Kultur

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Männliches Wahlverhalten

Hasen, ihr bleibt hier!

Bei keiner Partei ist der Unterschied im Wahlverhalten zwischen Männern und Frauen so groß wie bei der AfD. Dabei ist rechts zu wählen statistisch ungesund - und macht auch in der Liebe unglücklich.

Eine Kolumne von

DPA

Kundgebung der rechten Szene in Chemnitz

Dienstag, 30.10.2018   16:42 Uhr

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Wahrscheinlich erinnern sich alle noch an dieses Video aus Chemnitz, wo Nazis Menschen jagen, und dann ist da diese Frau, die zu ihrem - mutmaßlichen - Partner sagt: "Hase, du bleibst hier! Du bleibst hier." Wir wissen nicht, warum sie das rief. Ob Herr Hase sich eh schon zu häufig geprügelt hat, ob er grad nur auf Bewährung rumläuft oder ob Frau Hase einfach findet, man sollte sich nicht an rechten Hetzjagden beteiligen. Sehr gerne hätte ich jedenfalls von dieser Frau noch ein paar mehr, die alle zu ihren Männern, wenn sie gerade die AfD wählen gehen wollen, sagen: Hase, du bleibst hier.

"Das mit dem Wahlrecht für Männer war ein Fehler", twitterte die Feministin Laura Sophie Dornheim in Anbetracht der hessischen Wahlergebnisse. Das war natürlich lustig gemeint, aber in Anbetracht einer sehr ernsten Datenlage: 16 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen, die am Sonntag gewählt haben, haben die AfD gewählt. Bei keiner anderen Partei, die im Landtag sitzen wird, ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern so groß. Nun ist es einerseits allgemein bekannt, dass Männer öfter rechts wählen als Frauen. Es heißt auch nicht so ganz zufällig "Herrenmenschen". Andererseits fragt man sich dann doch wieder bei vielen einzelnen Wahlergebnissen: Was ist denn da los?

Wer rechts wählt, wählt gegen die eigene Gesundheit

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Um es gleich zu sagen: Es tut den Männern nicht gut. Jetzt könnte man fragen, woher wissen sie das als Frau - aber das ist nicht so kompliziert, ich hatte Geschichtsunterricht in der Schule, und das letzte Mal, als in Deutschland Nazis regiert haben, waren danach sehr viele Männer tot.

Es muss aber auch gar nicht noch mal so weit kommen, bis Männer feststellen können, was sie da eigentlich wählen. Ihren eigenen Tod, über kurz oder lang, und jetzt könnte man zwar sagen, wir wählen ja alle von Geburt an den Tod, aber mit rechten Parteien in Machtpositionen geht das schneller für Männer: Wer rechts wählt, wählt gegen Gleichberechtigung und damit gegen die eigene Gesundheit. Je patriarchaler Gesellschaften eingerichtet sind, desto ungesünder lebt es sich in ihnen als Mann. Es ist heute, trotz einiger Fortschritte in Gleichberechtigungsfragen, immer noch so, dass Männer früher sterben, häufiger Suizid begehen, am häufigsten Opfer von Gewalttaten werden. Sie kommen zwar leichter an die Jobs ganz oben, sind aber auch häufig ganz unten zu finden: Männer sind häufiger obdachlos als Frauen, und ein Grund dafür ist, dass sie sozial schlechter abgesichert sind. Männer lassen sich zu selten ärztlich untersuchen und zu oft von Alkohol beraten. All diese Dinge, die man tut, wenn man immer noch als stark und unzerstörbar zu gelten hat.

Männer wählen rechts. Warum?

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Das erklärt aber nur, warum es dumm ist, wenn Männer rechts wählen (bei Frauen ist es auch dumm, aber aus etwas anderen Gründen), aber nicht, warum sie es tun. Wenn man mal ganz vorne beginnen will: Solange Jungs immer noch häufiger mit Waffen spielen als Mädchen, solange Mädchen zu Fürsorge erzogen werden und Jungs zu Härte, solange müssen wir uns nicht wundern, wenn Männer später häufiger Nazis werden als Frauen.

