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Reliquiensammlung: Deutschland auf Herausgabe des Welfenschatzes verklagt

Reliquie aus dem Welfenschatz: Klage in den USA Zur Großansicht
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Reliquie aus dem Welfenschatz: Klage in den USA

War der Welfenschatz NS-Raubkunst? Das wollen die Erben der einstigen Eigentümer vor einem US-Gericht feststellen lassen - und verklagen Deutschland.

Berlin - War der Preis fair oder nicht? Das ist die zentrale Frage im Streit um den sogenannten Welfenschatz, die nun ein Gericht in der US-Hauptstadt Washington beschäftigen wird. 1935 hatte das Land Preußen - unter dem damaligen Ministerpräsidenten Hermann Göring - über die Dresdner Bank einen Teil der Reliquiensammlung für das Berliner Schlossmuseum erworben.

Verkäufer war ein Handelskonsortium, unter deren Mitgliedern einige jüdischen Glaubens waren. Deren Erben sagen heute, das Konsortium habe die Objekte unter dem Druck der Nationalsozialisten unter Wert verkaufen müssen. Deshalb sei das Geschäft widerrechtlich und nichtig.

"Würde Deutschland etwas anderes behaupten, würde es noch 2015 Görings Plündereien ausdrücklich billigen", heißt es in einer Klageschrift, die der Bostoner Anwalt Nicholas M. O'Donnell beim US-Bundesgericht eingereicht habe. Darin wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zur Herausgabe der Werke aufgefordert.

Der Welfenschatz wurde ursprünglich für den Braunschweiger Dom zusammengetragen. Die Goldschmiedearbeiten aus dem 11. bis 15. Jahrhundert gelangten 1671 in den Besitz des Welfenhauses, des ältesten Adelsgeschlechts Europas. 1929 verkaufte Herzog Ernst-August von Braunschweig-Lüneburg 82 Stücke an das Händlerkonsortium.

Sechs Jahre später erwarb der Staat Preußen etwa die Hälfte der Kunstschätze für das Schlossmuseum, das heutige Kunstgewerbemuseum in der Nähe des Potsdamer Platzes in Berlin. Die Kläger schätzen ihren Wert auf 260 Millionen Euro.

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Grütters: "Keine neue Fakten"

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger reagierte "verwundert". Er gehe jedoch davon aus, dass die jahrelange wissenschaftliche Erforschung des Falls auch das US-Gericht überzeugen werde - sollte es überhaupt zuständig sein, erklärte er.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat "mit Gelassenheit" auf die Klage reagiert. "Uns sind keine neuen Fakten bekannt", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag auf Anfrage. Für die Bundesregierung gelte weiter die Empfehlung der sogenannten Limbach-Kommission.

Diese hatte ebenso wie die Stiftung erklärt, es gebe keine Hinweise auf NS-Raubkunst. Die Schiedskommission unter Leitung der früheren Bundesverfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach sprach den Schatz deshalb 2014 - in einer allerdings nicht bindenden Entscheidung - der Preußenstiftung zu.

Die Kläger - Alan Philipp (London) und Gerald Stiebel (USA) - hatten das Gremium damals mit angerufen. In ihrem Schriftsatz jetzt bezeichnen das Verfahren allerdings als "Scheinprozess". Sie hätten 2014 die gleiche Diskriminierung erfahren wie ihre Verwandten während der Nazi-Zeit.

Die Kläger hätten sich gezwungen gesehen, bei einem US-Gericht zu klagen, weil das deutsche Zivilrecht nach wie vor keine ausreichende Handhabe zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht biete.

feb/dpa/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 92 Beiträge
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1.
Eduschu 24.02.2015
Ich frage mich, wie die Kläger auf die Idee kommen, als Erben einiger weniger Mitglieder des Konsortiums Anspruch auf den ganzen Welfenschatz zu haben. Müssten da nicht die genauen Erbverhältnisse geklärt sein, so es sich tatsächlich um Raubkunst handelt? Ansonsten laufen die Kläger ja Gefahr, sich selbst wieder Forderungen gegenüberzusehen, wenn sich weitere Erben finden sollten.
2. Faszinierend
KJB 24.02.2015
Es ist faszinierend wer gegen wenn und weshalb in den USA klagen kann. Ob nun Hedgefonds gegen den Argentinischen Staat, US Amerikaner gegen die Palästinenser oder der hiesige Fall. Ein unvoreingenommenes Urteil kann man gar nicht erwarten sobald wirtschaftliche Interessen der USA oder eines ihrer Bürger betroffen sind.
3. Allgemeingut
Ein_denkender_Querulant 24.02.2015
Es gibt Kunstwerke, die der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden müssen, weil sie Teil der Geschichte sind. In solchen Fällen halte ich persönlich sogar Enteignungen für statthaft. Es war im eigentlichen Sinne Volksbesitz und der deutsche Adel hat Glück gehabt, nach dem verlorenen ersten Weltkrieg nicht komplett Enteignet worden zu sein. Die Vermögen wurden über Jahrhunderte dem Volk entrissen. Schon der Verkauf des Welfenschatzes durch Ernst-August von Braunschweig war moralisch nicht rechtens, er hätte Museen zur Verfügung gestellt werden müssen. Das der Weiterverkauf nach 1929 nicht wie geplant funktionierte und 1935 nur noch die Dresdener Bank als Käufer zur Verfügung stand und zu marktüblichen Preisen einkaufte, erübrigt jede weitere Diskussion zu dem Thema.
4. Nationales Kulturgut
schnee_wolf 24.02.2015
Selbst wenn Richter in einem abschließenden Verfahren zu dem Urteil kommen sollten, dass der Ankaufspreis 1935 zu niedrig gewesen ist, fällt der Welfenschatz mit Sicherheit unter die Rubrik „Nationales Kulturgut“. Diese Schätze können vielleicht monetär vergolten, aber mit Sicherheit nicht außer Landes geschafft werden.
5. Klingt ein bisschen nach ...
eine-Meinung-unter-Vielen 24.02.2015
... probieren kann man es ja mal. Mal sehen, wer neben den Griechen und diesen Klägern noch Ansprüche aus der Nazi-Zeit anmeldet. Warum hat das so lange gedauert? Sorgsam und fair prüfen sollten wir solche Ansprüche auf jeden Fall, das sind wir uns selber schuldig.
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