Welterbe Elbtal Gericht hebt Baustopp für Waldschlösschenbrücke auf

Die umstrittene Waldschlösschenbrücke im Unesco-Weltkulturerbe Dresdner Elbtal kann gebaut werden. Das sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen hob den verhängten Baustopp auf. Jetzt droht der Verlust des Welterbestatus.


Dresden - Nach der Eilentscheidung muss nun unverzüglich mit dem Bau der Brücke begonnen werden. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass die Unesco den Welterbetitel aberkennt. Das Welterbekomitee hatte im Juni angekündigt, Dresden von der Liste zu streichen, sollte die Brücke wie geplant errichtet werden.

Naturschützer hatten im August einen vorläufigen Baustopp beim Verwaltungsgericht Dresden erwirkt. Sie sehen die Belange der geschützten Fledermausart Kleine Hufeisennase in den Planungen nicht ausreichend berücksichtigt.

Darauf hatte das Land Sachsen Beschwerde eingelegt. Dementsprechend begrüßte Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) die heute verkündete Entscheidung des Gerichts. "Nun kann über die Gestaltung der Brücke abschließend gesprochen und zügig mit dem Brückenbau begonnen werden", sagte er. Das Gericht habe die Belange der Umwelt und des Tierschutzes umfassend und richtig abgewogen. Bereits am Donnerstag sollen nun die ersten Gespräche mit den beauftragten Baufirmen geführt werden, kündigte der Dresdner Baubürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU) an.

Regierungschef Georg Milbradt (CDU) drängt auf den Baubeginn, warb aber heute zugleich um einen Friedensschluss: "Ich hoffe, dass die Entscheidung des Gerichts eine brückenschlagende Wirkung entfaltet." Er hatte sich nach massiver Kritik zuletzt für kleinere Änderungen am Originalentwurf ausgesprochen. "Wir sehen eine Reihe von Möglichkeiten, die Brücke ästhetisch zu verändern", sagte er im Oktober nach einem Gespräch mit prominenten Dresdnern, die sich für den Erhalt des Titels engagieren. Milbradt zufolge sind Änderungen an der Brücke aber nur im Rahmen des geltenden Planfeststellungsverfahrens möglich - damit ist zum Beispiel der Bau einer kleineren Brücke ausgeschlossen. Allerdings könnten beispielsweise die sogenannten Brückenfüße erheblich verbessert werden. Zudem sei ein anderes Beleuchtungskonzept möglich.

Es gilt aber als wenig wahrscheinlich, dass der Unesco dies ausreicht. Das Welterbekomitee hält die bislang geplante Waldschlösschenbrücke für einen nicht wieder gutzumachenden Eingriff in eine einmalige Kulturlandschaft und hatte von Deutschland Alternativentwürfe gefordert. Die Frist dafür ist bereits verstrichen. Dresden hatte den Welterbetitel erst 2004 erhalten und steht derzeit auf der Roten Liste der gefährdeten Stätten.

Nach Angaben der Deutschen Unesco-Kommission kann nun frühestens auf der nächsten Sitzung des Welterbekomitees über den Verlust des Titels entschieden werden. Die reguläre Zusammenkunft ist für Anfang Juli 2008 in Quebec geplant. Allerdings könne sich das Gremium auch früher zu einer außerordentlichen Runde treffen, sagte ein Sprecher.

tdo/AFP/Reuters



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