Ein offensichtliches und wenig verheimlichtes Heilsversprechen der Rechten ist seit jeher die Idee der soldatischen, reinen Männlichkeit, die - angeblich - zutage tritt, wenn all das Rot-Grün-Versiffte und Queere abgeschafft ist. Never forget, O-Ton Björn Höcke: "Denn nur wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft. Und nur wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft, und wir müssen wehrhaft werden, liebe Freunde!" Die Idee, dass das als stark gedachte Geschlecht wieder dominanter wird, mag verführerisch wirken, basiert aber natürlich auf dem vertrottelten Trugschluss, dass es ein überlegenes Geschlecht gibt. (Never forget, Teil 2, O-Ton Frauke Petry: "Ich hab nichts dagegen, dass Frauen weiterhin das schwache Geschlecht sind", so romantisch, wie sie sich da doch wieder einig sind, die beiden.)

AfD-Wähler finden Polizistinnen sexy

Die Sehnsucht nach klaren Verhältnissen und eigener Stärke wird noch verständlicher, wenn man sieht, wie die Wähler der AfD ansonsten aufgestellt sind, unabhängig vom Geschlecht. In Hessen ist die AfD die von Arbeitern am häufigsten gewählte Partei (24 Prozent). Also Leute, deren Jobs, wenn das mit dem Spätkapitalismus so weiter geht, demnächst von Robotern übernommen werden. Leute, die sich vom Leben verarscht fühlen, und nicht nur von dem.

Nachdem in Freiburg eine 18-Jährige vergewaltigt wurde, demonstrierten Rechte in der Stadt, riefen "Volksverräter" und "Finger weg von deutschen Frauen". Abgesehen davon, dass das semantisch sehr unglücklich ist, weil es an "Finger weg vom Alkohol" usw. erinnert, ist es tragisch, wenn man Grund zur Annahme haben kann, dass viele von ihnen selbst ihre Finger nicht mehr so fröhlich an deutsche Frauen rankriegen. In einer für ihre Community repräsentativen Studie der Partnerbörse Gleichklang gaben AfD-Wähler besonders häufig an, dass sie "in der Liebe 'verarscht'" worden seien, dass Liebe nur auf Ausnutzung beruhe oder eine Lüge sei. "Fun Facts" aus einer ähnlichen Studie von "Elitepartner": AfD-Wähler wollen in Beziehungen seltener Kompromisse eingehen als andere Wähler, sie finden Humor, Zärtlichkeit und Intelligenz unwichtiger als andere und finden Polizistinnen besonders sexuell attraktiv - dumm nur, dass zum Beispiel die Bundespolizei als Arbeitgeber so arg unattraktiv für Frauen ist.

Mein wichtigster Rat

Aber das nur nebenbei. Das heißt natürlich alles nicht, dass es reicht, ein Arbeiter mit gebrochenem Herzen zu sein, um AfD zu wählen. Man muss schon auch Rassist sein und Minderheiten das Leben schwer machen wollen, man muss entweder einen Haufen Hass in sich tragen oder zumindest bereit sein, den Hass der anderen zu unterstützen.

Mir schrieb neulich ein Mann auf Twitter, ob ich ihm vielleicht Rat geben könnte. Er fühle sich generell unwohl unter Menschen und habe - mit Ü30 - noch nie Sex mit einer Frau gehabt. Feministinnen fände er generell schwierig, aber ich würde ja zu dem Thema arbeiten. Ich konnte natürlich aus der Ferne wenig sagen, aber er hatte als Profilbild ein Foto von Akif Pirinçci. Mein wichtigster Rat: Egal wie Sie aussehen, wenn Sie vögeln wollen, nehmen Sie den Pirinçci da raus.

Ich weiß, das zieht das Thema jetzt gegen Ende etwas ins Anekdotische, aber Fakt ist, das Leben ist kurz, und wenn Sie ein unglücklicher Mann sind, der mit rechten Ideen flirtet, dann ist es unwahrscheinlich, dass Sie es mit Frauen gut hinkriegen.

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