Diskriminierung Sind Ossis auch nur Migranten?

Dass du nicht richtig deutsch bist, erkennst du daran, dass deine Integrationsfähigkeit infrage gestellt wird, wenn du einen Fehler machst. Ossis und Migranten haben deshalb viel gemein. Tun wir uns zusammen!

Berliner Mauer am Brandenburger Tor während des Mauerfalls
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Berliner Mauer am Brandenburger Tor während des Mauerfalls

Eine Kolumne von


Auf dem Schulhof haben wir uns früher rassistische Witze erzählt. Vielleicht kennen Sie den: Was ist eine Mülltonne unter einer Ampel? Eine Türkendisco! Oder: Was ist der beliebteste Vorname unter Polen? Klau-s! Natürlich gab es noch viel schlimmere.

Dann kamen die Ossis. Und lösten die Türken und Polen ab.

Ein Klassiker: Was ist ein Ossi zwischen zwei Wessis? Eine Bildungslücke. Haha. Oder: Sagt der Ossi zum Wessi. "Wir sind ein Volk!". Darauf der Wessi: "Wir auch!" Den mochte ich am liebsten. Vielleicht, weil er so gut veranschaulichte, dass die Ostdeutschen nun im selben Boot saßen wie wir Ausländer. Denn was die Bundesrepublik als Wiedervereinigung glorifiziert, war für viele Ostdeutsche der Downgrade zum Bürger zweiter Klasse. Willkommen im Klub, dachte ich.

Tatsächlich war die Ankunft der deutschen Zuwanderer aus der DDR damals für einige Miesmacher kein Grund zur Freude, sondern eine Invasion von arbeitsscheuen Wirtschaftsasylanten. Auch Ossis mussten sich jahrelang im Fernsehen von besorgten Bürgern beleidigen und beschimpfen lassen. Da standen sie den Flüchtlingen von heute in nichts nach. Aber dieser Teil der Geschichte wird beim Rückblick auf die Wiedervereinigung gern ausgeblendet.

Das ersehnte Upgrade

Wenn heute in Umfragen die Mehrheit der Ostdeutschen Muslime als Bedrohung bezeichnet werden, dürften viele von ihnen nur zu gut wissen, wie sich Hass gegen einen selbst anfühlt. Doch nun gibt es endlich neue Neuankömmlinge und endlich können sie mal nach unten treten. Da ist es: das ersehnte Upgrade.

Könnte die Ostdeutschenfeindlichkeit von damals die Radikalisierung mancher Ossis befeuert haben? Wie stark sind die Ressentiments gegen sie heute eigentlich? Und sind die "ostdeutschen Mitbürger" am Ende des Tages vielleicht auch nur Migranten?. Bislang gibt es dazu kaum Forschung. Nun soll das nachgeholt werden.

Vor wenigen Tagen hat Naika Foroutan, Professorin für Integrationsfragen, in einem Interview verraten, dass am "Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung" untersucht wird, ob Ostdeutsche ähnliche Diskriminierungen erleben wie Muslime. Dazu muss man wissen: wenn in Umfragen nach "Muslimen" gefragt wird, sind irgendwie immer "Migranten" gemeint. Deswegen spricht Foroutan viel über die Parallelen zu Einwanderern: "Migranten haben ihr Land verlassen, Ostdeutsche wurden von ihrem Land verlassen." Und in vieler Hinsicht säßen sie im gleichen Boot.

Prügelknaben der Nation

Das wird spannend, wenn die ersten Ergebnisse (erst Ende des Jahres) kommen. Für alle, die mögliche Gemeinsamkeiten leugnen, könnte es amtlich werden: Die Teutonen aus dem Deutschland der aufgehenden Sonne und die Muslime sind eine Schicksalsgemeinschaft. Das ungeliebte Volk. Die Prügelknaben der Nation.

Die Idee hat Potenzial. Bislang stehen sich die beiden kulturellen Minderheiten ja eher feindlich gegenüber. Das zeigt sich etwa in einem E-Mail-Verkehr, den mein Kollege Hasnain Kazim gerade in seinem Buch veröffentlicht hat.

Ein Zeitgenosse aus Sachsen schreibt ihm: "Du bist zugewanderter Gast in unserem Land und hast gefälligst dankbar zu sein."

Darauf Kazim: "Nicht ich habe Ihnen dankbar zu sein, sondern Sie als Dresdner haben umgekehrt mir dankbar zu sein, weil ich immerhin schon viel länger Bürger der Bundesrepublik Deutschland bin als Sie."

Tagesschau: nix für Ossis

Doch wie wäre es denn mal mit gegenseitigem Verständnis?

Wäre ich Ossi, ich wäre auch wütend. Manchmal habe ich den Eindruck, selbst wir Menschen mit Migrationsblabla werden in den Medien differenzierter dargestellt als Ostdeutsche.

