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Wegen umstrittener Pharma-Doku: WDR schmeißt Mitarbeiter raus

Wundermittel mit starken Nebenwirkungen: Weil ein Autor zu seinem Film über eine Neurodermitis-Salbe Falschangaben machte, hat sich der WDR von ihm getrennt. In dem Skandal um die Dokumentation machte auch Frank Plasberg eine unglückliche Figur.

Szenenbild aus umstrittener ARD-Doku "Heilung unerwünscht" über eine Hautcreme Zur Großansicht
WDR

Szenenbild aus umstrittener ARD-Doku "Heilung unerwünscht" über eine Hautcreme

Hamburg - Die TV-Dokumentation "Heilung unerwünscht" über eine umstrittene Hautcreme sorgte schon bei ihrer Ausstrahlung im Oktober 2009 für Wirbel, jetzt hat sie den Autor den Job gekostet: Mit sofortiger Wirkung hat ihn der verantwortliche WDR vom Dienst freigestellt und arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet. Wie der Sender am Freitag mitteilte, sehe man es nach eingehender Prüfung als erwiesen an, dass der Mitarbeiter als Autor des ARD-Features "Heilung unerwünscht: Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern" "gegen Programmgrundsätze verstoßen und falsche Angaben gegenüber dem WDR" gemacht habe.

Das Feature befasste sich mit der Geschichte der Hautcreme Regividerm, die bei Beschwerden wie Neurodermitis und Schuppenflechte ohne schwere Nebenwirkungen helfen soll. Hauptthese des Autors war, dass Pharmaunternehmen die Markteinführung des Mittels verhinderten. Als kurz nach der Ausstrahlung bekannt wurde, dass die Creme nun doch bald erhältlich sein werde, kam erste Kritik an der Sendung auf. Darüber hinaus wurden auch Zweifel an der journalistischen Unabhängigkeit des Autors laut, da er zeitnah ein Buch zu demselben Thema veröffentlichte. Und auch ARD-Talker Frank Plasberg musste sich rechtfertigen, dass er dem Autor in einer Ausgabe von "Hart aber fair" außergewöhnlich viel Platz einräumte, um seine Thesen vorzutragen.

Nach Angaben des WDR wurde gegen das Feature im Anschluss an die Ausstrahlung eine formelle Programmbeschwerde erhoben. Daraufhin sei im Rundfunkrat des WDR eine intensive Diskussion geführt und die interne Revision einbezogen worden. Die Prüfung habe ergeben, dass der Mitarbeiter den Sender wiederholt getäuscht habe, etwa bezüglich seiner Buchveröffentlichung und zudem in einer dienstlichen Erklärung falsche Angaben gemacht habe.

WDR-Intendantin Monika Piel sagte zu dem Fall: "Ich bin tief enttäuscht über den Vertrauensbruch. Für mich ist dadurch die Grundlage für eine Zusammenarbeit entfallen. Es muss klar sein, dass unsere journalistische Unabhängigkeit nicht verhandelbar ist und dass der WDR ein solches Fehlverhalten nicht duldet. Es hat sich aber auch gezeigt: Unsere Prüfmechanismen und die Gremienkontrolle funktionieren."

hpi

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