Von Marc Pitzke, New York
Zwei Jahre später stieß Dunn zu Obamas Team. Sie zog mit ihm in die Primary-Schlacht gegen Hillary Clinton und anschließend in den Wahlkampf gegen John McCain. Dunn entwickelte Obamas Erfolgsstrategie mit, in möglichst vielen Bundesstaaten zu kämpfen, statt sich auf ein paar wenige zu konzentrieren. Sie war es auch, die Obama aus den großen Sporthallen herausholte und lieber an Picknicktische setzte - was half, seine Schwäche bei Wählerinnen auszubügeln.
Ins Weiße Haus folgte sie Obama aber nur widerwillig. Sie hatte ihrem heute 13-jährigen Sohn versprochen, sich mehr um die Familie zu kümmern. Erst im Mai gab Dunn dem wiederholten Drängen des Präsidenten nach - allerdings nur befristet bis Ende des Jahres. Ihr Ehemann Robert Bauer ist Obamas Chefanwalt; zusammen bilden sie Washingtons neues "power couple" ("Newsweek").
Bisher war es Dunn gelungen, sich aus dem Rampenlicht fernzuhalten. Kandidaten seien wichtiger als Strategen, sagte sie stets. Als das TV-Magazin "60 Minutes" im November 2008 Obamas inneren Führungskreis porträtierte, zeigte es die Chefberater David Axelrod und Robert Gibbs, den Wahlkampfmanager David Plouffe - und Anita Dunn, die als "relative Newcomerin" vorgestellt wurde.
"Wir müssen aggressiver sein"
Von wegen. Dunn greift im West Wing hart durch, hält ihre Truppe an der kurzen Leine, überwacht alle Kontakte mit der Presse, organisiert präventive Gegenschläge. "Wir müssen aggressiver sein, statt uns nur zurückzulehnen", sagte sie "Time". Und von Anfang an schoss sie sich auf Fox News ein.
Dass das Weiße Haus gezielt einen Fernsehsender attackiert, irritiert sowohl die Politikszene als auch die Medienbranche - über die Gründe können selbst Insider nur spekulieren. Will die Regierung beim linken Flügel punkten? Will sie Fox News als Stimme der Republikaner definieren, im Vorlauf zum Kongresswahlkampf 2010? Will sie das rechte Protestgetöse um die Gesundheitsreform und den Afghanistan-Krieg aushebeln?
"Ob man Fox News mag oder nicht, wir alle in der Presse sollten besorgt sein, wenn die Regierung versucht, einen News-Sender für seine Haltung zu 'bestrafen'", schrieb TV-Kritiker David Zurawik in der "Baltimore Sun". Der langjährige Präsidentenberater David Gergen kritisierte: "Wenn das Weiße Haus persönliche Angriffe führt, hebt es die andere Seite auf seine Ebene." Seine Prognose: "Das wird die Quoten für Fox News nur hochtreiben."
In der Tat liegt Fox News längst weit vor den Konkurrenten MSNBC und CNN, und die Zuschauerzahlen sind in den vergangenen Wochen noch gestiegen.
"Wir werden in ihren Shows auftreten"
Schon seit dem Wahlkampf faucht der Sender gegen Obama, und in der Debatte um die Gesundheitsreform hatten sich die Attacken nochmals verschärft. So half Fox News letztlich mit, die turbulenten "Tea Parties" und chaotischen "Bürgerproteste" gegen die US-Regierung in diesem Sommer zu organisieren.
Jetzt ist Dunn das Ziel des Senders. Jeden Tag spielt Fox News einen wild aus dem Zusammenhang gerissenen Videoclip von ihr. In einem missglückten Versuch, ironisch zu sein, nennt sie als ihre "politischen Lieblingsphilosophen" Mao Zedong und Mutter Teresa.
"Weißt du, wer mein politischer Lieblingsphilosoph ist? Adolf Hitler!", ätzte Glenn Beck, der tränenselige Kampfprediger vom Dienst bei Fox News. Er hatte Obama auch schon mal als "Rassisten" beschimpft, woraufhin mehrere Unternehmen ihre Werbung in seiner Show stornierten. Dass das Mao-Zitat auf den republikanischen Strategen Lee Atwater zurückgeht, verschwieg Beck.
In den politischen Talkshows am vergangenen Wochenende wetterten Obamas Vertreter zwar weiter gegen Fox News - auf allen Sendern außer Fox News. Doch der Interviewboykott solle nicht ewig dauern, versicherte der Präsidenten-Topstratege Axelrod: "Wir werden in ihren Shows auftreten."
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