Prompt kam dann auch etwas, sogar gleich am nächsten Tag. Der Vater trat heftig gegen den Ball und seinem Sohn in den Hintern: mit einer Depesche an die Angestellten. Alle Mitarbeiter der Mediengruppe seien in "eine misshellige Situation geraten", und zwar "völlig unvorbereitet und ohne eigenes Hinzutun" - das alles "durch meinen Sohn Konstantin". Er selbst sei gesund, die Mitarbeiter des Verlags müssten ihn "noch eine Zeit lang ertragen".
Am 23. November berief der Aufsichtsrat den Verlegersohn von allen verbliebenen Herausgeberämtern ab, wegen "geschäftsschädigender" Äußerungen. Eine Woche später meldeten sich schließlich auch die Chefredakteure des Verlages gemeinsam zu Wort und warfen ihm vor allem mangelnde Loyalität vor.
"Wir werden den Leuten helfen, in der meiner Meinung nach weichgespülten Medienmasse die Angebote zu finden, die wirklich gut sind", sagte Neven DuMont, der Jüngere. Das allerdings erledigen schon eine ganze Reihe von Branchen- und Mediendiensten oder Newslettern. Ob da für ein DuMontsches Angebot Platz ist, muss sich noch weisen - genügend Geld, um es aufzubauen, dürfte der Verlegersproß durch Verkauf seiner Verlagsanteile allemal bekommen. Und eine Abfindung will er ja zusätzlich.
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