Angriffe auf Journalisten Rechtsradikale attackieren erneut Reporter

Journalisten geraten immer stärker ins Visier rechter Schläger. Am Montagabend ist das Videoteam der "Welt" von Rechtsradikalen angegriffen worden.

Wurde bei einer Neonazi-Demo angegriffen: Der Journalist Martin Heller
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Wurde bei einer Neonazi-Demo angegriffen: Der Journalist Martin Heller


Bei einer Demonstration von Rechtsradikalen gegen ein Flüchtlingsheim in Berlin ist es am Montagabend erneut zu Angriffen auf Journalisten gekommen. "Welt"-Videoreporter Martin Heller und seine Kollegen wurden von zwei Personen bedrängt und wüst beschimpft. "Es war keine Prügelei, es wurde niemand verletzt", sagte Heller SPIEGEL ONLINE. "Körperlich bedrängt wurde das Team aber schon, und wir wurden in unserer Arbeit natürlich auch eingeschränkt."

"Wir haben die üblichen zwei bis drei Meter Abstand zum Demonstrationszug eingehalten und die Demonstranten nicht provoziert", so Heller. "Trotzdem wurde zunächst ein Kollege von einem stämmigen Mann mit Glatze und Tätowierungen geschubst. Danach kam ein älterer Mann und versuchte, uns die Kamera zu entreißen. Ihn konnten wir filmen, den ersten Angreifer nicht." Heller, der in der Vergangenheit auch für SPIEGEL TV und SPIEGEL ONLINE arbeitete, dokumentiert den Vorfall auf Twitter und der Facebook-Seite von "Welt Video".

Zwei Teilnehmer einer NPD-Demo attackieren uns in Berlin nacheinander. Hier der zweite Versuch, unsere Aufnahmen zu verhindern.

Posted by DIE WELT Video on Montag, 2. November 2015
Erst am vergangenen Freitag war der "Tagesspiegel"-Kolumnist Helmut Schümann in Berlin auf offener Straße niedergeschlagen worden. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verurteilte den Vorfall in einer Stellungnahme als "abscheulichen Angriff auf die Pressefreiheit".

Auch der neue Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall, meldet sich mit einem Statement zu Wort. "Ich erwarte von den Ermittlungsbehörden, dass sie die Attacken als Anschläge auf die Pressefreiheit besonders ernst nehmen und mit Nachdruck gegen die feigen Täter ermitteln. Überfälle wie diese dürfen nicht wie Kavaliersdelikte vernachlässigt werden."

Übergriffe auf Journalisten häufen sich in jüngster Zeit. Auch bei Pegida-Kundgebungen waren im Oktober Reporter bedrängt und beschimpft worden. Martin Heller macht die Beobachtung, dass die Stimmung gegen die berichtende Presse auf Kundgebungen gegen die Asylpolitik gereizter werde. Es werde nicht mehr nur "Lügenpresse" skandiert: "Auch vom Lautsprecherwagen wurde die Arbeit von Journalisten thematisiert", so Heller.

Neben der Asylpolitik seien die Medien immer das zweite zentrale Thema bei Pegida oder rechten Demos. "Im Denken dieser Leute ist der Journalist ein klares Feindbild, und der Hass nimmt zu", so Heller.

Im Video: Hetzjagd auf Journalisten bei Pegida-Demos

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