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Schmähung via Twitter: Russischer Regierungspolitiker beleidigt Madonna

Scharfer Angriff via Twitter: Mitten in Madonnas laufender Russland-Tour hat der stellvertretende Regierungschef Dmitri Rogosin die Sängerin indirekt als "Hure" bezeichnet. Hintergrund der Attacke ist Madonnas Eintreten für die inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot.

Madonna mit Pussy-Riot-Schriftzug in Moskau: Punkgebet gegen Putin Zur Großansicht
AP

Madonna mit Pussy-Riot-Schriftzug in Moskau: Punkgebet gegen Putin

Hamburg/Moskau - Auf Provokation hat Madonna im Lauf ihrer Karriere nur allzu häufig gesetzt - dass sie sich dabei viele Feinde gemacht hat, nahm sie wohl gern in Kauf. Und auch Kritik, wie sie kürzlich von Elton John ("ein Albtraum") und vom DJ Paul van Dyk ("Sie hätte 1998 aufhören sollen") geäußert wurde, dürfte sie kaum mehr wahrnehmen.

Ein anderes, dem größten weiblichen Popstar der Welt fast schon würdiges Kaliber, ist da die russische Regierung. Zwar nicht Wladimir Putin, aber immerhin doch der russische Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin hat die Sängerin, die sich für die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot eingesetzt hat, nun heftig via Twitter beleidigt und Madonnas Moskauer Auftritt vom Dienstagabend so eine unerwartete, offiziell-politische Dimension verliehen.

"Jede frühere b." wolle "im Alter jedem moralische Lektionen erteilen, besonders bei Auftritten im Ausland", twitterte Rogosin am Mittwochabend. Der Buchstabe "b." steht im Russischen für "Hure". Später fügte er seinem Eintrag an die Sängerin gerichtet hinzu: "Leg' das Kreuz ab oder zieh' dir eine Unterhose an."

Madonna hatte bei ihrem Konzert in Moskau Freiheit für die drei inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot gefordert. Sie sagte, sie bete für die Frauen, denen wegen mutmaßlichen Rowdytums mehrere Jahre Haft drohen.

Für ihr Konzert am Donnerstagabend in St. Petersburg hat die Sängerin außerdem angekündigt, die Homosexuellen in der Stadt unterstützen zu wollen. In St. Petersburg war im März ein Gesetz in Kraft getreten, das Kundgebungen Homosexueller vor den Augen Minderjähriger verbietet und Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzt.

Der Kommunalpolitiker Witali Milonow, einer der Initiatoren des umstrittenen Gesetzes, drohte Madonna mit Konsequenzen. Sollte sie das Gesetz gegen die Verbreitung "homosexueller Propaganda" verletzen, würden "Ermittlungen eingeleitet", sagte dessen Sprecherin. Sowohl kremltreue Demonstranten als auch Vertreter von Homosexuellen-Organisationen wollten vor dem Konzert Mahnwachen abhalten - letzteren geht Madonnas Unterstützung noch nicht weit genug.

sha/afp

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
loeweneule 09.08.2012
Wenn eine gewisse Sorte Männer, deren Angst vor Frauen riesengroß zu sein scheint, ausfällig werden, fällt immer gerne das Wort "Hure". Arme Würstchen sind das.
2. Gaans arme Würstchen...
Schroekel 09.08.2012
Zitat von sysopAPScharfer Angriff via Twitter: Mitten in Madonnas laufender Russland-Tour hat der stellvertretende Regierungschef Dmitri Rogosin die Sängerin indirekt als "Hure" bezeichnet. Hintergrund der Attacke ist Madonnas Eintreten für die inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,849197,00.html
...in der Tat. Und diese Geschichte wird ihnen, genauso wie Pukin, noch ebensoviel Zahn (oder ähnliche) Schmerzen bescheren. Diktatoren haben (mindestens) eines gemeinsam, sie lernen nicht dazu.
3. Gutmensch Madonna
dirkb79 10.08.2012
Es mag durchaus edel sein, für die Rechte von "Pussy Riot" einzutreten. Nur ist es leider so dass Madonna auf ihrer Welttournee für jedes Land ein neues Anliegen findet, wofür bzw. wogegen sie kämpft. Wenn die Sache sie so sehr beschäftigt, warum tut sie es nicht von zuhause aus und nicht genau zu dem Datum wenn sie auf Tour ist? Warum schreibt sie nicht mal ein Song darüber? Manche nennen das Provokation, andere eine PR Aktion. Ich nenne es Prostitution, und daher liegt der russische Vize mit seiner Aussage gar nicht mal so falsch.
4. Madonna als moralische Instanz
lele_87 10.08.2012
Ich frage mich womit sie in Deutschland die Leute provozieren könnte, damit sie ein Paar Eintrittskarten verkauft. Sie wird womöglich den Eurorettungsschirm kritisieren, oder die griechische Flagge verbrennen. Das kommt bestimmt gut an bei den deutschen.
5.
Th.Tiger 10.08.2012
Zitat von sysopAPScharfer Angriff via Twitter: Mitten in Madonnas laufender Russland-Tour hat der stellvertretende Regierungschef Dmitri Rogosin die Sängerin indirekt als "Hure" bezeichnet. Hintergrund der Attacke ist Madonnas Eintreten für die inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,849197,00.html
Da das Auftreten der Punkerinnen in der Kirche gern als Kunst bezeichnetund damit als Straftat relativiert wird: Vielleicht sollte man den Ausspruch des Herrn Rogosin als künstlerische Übertreibung sehen. Dann könnte man sich damit regelrecht anfreunden. So im Rahmen eines Happenings.
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