Miau! Was Martin Schulz von meiner Katze lernen kann

Sie leben so, wie es die Menschen gerne tun würden, aber einfach nicht hinbekommen. Katzen sind uns haushoch überlegen. Heute, am Weltkatzentag, ist das offensichtlicher denn je.

Zur Sache, Kätzchen
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Zur Sache, Kätzchen

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Happy Weltkatzentag! Der Weltkatzentag ist ein Feiertag, der milde belächelt werden mag von Menschen außerhalb des Internets, Menschen mit sogenannten richtigen Problemen, oder von Hunden. Aber das sollte niemanden davon abhalten, diesen Tag angemessen zu feiern, zumal es sich um einen überkonfessionellen Feiertag handelt, also etwas potenziell Friedenstiftendes. Aber gut, wir müssen uns ja hier eh nicht rechtfertigen, nicht für das Hohelied der Katze.

Katzen tun das, was die meisten Menschen gern tun würden, aber nie schaffen. Sie schlafen die meiste Zeit des Tages, sehen immer perfekt aus, sie tun nie irgendetwas aus gespielter Höflichkeit und können sich selbst die Genitalien lecken. Katzen haben, wenn man sie nicht gerade in Wohnungen einsperrt, einen vorbildlichen Lifestyle, um den Foodbloggerinnen aller Länder sie beneiden. Sie ernähren sich - zumindest teilweise - von frischem, regionalem Raw Food aus dem eigenen Garten, das bis zu dem Moment, wo die Katze ins Spiel kommt, ein gutes Leben hatte.

Es gibt trotzdem immer wieder Versuche, Menschen, die mit Katzen zusammenleben, zu diskreditieren. Sie werden als Crazy Cat Lady verschrien, als schwer vermittelbare, fremdbehaarte Person mit unerfülltem Kinderwunsch und irrationalem Hang zu hinterhältigen Massenmördern. Die "Süddeutsche" zitierte neulich eine Studie, die Katzen- und Hundehaltung als Klimasünde bezeichnete, zufällig mitten im Dieselskandal, als würde man den billigen Ablenkungsmove nicht merken. Vor nicht allzu langer Zeit forderte ein "FAS"-Redakteur, man möge Katzen besteuern und alle (alle!) Hauskatzen sterilisieren, unter anderem weil sie angeblich so viele Singvögel fressen. Aber solange der Durchschnittsdeutsche 60 Kilo Fleisch im Jahr isst, will ich nichts über ein paar fehlende Singvögel hören. (Alle Hauskatzen sterilisieren! Er wollte sie ausrotten! Hab mir für immer seinen Namen gemerkt. Die Frankfurter benehmen sich katzenpolitisch ohnehin auffällig, gestern erst fand man bei FAZ.net eine dpa-Meldung gut genug, die vorschlug, Stinktieren oder Schweinen statt Katzen zu huldigen, und heute, am Weltkatzentag, haben sie Robben auf ihrer Titelseite. Grotesk.)

Wahlkampf - das würden Katzen nie machen

Auf bundespolitischer Ebene werden Katzen bisher ungerechtfertigter Weise recht wenig zu Rate gezogen, was sich nur teilweise dadurch erklären lässt, dass sie sich persönlich nicht dazu äußern. Martin Schulz zum Beispiel könnte machtpolitisch direkt von Katzen lernen und würde sich viel Mühe sparen. Aus Katzensicht betrachtet, befindet er sich in einem Revierkampf, allerdings in einem ziemlich aussichtslosen. Einer alteingesessenen Katze das Revier wegzunehmen, obwohl man allen Umfragen zufolge nicht so stark ist wie sie, wird nicht klappen. Er könnte also tun, was jeder Kater tun würde: aufgeben, bevor er komplett vermöbelt wird. Sich ein anderes Betätigungsfeld suchen.

Natürlich "macht man das nicht". Hat noch nie einer gemacht, etc. Ist aber zu eng gedacht! Wahlkampf ist ein typisches Menschenphänomen. Bis zu einem bestimmten Datum zu kämpfen, oder zumindest so zu tun - das würden Katzen nie machen. Und mit Recht. Hätte Martin Schulz die königliche Würde einer einfachen Hauskatze, müsste er nicht noch mehrere Wochen durchs Land ziehen wie ein Bademeister ohne Pool und könnte wie jeder andere normale Mensch einfach direkt zu "Promi Big Brother" gehen oder weiter Bücher verkaufen und Katzenkalender.

Aber nicht nur Martin Schulz, wir alle können von Katzen lernen. Unter Menschen ist es schwierig, Leute zu finden, die Anarchismus nicht nur in der Theorie gut finden, sondern auch leben, weil vieles in unserem Alltag sich nicht damit verträgt. Katzen hingegen kriegen das hin. Keine sinnlosen Hierarchien, alles wird auf Augenhöhe ausdiskutiert, jegliche Dressur wird verweigert.

Das Gute: Wir kriegen mehr Vorbilder. Wie jede gute Idee breiten Katzen sich aus, und pünktlich zum Weltkatzentag wurde gerade festgestellt: Es gibt wieder mehr Wildkatzen in Deutschland! Wir blicken in eine flauschige Zukunft.

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insgesamt 207 Beiträge
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Seite 1
Freier.Buerger 08.08.2017
1. Ein Hoch auf den Katzentag!
Der beschert uns eine Kolumne von Margarete Stokowski, welche völlig frei ist von Inhalt, Komik, Inspiration und/oder Feminismus. Toll. 
altais 08.08.2017
2.
Schöner Artikel. Ich bin ein großer Katzenfreund. Trotzdem werde ich heute jedes kätzische Wesen aus der Nachbarschaft, das wagt, in meinem Garten auf Jagd zu gehen, besonders intensiv verjagen. Revierkampf und so. Hier haben Vögel Vorrecht, das habe ich als Oberkatze entschieden.
Onzlow 08.08.2017
3. genderpolitisch
Wäre es genderpolitisch nicht korrekt auch mal von den Katern zu sprechen? Das hätte ich jetzt bei der bekennen Feministin aber erwartet.
fred-vom-saturn 08.08.2017
4. Miau
Dem Artikel ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, das es für jede Katze eine Beleidigung wäre sie mit Merkel in Verbindung zu bringen.
varlex 08.08.2017
5.
Sehr guter Kommentar, diese wichtigen Umstände mussten mal in aller Deutlichkeit dargestellt werden. Darauf ein dreifaches Miau, Miau, Miau!
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