Wehrmachtsausstellung Reemtsma räumt erneut Fehler ein

Der Initiator der umstrittenen Wanderausstellung hat eingestanden, dass sich die Ausstellungsmacher im Umgang mit Kritik an der Dokumentation "zu sehr auf Archive verlassen" hätten. Der SPD-Verteidigungsexperte Opel plädierte unterdessen dafür, die Wehrmachtsausstellung nach drei Monaten wieder zu zeigen.


Berlin/Köln/Hamburg - Die Ausstellungsmacher hätten sich zu sehr auf Bildzuordnungen in Archiven verlassen, "wobei ich erwähnen möchte, dass es sich dabei um durchaus renommierte Archive handelt", sagte der Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung am Freitag im Westdeutschen Rundfunk (WDR). Bei vielen Bildern sei durch Querrecherchen ein hoher Sicherheitsgrad zu erreichen. Bei manchen jedoch nicht: "In diesem Fall muss man das dann, wenn man es trotzdem verwenden will, auch sagen und entsprechend in dem Kontext relativieren."

Reemtsma vor umstrittenen Ausstellungsfotos
REUTERS

Reemtsma vor umstrittenen Ausstellungsfotos

Nach massiver Kritik von Historikern hatten die Organisatoren am Donnerstag die Ausstellung für mindestens drei Monate ausgesetzt und angekündigt, sie überarbeiten zu wollen. Reemtsma räumte im DeutschlandRadio und im WDR ein, es wäre richtiger gewesen, diesen Schritt früher zu tun. "Es lag daran, dass alle, die über dieses Problem diskutiert haben, etwas zu lange der Meinung waren, die Nachbesserung im Detail würde ausreichen", sagte der Sozialforscher im WDR.

Im DeutschlandRadio bezeichnete Reemtsma die durch den polnischen Historiker Bogdan Musial vorgebrachten Einwände als berechtigt. Musial hatte im Oktober in einem wissenschaftlichen Beitrag geschrieben, dass ein in der Ausstellung gezeigtes Bild nicht eine Massenerschießung der Wehrmacht in Kraljewo (Serbien) dokumentiere, sondern die Ermordung von Gefängnisinsassen Ende Juni 1941 durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD im galizischen Lemberg. Musial versuchte in seinem Beitrag zu beweisen, dass wenigstens neun der etwa 800 Fotos der Ausstellung sowjetische Verbrechen zeigen und dass das auch bei weiteren zwei Dutzend vermutet werden kann.

Reemtsma verwies auf neue Forschungen zu den Morden des sowjetischen Geheimdienstes NKWD in Polen. "Bogdan Musial ist ein Experte auf diesem Gebiet. Mit seinem Wissen ist er in die Ausstellung gegangen und hat Vorgänge identifizieren können, die die Macher der Ausstellung so nicht gesehen hatten", sagte Reemtsma im DeutschlandRadio.

Unterdessen sprach sich der SPD-Verteidigungsexperte Manfred Opel dafür aus, dass die Wehrmachtsausstellung nach drei Monaten wieder gezeigt wird. "Die formale Kritik, so berechtigt sie auch ist, ist nicht geeignet, den Wert der Ausstellung zu mindern", sagte Opel im Saarländischen Rundfunk.

Nach Opels Worten ist es wichtig, sich heute endlich mit der tragenden Rolle der Wehrmacht als williges Instrument eines Unrechtsstaates zu befassen. Dabei gehe es nicht darum, sie pauschal zu verdammen. Vielmehr solle gezeigt werden, "dass die Wehrmacht eine aktive Unrechtsrolle im Zweiten Weltkrieg gespielt hat".



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