Serbien WAZ verkauft Anteil an Tageszeitung "Politika"

Medienskandal in Belgrad: Der WAZ-Konzern hat offenbar seinen Anteil an der ältesten und einflussreichsten serbischen Tageszeitung "Politika" an ein russisches Unternehmen verkauft - und damit Proteste eines Journalistenverbands ausgelöst. Die WAZ-Gruppe bestätigte die Transaktion.

WAZ-Verlagshaus in Essen: Transaktion in Serbien erregt Kritik
dapd

WAZ-Verlagshaus in Essen: Transaktion in Serbien erregt Kritik


Essen/Belgrad - Der Verband der Journalisten Serbiens spricht von einem Skandal: Zwei Jahre nach der Ankündigung, sich aus Serbien zurückzuziehen, soll die Essener Mediengruppe WAZ ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") ihre Beteiligung an der Belgrader Tageszeitung "Politika" verkauft haben. Laut einem auf der Internetseite der Serbischen Handelsbehörde (APR) veröffentlichten Dokument erwarb die East Media Group mit Sitz in Moskau den 50-prozentigen Anteil. Die anderen 50 Prozent gehören dem serbischen Staat.

Der Verband der Journalisten Serbiens erklärte sich "schockiert" über den Verkauf an ein "vollständig unbekanntes Unternehmen". Die Regierung müsse die Öffentlichkeit über alle Einzelheiten der undurchsichtigen und "skandalösen Transaktion" unterrichten.

Eine Sprecherin der WAZ-Gruppe bestätigte laut Nachrichtenagentur dpa später den Verkauf. Die Mediengruppe setze damit "konsequent ihre im Jahr 2010 angekündigte Strategie fort, sich aus Serbien zurückzuziehen".

Die WAZ-Gruppe ist seit Oktober 2001 in Serbien präsent. Zu ihren Zeitungen gehören außer "Politika" auch die Publikationen "Sportski Zurnal" und "Dnevnik". Die WAZ-Gruppe hatte jahrelang vergeblich versucht, die Belgrader Zeitung "Novosti" zu kaufen, doch diese Transaktion war aus politischen Gründen verhindert worden.

bos/dpa/AFP

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