Street-Art Ägypten beschlagnahmt deutschen Bildband über Arabischen Frühling

Die ägyptische Regierung hat einen in Deutschland verlegten Bildband konfisziert. Er zeigt regierungskritische Graffiti aus der Zeit der Revolution von 2011.

Ammar AboBakr/ Abdo El Amir

Alexandria/Hamburg - Ägyptens Behörden haben in Alexandria 400 Exemplare eines Bildbandes konfisziert, der im Zusammenhang mit der Revolution von 2011 entstandene Graffitikunst zeigt. In dem von einem Berliner Verlag herausgegebenen Band "Walls of Freedom" (Mauern der Freiheit) seien Bilder, die "Hinweise zum Aufstand gegen Polizei und Militär" liefern, zitierte die ägyptische Nachrichtenseite "Al-Masry al-Youm" einen Sprecher des ägyptischen Finanzministeriums. Die Exemplare seien bei der Einfuhr aus Deutschland beschlagnahmt worden.

Ägyptens Bevölkerung hatte Anfang 2011 den Langzeitherrscher Hosni Mubarak zum Rücktritt gezwungen. Viele Jugendliche begleiteten den Aufstand mit regimekritischen Wandmalereien. Darin wurde auch die nach Mubarak kurzzeitig installierte Militärführung verhöhnt.

Seit Juni 2014 wird Ägypten von dem ehemaligen Armeegeneral Abdel Fattah el-Sisi regiert. Der Präsident lässt Oppositionelle verfolgen, viele Graffiti sind wieder verschwunden.

Der Bildband zeigt unter anderem Wandgemälde, die ägyptische Soldaten über einem Berg von menschlichen Schädeln zeigen. "Die Armee über allem" steht daneben. An anderer Stelle wird die Machtübernahme von Sisi als "Putsch" bezeichnet. "Ein Witz" steht unter einem Graffiti, das den Präsidenten als Ikone stilisieren soll.

feb/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
kuac 19.02.2015
1.
Sisi macht damit einen vollkommen unnötigen Fehler. Diese Graffitis sind harmlos und verkörpern nur künstlerische Ausdrucke der Freiheit und Kunst. Sie gefährden nicht sein Amt oder seine Politik. Aber nun, wird er sowohl die Muslimbrüder als auch die Freiheitliebende FB-Generation gegen sich haben. Wir sind Zeuge der Entstehung einer Diktatur, die auch so enden wird, wie Mubarak.
Heiligkeit007 19.02.2015
2. Das beste was, sie machen konnten.
Das beste was sie machen konnten. Einen "arabischen Frühling", der diesen Namen verdient, hat es schließlich nie gegeben. Das war wenn dann das Wunschdenken zumeist linker westlicher Weltverbesser, die die Rechnung ohne den in der Region verbreiteten Islam, die Clans und andere kulturelle Hindernisse auf dem Weg zu Demokratie und Freiheit dort gemacht haben.
Mertrager 19.02.2015
3. Tolle Werbung
Warum das Militär da mitmacht ist unklar. SPON wird auch seine Gründe haben. Sicherlich schöne Bilder von beindruckender Kunstfertigkeit. Aber das kann man auch anders bewerben.
kalumeth 19.02.2015
4. ohne Pressefreiheit ist's ne Diktatur
Zitat von Heiligkeit007Das beste was sie machen konnten. Einen "arabischen Frühling", der diesen Namen verdient, hat es schließlich nie gegeben. Das war wenn dann das Wunschdenken zumeist linker westlicher Weltverbesser, die die Rechnung ohne den in der Region verbreiteten Islam, die Clans und andere kulturelle Hindernisse auf dem Weg zu Demokratie und Freiheit dort gemacht haben.
"Toll" ..immerhin war der "arabische Frühling" die erste wirklich demokratische Wahl in Ägypten! Auch wenn Wahlgewinner Mursi als Erster gleich die Demokratie wieder beschneiden wollte, hat Sisi nun das diktatorische Werk vollendet. Anstatt seitens des Militärs sich darauf zu beschränken, die Verfassungsrechte zu garantieren, nun erneute Unterdückung.
megamekerer 19.02.2015
5. Diktaturen
Zitat von kuacSisi macht damit einen vollkommen unnötigen Fehler. Diese Graffitis sind harmlos und verkörpern nur künstlerische Ausdrucke der Freiheit und Kunst. Sie gefährden nicht sein Amt oder seine Politik. Aber nun, wird er sowohl die Muslimbrüder als auch die Freiheitliebende FB-Generation gegen sich haben. Wir sind Zeuge der Entstehung einer Diktatur, die auch so enden wird, wie Mubarak.
Genau die Meinung bin ich auch! Die Macher dieser Bilderband freuen sich jetzt denn viele Ägypter werden das Buch kaufen wollen und es wird in Ägypten wohl unter die Indexbücher ganz bliebt werden. Solche dumme Fehler zeichnet Diktaturen, sie haben vor alles und allem Angst, auch der Murci war keine Freiheitsliebende Präsident, er hatte Angst vor Sisi und erwähnte sogar einmal dass er vom Militär gestürzt werden könnte, anscheinend gab damals CIA Informanten auch in der Reihen der Muslimbrüder. Solche Länder wie Ägypten, Iran, Irak, Saudi Arabien, usw... werden nie das Glück haben demokratisch zu werden, dafür sorgt die CIA fleißig!
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