Streit um Spielbanken in NRW Bin klamm, biete Warhol

Darf eine staatseigene Spielbank Kunstschätze veräußern, um marode Casinos sanieren zu können? In Nordrhein-Westfalen ist ein heftiger Streit darüber entbrannt. Jetzt schaltet sich erneut die Bundesregierung ein.

Warhol-Werke "Triple Elvis" und "Four Marlons": Die erhofften Erlöse liegen bei 100 Millionen Euro
DPA/ Christie`s/ The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc

Warhol-Werke "Triple Elvis" und "Four Marlons": Die erhofften Erlöse liegen bei 100 Millionen Euro


Berlin - Zwei Andy-Warhol-Werke für die Sanierung mehrerer maroder Spielkasinos - diese Rechnung sorgt aktuell in Nordrhein-Westfalen für Ärger. Der staatlich konzessierte Spielcasinobetreiber Westspiel plant, die beiden frühen Bilder "Triple Elvis" und "Four Marlons" zu versteigern, um mit den Erlösen defizitäre Spielbanken aufzumöbeln.

"Es hat meines Wissens nach noch keine Landesregierung nationales Kulturgut veräußert, um damit Löcher im Haushalt zu stopfen", kritisierte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die Pläne gegenüber der "Bild am Sonntag". "Die Versteigerung der beiden Warhol-Gemälde aus öffentlichem Besitz wäre ein Tabubruch mit fatalen Folgen. Das könnte Schleusen öffnen."

Erlöse von mehr als 100 Millionen Euro erhofft

Die beiden Werke sollen Mitte November bei Christie's unter den Hammer kommen. Westspiel erhofft sich Erlöse von mehr als 100 Millionen Euro. Das Unternehmen ist eine Tochter der landeseigenen NRW-Bank. Es hatte die Bilder in der Siebzigern und Achtzigern zur Ausstattung der Spielbank in Aachen gekauft, wegen ihres Wertes aber zuletzt im Depot verwahrt.

Hannelore Kraft, SPD-Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens, hatte Anfang vergangener Woche mitgeteilt, keine Möglichkeit zu sehen, die Versteigerung der beiden Werke zu stoppen. Anders als Grütters sieht Kraft die Bilder des amerikanischen Künstlers nicht als nationales Kulturgut gemäß dem Kulturschutzgesetz an.

Daher komme eine Übertragung der Werke an Museen in Nordrhein-Westfalen nicht in Betracht, schrieb sie in einem Antwortbrief auf ein Protestschreiben der Direktoren aller großen NRW-Kunstmuseen. Ein Ankauf der Bilder aus Steuergeldern zum Marktwert sei "zurzeit nicht darstellbar", heißt es in dem Brief.

NRW-Bank: Warhol verkauft, Steuerzahler entlastet

Kraft versicherte den Museumsdirektoren, dass die Landesregierung nicht die Absicht habe, Kunst aus direktem Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen zum Zweck der Haushaltskonsolidierung zu veräußern. Westspiel habe die Bilder aus eigenen Mitteln weit unter dem heutigen Wert erworben und müsse als rechtlich selbstständiges Unternehmen Investitionen aus vorhandenen Vermögenswerten bestreiten, heißt es in Krafts Brief weiter.

Die Direktoren dagegen hatten gewarnt, mit der Versteigerung würde ein grundlegender Kulturwandel vollzogen, der das Image Nordrhein-Westfalens und der Bundesrepublik als Kulturland und Kulturnation infrage stelle. "Der Umstand, dass das Geld in die Modernisierung von Spielcasinos fließen soll, macht die Sache doppelt angreifbar", bestärkte Grütters die Kritik jetzt gegenüber der "Bild am Sonntag".

Die NRW-Bank hingegen erklärte zu der geplanten Auktion, Westspiel wolle die Warhol-Kunst aus seinem Besitz veräußern, um seinem staatlichen Auftrag auch künftig gerecht zu werden und um anstehende Herausforderungen aus eigenem Vermögen zu bewältigen, ohne den Steuerzahler zu belasten.

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Sollte eine staatseigene Spielbank Kunstschätze veräußern dürfen, um marode Casinos zu sanieren?

irb/AFP/dpa



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insgesamt 39 Beiträge
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einwerfer 19.10.2014
1. Schon seltsam,
sonst verlangt die CDU doch von klammen Ländern, wie z.B. Griechenland, dass sie sich von allem möglichen, inkl. ganzer Inseln, trennen. Und während die CDU-NRW nicht müde wird, der Landesregierung vorzuwerfen, sie sei klamm, meint Frau Grütters (CDU), Warhol-Bilder seien nationales Kulturgut. (Ganz nebenbei glaube ich, dass die Wählerschaft von Frau Grütters das eher nicht so sieht.)
breisig 19.10.2014
2. Ein
ist das eine Fälschung aus China?
mali123 19.10.2014
3. Und ich dachte
wir hätten einen Wirtschaftsboom unter Merkel und uns würde es allen gut gehen laut ihrer Aussage. Langsam geht es wohl an die Reserven. So bekommen die Reichen Alles, was eigentlich uns allen gehört. Das Geld, das sie für die Bilder bezahlen werden, werden die auf lange Sicht auch zurückbekommen, wenn die Politik so weitermacht, wie bisher. Nämlich die Reichen zu entlasten und die Normalos und die Armen immer mehr zu rupfen.
Ortograph 19.10.2014
4.
Dass eine rechtlich eigenständige Gesellschaft Kunstwerke verkauft, kann man als Skandal sehen - man kann ihn aber auch künstlich herbeireden. Viel skandalöser finde ich, liebes SPIEGEL Online, dass beide Bildtitel falsch sind (Rechtschreibfehler bei Elvis, und das Bild heißt Four Marlons und nicht Four Marinos), und man Westfalen auch keineswegs mit "h" schreibt. Wenn man schon auf den Empörungszug aufspringt, dann doch wenigstens ohne solche Peinlichkeiten.
knürken 19.10.2014
5. Schlussverkauf bei BRD!!
Früher haben die Landesregierungen die Kunst gefördert – heute wird sie halt verschachert um ausgerechnet Spielkasinos zu finanzieren. (Siehe hierzu auch die Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Zusammenarbeit mit den Gesellschaften des Deutschen Lotto- und Totoblocks) Alle, die ihr geglaubt habt, nach dem Verkauf von staatlichen Krankenhäusern, Stromversorgern und Wasserwerken geht's nicht mehr tiefer – aufgepasst.
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