Beltracchi-Fälscherskandal Kunstexperte Werner Spies gesteht Fehler ein

Seit bekannt wurde, dass Werner Spies Echtheitszertifikate für sieben gefälschte Bilder ausgestellt hat, hat der Ruf des legendären Kunsthistorikers gelitten. Nun gibt er in seiner Autobiographie Fehler zu - nennt aber den Verurteilten Wolfgang Beltracchi weiterhin einen "genialen Fälscher".

Werner Spies: Will nicht am Pranger stehen
dapd

Werner Spies: Will nicht am Pranger stehen


Düsseldorf - Der umstrittene Kunstexperte Werner Spies, 75, hat in der Affäre um den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi Fehler eingestanden. "Ich konnte Käufer vermitteln, und die Beltracchis ließen es sich - obwohl ich es nicht verlangt habe - nicht nehmen, mir eine ansehnliche Verkaufsprovision auf ein angegebenes Schweizer Konto zu überweisen", schreibt Spies in seiner am Montag erschienenen Autobiografie "Mein Glück".

Spies, ein Freund von Max Ernst (1891-1976) und Pablo Picasso (1881-1973), hatte Echtheitszertifikate für sieben Fälschungen Beltracchis ausgestellt. Dabei handelte es sich um vermeintliche Bilder des Surrealisten Max Ernst, die dann für Millionensummen verkauft wurden.

In ihrem Buch "Falsche Bilder, echtes Geld" über den Fälschungskandal kommen die Journalisten Stefan Koldehoff und Tobias Timm zu dem Schluss, dass Spies für seine Echtheitszertifikate im Vergleich zu anderen Kunstexperten keine umfangreichen Untersuchungen an den Bildern zu Malweise, Bildgeschichte oder technischem Zustand vornahm und sich meist auf eine Sichtung der Gemälde - zum Teil auch in den Privaträumen der Beltracchis - beschränkte. Sie schätzen, dass Spies für Expertisen und Vermittlungsdienste mindestens 400.000 Euro von Fälschern und Händlern erhielt.

Bis heute hält Spies Beltracchi für einen "genialen Fälscher". Würde er die Arbeiten heute betrachten, fände er "nach wie vor keinen Hinweis, der Zweifel an der Echtheit" bei ihm aufkommen lasse, erklärte Spies, der als der beste Kenner des Werks von Max Ernst gilt. Es sei für ihn "schwer hinnehmbar", wegen seines Irrtums immer wieder am Pranger zu stehen, während Beltracchi "mit kaum mehr als einem blauen Auge davonkommt".

Beltracchi hatte als Drahtzieher einer vierköpfigen Bande jahrelang Avantgarde-Künstler gefälscht und mit dem Handel Millionen verdient. Im Oktober vergangenen Jahres war er in Köln zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, die er im offenen Vollzug verbüßt. Beltracchi soll bis zu 100 Fälschungen in den Markt geschleust haben.

hpi/dpa



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