Wegen Kritik Wehrmachtsausstellung vorübergehend geschlossen

Nach der heftigen Kritik namhafter Historiker an der Authentizität einiger Bilder haben die Veranstalter jetzt Konsequenzen gezogen: Die umstrittene Wanderausstellung wird für mindestens drei Monate nicht gezeigt.


Jan Philipp Reemtsma vor einem der umstrittenen Fotos der Wehrmachtsausstellung
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Jan Philipp Reemtsma vor einem der umstrittenen Fotos der Wehrmachtsausstellung

Hamburg - Die für Dezember geplante Ausstellung in New York findet zunächst nicht statt. Auch andere Stationen sollen vorerst gestrichen werden. Das sagte der Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma, am Donnerstag vor der Presse. Die Wanderausstellung gastierte zuletzt in Osnabrück und hätte als nächstes in Braunschweig gezeigt werden sollen. Als weitere Ausstellungsorte in Deutschland waren Wiesbaden und Leipzig vorgesehen.

Während der Pause solle ein unabhängiges Wissenschaftlergremium alle Texte und Bildunterschriften überprüfen.In den letzten Wochen waren Zweifel an der Authentizität einiger der gezeigten Bilder aufgekommen. Der polnische Wissenschaftler Bogdan Musial hatte nachgewiesen, dass zumindest ein paar Photos nicht die Opfer der Wehrmacht, sondern die des damaligen sowjetischen Staatssicherheitsdienstes NKWD zeigten. Musial werde bei der künftigen Ausgestaltung der Schau mitarbeiten, erklärte Reemtsma. Er habe mit Musial gesprochen; der Streit mit dem Wissenschaftler sei beigelegt.

Reemtsma setzte sich gegen Vorwürfe zur Wehr, dass Ausstellungsstücke vorsätzlich gefälscht worden seien. "Das weise ich mit aller Entschiedenheit zurück", sagte er. Er gab aber Nachlässigkeiten bei der Vorbereitung zu. "Fehler sind Fehler", sagte Reemtsma. Auch der verantwortliche Ausstellungsmacher Hannes Herr gab Mängel bei der Vorbereitung zu. "Die Überprüfungen sind nicht weit genug gegangen", sagte der Historiker. Er versuchte aber auch anhand einzelner Bilder, Vorwürfe von Kritikern zurückzuweisen.



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