"Wetten dass?": Buhrufe gegen Dieter Bohlen

Eigentlich wollte der Pop-Titan in eigener Sache werben - stattdessen erntete Dieter Bohlen bei "Wetten dass?" herbe Kritik von Showmaster Thomas Gottschalk und Gästen an seinem neuesten Skandalwerk. Als sich der Ex-"Modern Talking"-Star dann noch über Arbeitslose ausließ, reichte es auch dem Publikum.

Dieter Bohlen nebst Estefania Küsters bei "Wetten dass?": "Dann hätten wir keine Arbeitslosen mehr"
REUTERS

Dieter Bohlen nebst Estefania Küsters bei "Wetten dass?": "Dann hätten wir keine Arbeitslosen mehr"

Karlsruhe - Zunächst hatte sich Bohlen auf dem "Wetten dass?"-Sofa in der Neuen Messe in Karlsruhe noch kräftig amüsiert. Bohlen, der nebst Freundin Estefania Küster angereist war, wollte für sein neues Enthüllungsbuch "Hinter den Kulissen" werben, in dem er ausgiebig über seinen ehemaligen Bandkollegen Thomas Anders ("Kanalratte") und Showgrößen wie "Pur"-Sänger Hartmut Engler ("Graf Großkotz") herzieht. Diese hatten zusammen mit anderen Prominenten zuvor einen gerichtlichen Auslieferungsstopp des Machwerks erwirkt.

Nach der freundlichen Plauderei gab es dann von Gottschalk für Bohlen jedoch plötzlich "was auf die Ohren" ("Bild am Sonntag"): Der Ex-Modern-Talking-Star reiße "alles das, was er mit den Händen aufgebaut hat, mit dem Arsch wieder ein", sagte Gottschalk hinsichtlich der Skandalpassagen aus Bohlens neuem Buch. Die Attacke saß, Gottschalk hatte das Publikum auf seiner Seite.

Auch von "Normalo" Stefan Schabenberger, der als "Bild"-Gewinner auf dem Gästesofa Platz nehmen durfte, gab es Kritik. Angesprochen auf den Wirbel um das Bohlen-Buch, zeigte sich der 26-Jährige unbeeindruckt. "Mich interessiert das alles nicht", sagte er, nannte das Buch "belanglos" und legte nach: "Ich kann das Mitteilungsbedürfnis von Dieter Bohlen nicht nachvollziehen." Vom Publikum gab es daraufhin donnernden Applaus.

Die Stimmung im Saal war gekippt. Zuvor hatte Bohlen nämlich noch locker den gerichtlich erwirkten Auslieferungsstopp seines Buches als "Peanuts" abgetan, der auch noch gute Werbung für ihn gewesen sei. "Die Leute sind wie verrückt in die Läden gelaufen", freute sich Bohlen.

Als er jedoch die Kritik von Gottschalk und Gast Schabenberger vernahm, ereilte Bohlen ein Aussetzer. "Natürlich verdiene ich unglaublich gerne Geld", verteidigte sich der Multi-Millionär. Vorbild Bohlen: "Ich hoffe, dass das jeder in Deutschland tut. Dann haben wir nämlich keine Sorgen mehr. Dann haben wir keine Arbeitslosen mehr. Dann haben wir 'ne super Finanzsituation." Das Publikum wollte diese Logik nicht anerkennen und pfiff und buhte Bohlen aus. Gottschalk traf die Stimmungslage: "Also, wir schreiben alle ein Buch - und dann geht's wieder besser!"

Gottschalk hatte bereits vor der Sendung Stimmung gegen Bohlen gemacht: "Ich frage mich, warum er in seinem neuen Buch auf Harmut Engler losgeht", sagte Gottschalk der "Bild am Sonntag". Durch Bohlens erstes Buch "Nichts als die Wahrheit" und die Sendung "Deutschland sucht den Superstar" sei er Kult geworden und habe riesige Werbeverträge erhalten. "Das sollte doch eigentlich zu einem gewissen Niveau verpflichten", sagte Gottschalk.

Zumindest für Studiogast Schabenberger verlief die "Wetten dass?"-Sendung überaus erfolgreich. Denn trotz seiner Kritik an dem Bohlen-Werk bewies der Grafikdesigner auch eindrucksvoll, wie schnell er die Regeln des Showgeschäfts begriffen hat: Bei jeder Gelegenheit brachte er sein eigenes Buch, einen Bildband über Deutschlands öffentliche Toiletten, zur Sprache und hielt das Heft zum Schluss auch noch in die Kameras.

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