Wechsel in der Chefredaktion Claus Strunz verlässt "Hamburger Abendblatt"

Neuer Chef beim "Hamburger Abendblatt": Lars Haider, bislang beim Bremer "Weser Kurier", übernimmt die Redaktionsleitung von Claus Strunz. Der soll sich nach dem Willen von Springer-Chef Döpfner um die "Bewegtbildangebote" des Verlags kümmern.

Bisheriger "Abendblatt"-Chef Strunz: Vorsichtiger Perestroika-Kurs
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Bisheriger "Abendblatt"-Chef Strunz: Vorsichtiger Perestroika-Kurs


Es soll Hamburger geben, die darüber klagen, in der Hansestadt gäbe es nicht eine ernstzunehmende Lokalzeitung. Neben den Boulevardblättern "Bild" und "Hamburger Morgenpost" genoss das seriösere "Hamburger Abendblatt" über Jahrzehnte den Ruf der verschlafenen Abo-Postille für die Oma im Reihenhausvorort - die, sobald Bürgerschaftswahlen anstanden, sich verlässlich auf die Seite der CDU schlug.

In der strukturell linksliberalen Medienstadt Hamburg nicht unbedingt ein Wettbewerbsvorteil. Als mit Claus Strunz, 44, zuvor Chef der "Bild am Sonntag", im Oktober 2008 ein profilierter Medienmacher an die Spitze des Blatts rückte, schien sich ein Wechsel anzudeuten: Verstärkte Berichterstattung aus Innenstadtvierteln wie Ottensen sollte dem "Abendblatt" offenbar neue Leserschichten öffnen. Selbst das besetzte, linksautonome Kulturzentrum Rote Flora wurde nun mit vorsichtigem Verständnis bedacht. Und im Bürgerschaftswahlkampf 2011 hielt die Zeitung einmal nicht zur CDU - sondern zur FDP.

Die Auflage des "Abendblatts" konnte von Strunz' behutsamem Perestroika-Kurs allerdings bislang nicht profitieren: Insgesamt verkaufte die Zeitung nach Angaben des Branchendienstes Meedia zuletzt täglich durchschnittlich 220.162 Exemplare. Das sind mehr als sechs Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Auflagenniedergang setzte bereits vor Strunz ein: In den vergangenen fünf Jahren verlor das Blatt laut Meedia fast 30.000 Abonnenten und setzte im Einzelverkauf mehr als 15.000 Stück weniger ab. In den beiden entscheidenden Auflagenkategorien gingen somit von 2006 bis 2011 insgesamt 17,7 Prozent verloren - und damit deutlich mehr als im Durchschnitt der deutschen Tageszeitungen.

Zum 1. Juli 2011 nun gibt Strunz, wie der Axel Springer Verlag mitteilt, die Leitung des "Hamburger Abendblatts" ab. Sein Nachfolger wird Lars Haider, 41, derzeit Chefredakteur des Bremer "Weser Kuriers". Haiders Berufsweg liest sich wie der eines klassischen Springer-Karriere-Journalisten: Der gebürtige Hamburger besuchte die Axel-Springer-Journalistenschule in Berlin. Er war Wirtschaftsredakteur, dann stellvertretender Lokalchef beim "Abendblatt", Redaktionsleiter der "Elmshorner Nachrichten" und schließlich, bis 2009, stellvertretender Chefredakteur der "Berliner Morgenpost".

Claus Strunz, derzeit auch Moderator der Sat.1-Polit-Talkshow "Eins gegen eins", soll sich bei Springer ab Juli als Geschäftsführer um den neu geschaffenen Bereich TV- und Videoproduktionen kümmern - denn, so Springer-Chef Mathias Döpfner: "Bewegtbildangebote sind wesentlicher Bestandteil für die erfolgreiche Digitalisierung unserer Marken."

sha



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