Beispiel Tagesschau: Die wichtigste Nachrichtensendung der Nation zeigt Ostdeutschland immer nur aus Wessi-Sicht. Und merkt es nicht einmal. Themen über die DDR, die immer wiederkehren: Stasi, Zwangsadoptionen, Trabbi-Knappheit. Ist in den 28 Jahren hinter der Mauer sonst gar nichts passiert? Keine kollektiven Tragödien, Freudentaumel, Fußballwunder, irgendwelche medialen Ereignisse, die nichts mit dem Regime zu tun hatten?

Konsequenterweise zeigt der Mitteldeutsche Rundfunk um 20 Uhr keine Tagesschau - als einziger Fernsehsender der Öffentlich-Rechtlichen. Während alle anderen die Hauptnachrichtensendung der ARD übernehmen, flimmert im MDR seichte Unterhaltung, Sendungen wie "Tierisch, tierisch" oder "Elefant, Tiger & Co". Die laufen einfach knallhart durch bis 20.15 Uhr. Ein Bruch mit der bundesrepublikanischen Fernsehkultur, der seinesgleichen sucht! Oder ein symbolischer Stinkefinger Richtung ARD.

Sollen sich doch die Wessis integrieren!

Man könnte auch sagen: Der MDR ist nicht gut integriert.

Denn ob du richtig deutsch bist oder nicht, erkennst du daran, ob deine Integrationsfähigkeit infrage gestellt wird, wenn du etwas Unerwünschtes tust. Logisch: Antisemitismus, Gewalt und Patriarchat - alles nix deutsch, dafür eher muslimisch. Wer Juden beschimpft, klaut oder Frauen schlägt, kann kein Deutscher sein.

Diese Fehlerintoleranz gilt auch für Ostdeutsche. Auch sie dürfen eigentlich nichts tun, was dem westdeutschen Empfinden von Richtig und Falsch widerspricht. Nach der letzten Bundestagswahl sahen einige Analysten den Beweis für die mangelnde Integrationsfähigkeit der Neu-BRDler erbracht, weil so viele ihr Kreuz bei Rechtsradikalen gemacht hatten. Rassismus? Nicht deutsch. Bitte zurück in die Zone.

Den Aufwind für Rechtsradikale einfach in die Ex-DDR outzusourcen, ist ziemlich dreist. De facto gibt es im Wessi-Abendland weit mehr AfD-Wähler und Neonazis als im deutschen Morgenland. Sachsen hat ein Problem, aber viele Westregionen auch.

Kurz: Die moralische Überlegenheit der Wessis trifft Ossis wie Muslime. Höchste Zeit also, dass wir Randgruppen enger zusammenrücken. Erste gemeinsame Maßnahmen: Witze über Wessis auf Schulhöfen verbreiten. Und dann gemeinsam die "Patriotischen Ossi-Ausländer gegen die Wessifizierung des Abendlandes" gründen, oder gleich die EAfD: die "Echte Alternative für Deutschland".

Sollen sich doch die Wessis integrieren.

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insgesamt 211 Beiträge
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Seite 1
hornochse 19.05.2018
1. Kommentar
Meine Güte ist das ein sinnfreier Kommentar. Komplett haltlos.
muellimhirn80 19.05.2018
2. Eigentlich traurig...
... Aber wirklich unterhaltsam geschriebener Kommentar. Gleich kommen wieder alle aus ihrem Loch gekrochen und hetzen dann gegen die mir bislang unbekannte Autorin, Spon und die Medienwelt an sich. Ich muss zugeben, auch ich habe einen Migrationshintergrund, weshalb ich den Artikel vermutlich so lustig fand. Aber die AFD Hochburgen sind nun mal die Städte und Gemeinden, welche am wenigsten vom Flüchtlingsstrom betroffen sind. Diese haben eine Partei voller Ewiggestriger und Nazis hoffähig gemacht. Aber nur der kleinste Teil der Wähler ist wirklich ein Nazi. Sie wählen aus Protest und wissen dabei nicht, dass sie uns die Pest gebracht haben, welche wir nicht mehr loswerden können.
Rubyconacer 19.05.2018
3. Ach jehchen
Bei 65 Millionen West-Deutschen waren die 13 Mio Ostdeutschen etwa 22%. Heute haben wir etwa ein Viertel Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund. Das sind ja zahlenmäßig noch viel mehr. Das wird mir erst jetzt bewusst. Also sind die Ossis die Minderheit und die Migranten eher keine „Minderheit“ mehr. Erstaunlich!
Arno Ehret 19.05.2018
4. Großartig!
Mehr gibt's dazu nicht zu sagen.
Das Pferd 19.05.2018
5.
da wird ja buchstäblich alles miteinander vermanscht.. und Witze über Wessis gab es im Osten. Sie waren mir immer sehr peinlich. jedenfalls eine der verworrensten Kolumnen der letzten Zeit.
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