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Wettbewerb: "Habseligkeiten" ist schönstes deutsches Wort

Sprachexperten haben "Habseligkeiten" zum schönsten deutschen Wort gekürt. Beim internationalen Wettbewerb machten fast 23.000 Menschen aus 111 Ländern mit - "Lieben" war weltweit der unangefochtene Spitzenreiter, doch die Jury wollte es anders.

Das Publikum setzte voll auf "Lieben", bei den Experten dagegen ging "Habseligkeiten" als Sieger durchs Ziel. In der Begründung der Jury heißt es, das Wort bezeichne mit einem "freundlich-mitleidigen Unterton" die Besitztümer etwa eines Kindes oder eines Obdachlosen. Dabei lasse es den Eigentümer der Dinge "sympathisch und liebenswert" erscheinen.

"Habseligkeiten": Favorit der Jury
DPA

"Habseligkeiten": Favorit der Jury

Lexikalisch verbinde das Wort zwei Bereiche des Lebens: den irdischen Besitz und die im irdischen Leben unerreichbare Seligkeit. Diese Spannung bringe den Leser des Wortes dazu, dem Besitzer der "Habseligkeiten" positive Gefühle entgegenzubringen. Die Liebe zu den kleinen, wertlosen Dingen werde als "Voraussetzung zum Glück" aufgefasst.

Zum internationalen Wettbewerb "Das schönste Wort" hatten der Deutsche Sprachrat und das Goethe-Institut aufgerufen. Die Resonanz war riesig: 22.838 Vorschläge nebst Begründungen aus über 111 Ländern ein. Die Gewinner wurden am Sonntag in der WDR-Sendung "west.art" vorgestellt.

Beim Wettbewerb war nicht entscheidend, wie oft ein Wort genannt wurde, sondern wie die Einsender ihre Wahl begründeten. Am besten gelang es der Einsenderin Doris Kalka. Sie gewann eine Reise nach Mauritius.

"Geborgenheit" auf Platz zwei

Aus den Einsendungen wählten Mitarbeiter des Deutschen Sprachrats, des Goethe-Instituts und der Gesellschaft für deutsche Sprache 95 Vorschläge für die Jury aus. Dabei waren unter anderem Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts, der Sänger Herbert Grönemeyer und Autor Uwe Timm.

Wort gesucht: Gewaltiges Echo weltweit
AP

Wort gesucht: Gewaltiges Echo weltweit

Auf Platz zwei wählte die Jury die "Geborgenheit". Das Wort bezeichne, "dass man sich so geborgen, gut eingelebt ... irgendwo fühlt", argumentierte die Slowakin Annamaria Musakova, die mit ihrem Vorschlag einen vierwöchigen Deutsch-Kurs gewann. "Lieben" belegte Platz drei, weil es nach Ansicht der Einsenderin aus Palma de Mallorca "nur ein 'i' vom Leben entfernt ist".

Der "Augenblick" kam auf den vierten Platz, weil das Wort "um eine subversive Idee zu lang ist für das, was es besagt, und so viel sinnlicher klingt als ein 'Moment'", begründete eine Schweizerin ihre Nominierung. Den Sprung unter die ersten Fünf schaffte auch "Rhabarbermarmelade". Einreicher Frank Niedermeyer schwärmte: "Was für ein Klang!". Ihn umgebe ein Wohlgefühl, wenn er Sonntags morgens zu seinem Schatz sagen könne: "Barbara, reich mir doch bitte die Rhabarbermarmelade." Da seien die Worte "Liebe, Glück und Heimat" doch eher einfallslos.

Lieber "Libelle" als "Wutzelkrump"

Im Wettbewerb um "Das schönste Wort der Kinder" machte die "Libelle" das Rennen. Der zehnjährige Sylwan Wiese ist mag es so, "weil ich Wörter mit dem Buchstaben 'l' liebe und dieses Wort sogar drei davon hat. Das Wort lässt sich irgendwie so leicht sprechen. Das flutscht so auf der Zunge. Aber ich finde auch, dass Libellen so schön flattern, und genau das erkennt man auch in dem Wort. Das Wort macht, dass man diese Tiere von Anfang an mag und keine Angst vor ihnen hat. Würde das Tier 'Wutzelkrump' oder so heißen, dann wäre das nicht so."

Das weltweite Durchschnittsalter aller Einsender - Beiträge für das schönste Wort der Kinder ausgenommen - lag bei 39 Jahren, 65 Prozent aller Vorschläge kamen von Frauen. Etwa ein Viertel der Vorschläge wurden aus dem Ausland eingereicht. Dabei lagen die USA noch vor der Schweiz und Österreich.

Das "Lieben" war weltweit der unangefochtene Spitzenreiter unter den eingesandten Wörtern und kam auch in Deutschland auf Platz eins, dicht gefolgt von "Gemütlichkeit" und "Sehnsucht". Die Plätze vier bis zehn belegen bei den Einsendungen die Wörter "Heimat", "Kindergarten", "Freiheit", "gemütlich", "Frieden", "Sonnenschein" und "Schmetterling".

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