Umstrittenes Cover der "Weltwoche" Sinti und Roma suchen den Jungen auf dem Titel

Ein Kind hält eine Pistole in die Kamera: Mit einem reißerischen Titelblatt sorgt die Schweizer "Weltwoche" für Empörung. Nun macht sich der Zentralrat der Sinti und Roma auf die Suche nach dem abgebildeten Jungen. Man wolle der Familie Unterstützung zukommen lassen.

Titel der "Weltwoche" (Screenshot vom 10. April 2012): "Rassistische Stereotypisierung"

Titel der "Weltwoche" (Screenshot vom 10. April 2012): "Rassistische Stereotypisierung"


Heidelberg/ Hamburg - Eine Woche nach Erscheinen der viel diskutierten Ausgabe der "Weltwoche" sucht der Zentralrat der Sinti und Roma nach dem Jungen auf dem Cover. Das abgebildete Kind zielt auf dem Foto mit einer Pistole in die Kamera. Der zugehörige Titel lautet: "Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz". Die Veröffentlichung löste in der Gemeinde der Sinti und Roma und auch in den internationalen Medien heftige Kritik aus. Der Artikel habe Sinti und Roma "pauschal und in volksverhetzender Weise kriminalisiert", erklärte der Zentralrat. Seit Dienstag sind zahlreiche Anzeigen gegen die "Weltwoche" eingegangen.

Bislang unklar ist jedoch, inwiefern die Familie des abgebildeten Jungen von den Hintergründen der Veröffentlichung wusste. Der Zentralrat der Sinti und Roma sucht deshalb jetzt nach dem Kind, um ihn und seine Familie in der Wahrung seiner Rechte zu unterstützen. Das teilte der Rat am Donnerstag in Heidelberg mit.

Die Bildagentur Laif, aus dessen Hause das Foto stammt, meldete sich nun in einer Stellungnahme auf ihrer Website zu Wort. Das Foto sei von der "Weltwoche" "sinnentstellend und wahrheitsverändernd" verwendet worden. Die Darstellung würde "die Aussage des Bildes in sein Gegenteil verkehren und als Illustration für einen Artikel über angebliche Raubzüge von Roma-Kindern in der Schweiz missbraucht". Sie appellieren an Journalisten, Fotografien nicht außerhalb ihres Kontextes zu verwenden und fordern eine "visuelle Ethik" bei der journalistischen Arbeit.

tre/ dapd



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