"FR"-Insolvenz: Warten auf das Last-Minute-Gebot

Der Countdown läuft für die insolvente "Frankfurter Rundschau": Noch bis zum 1. Februar hätte ein potentieller Investor Zeit, Zeitung und Personal zu übernehmen. Als möglicher Käufer ist der Lokalkonkurrent "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im Gespräch - doch der rührt sich bisher nicht.

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Insolvenzverwalter Frank Schmitt: Hofft auf konkretes Gebot in letzter Minute

Hamburg/Frankfurt/Main - Die insolvente "Frankfurter Rundschau" ("FR") steht möglicherweise vor ihrer letzten Woche. "Es wird in jedem Fall eine Entscheidung fallen müssen, ob und wie es nach dem 1. Februar weitergehen wird", sagte der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Frank Schmitt am Samstag der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Es seien noch mehrere Interessenten an Bord.

Bereits seit Anfang Dezember werden als mögliche Interessenten an der "FR", die einst zu den führenden Zeitungen Deutschlands zählte, vor allem der Süddeutsche Zeitungsverlag und der lokale Konkurrent "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") genannt. In den letzten Wochen berichteten Branchendienste mehrfach darüber, dass das wahrscheinlichste Szenario für eine Übernahme der "FR" ein Zusammenrücken der Frankfurter Titel sei. Seitens der "FAZ" gibt es dazu aber keine öffentlichen Aussagen. Auch Insolvenzverwalter Schmitt bestätigt: "Zum jetzigen Zeitpunkt liegt uns kein konkretes Angebot vor."

Das könne sich bis Montag (28.1.) aber ändern. Dann wird Schmitt die Gläubiger über den Stand der Verhandlungen informieren. Diese sollten dann eine Entscheidung über die Zukunft des Verlags und der verlagseigenen Druckerei treffen. Die Öffentlichkeit soll aber erst nach einer Mitarbeiterversammlung an diesem Mittwoch über das Ergebnis informiert werden. Nach früheren Angaben stehen bei dem Verlag mehr als 450 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon etwa die Hälfte im Druckzentrum.

Zu Namen und Konzepten der Interessenten wollte sich der Sprecher am Samstag nicht äußern. Das "Hamburger Abendblatt" berichtete am Samstag über ein Interesse der "FAZ". Die wolle demnach die "FR" in abgespeckter Form als eigenständige Regionalzeitung für das Rhein-Main-Gebiet fortführen - in Zusammenarbeit mit einem eigenen Titel.

Und zwar nicht mit der "FAZ" selbst: Laut "Hamburger Abendblatt" könnte deren als Regionalzeitung ausgelegtes Schwesterblatt "Frankfurter Neue Presse" für eine Zusammenführung mit der "Frankfurter Rundschau" in Frage komme. Tobias Trevisan, Verlagsgeschäftsführer der "FAZ", soll demnach gegenüber Mitarbeitern bereits von möglichen Synergieeffekten eines solchen Zusammenwirkens gesprochen haben.

Solche Kooperationen sind nicht ohne Beispiel. In mehreren Regionen Deutschlands - so beispielsweise in der Region Köln/Bonn - kooperieren mitunter sogar Zeitungen verschiedener Verlage, sowohl in Form des Austausches redaktioneller Inhalte als auch in Anzeigenverbünden. Die so erzielte Vergrößerung der erreichbaren Zielgruppe erhöht die Vermarktungschancen für Werbung. Laut "Hamburger Abendblatt" könnte die "FR" darüber hinaus künftig auch wie die "Frankfurter Neue Presse" in der Frankfurter Societäts-Druckerei produziert werden.

pat/dpa

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