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"Islamische Vergewaltigung Europas": Internationale Aufregung um polnisches Magazincover

Titelseite von "wSieci": Rechtsgerichtetes Magazin spielt auf alte Ängste an Zur Großansicht
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Titelseite von "wSieci": Rechtsgerichtetes Magazin spielt auf alte Ängste an

Stammt die Symbolik aus den Zeiten des Faschismus? Das polnische Wochenmagazin "wSieci" löst mit seiner Titelseite zur "islamischen Vergewaltigung Europas" Empörung aus - weit über Polen hinaus.

In Polen hat das Titelblatt eines rechtsgerichteten Wochenmagazins mit der Schlagzeile "Die islamische Vergewaltigung Europas" einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Seit Donnerstag wird in den sozialen Medien heftige Kritik geübt. Bei Twitter fühlte sich ein Nutzer an ein Propagandaplakat der italienischen Faschisten aus dem Zweiten Weltkrieg erinnert, mit dem Afrikaner diffamiert wurden.

Die Titelseite des Magazins "wSieci" zeigt eine in eine EU-Fahne eingewickelte, schreiende blonde Frau mit blauen Augen, die von Männern mit behaarten, dunkelhäutigen Armen begrapscht und festgehalten wird. Dem Magazin zufolge bezieht sich der Titel auf die Vorfälle in der Kölner Silvesternacht, als Gruppen von Männern - unter ihnen Nordafrikaner und Araber - Frauen sexuell angriffen und beraubten.

In vielen internationalen Medien wurde "wSieci" für seine Titelwahl kritisiert. Von "Guardian" bis "Washington Post" gab es Kritik an dem polnischen Magazin. Die Autorin der Titelgeschichte, Aleksandra Rybinska, rechtfertigte sich in der BBC. Das Cover sei symbolisch gemeint, man müsse sprechen über die "anderen Traditionen, Weltanschauungen und Werte" der Einwanderer.

Artikelaufmacher im Inneren von "wSieci" Zur Großansicht
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Artikelaufmacher im Inneren von "wSieci"

Die Zeitschrift, die sich selbst als das größte wöchentliche, konservative Meinungsmagazin Polens bezeichnet, unterstützt die Regierung der rechtskonservativen und euroskeptischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) des ehemaligen Ministerpräsidenten Jaroslaw Kaczynski. Der Scharfmacher hinter der jetzigen Regierungschefin Beata Szydlo hatte vor der Parlamentswahl im vergangenen Oktober gesagt, Flüchtlinge schleppten gefährliche Krankheiten ein, sie brächten "Cholera auf die griechischen Inseln, die Ruhr nach Wien, verschiedenartige Parasiten". Kritiker fühlten sich durch die Wahlkampfparolen an die Nazizeit erinnert.

Der niederländische Medienexperte Henk van Ess sprach in der "Deutschen Welle" von Panikmache des polnischen Magazins. Die "wSieci"-Journalistin Rybinska, die früher für die konservative Zeitung "Rzecspospolita" arbeitete, meinte im BBC-Interview zu den Vergleichen mit Nazi-Propaganda: "Wenn man will, dass etwas gleich ist, findet man immer etwas, was vergleichbar aussieht."

Ähnliche Aufregung hatte es auch in Deutschland schon über einen Zeitschriftentitel gegeben: Nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht, hatte das Magazin "Focus" die Zeile "Frauen klagen an" illustriert mit schwarzen Fingerabdrücken auf einem nackten weißen Frauenkörper.

feb/AFP

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