"Wetten, dass...?" mit Carla Bruni Herrenwitze ersetzen Humor

Busenscherze, ein riesiger Pott Senf und eine singende Männerphantasie: Thomas Gottschalk warf so einiges in das Rennen um die Publikumsgunst - und verlor trotzdem. Denn der wirkliche Gewinner der Wettshow war sein potentieller Nachfolger.

Von Silke Burmester


Um die 175. Sendung im März herum war viel von Ermüdung die Rede gewesen - bei Gottschalk und seinen Zuschauern. Jetzt, bei der ersten Sendung nach der Sommerpause, hat sich gezeigt, dass es nicht ausreicht, das Bühnenbild aufzupeppen. Ein Moderator, der eine Show als Herrenwitz auslegt, ist auf Dauer so ermüdend, wie eine Ehe in Missionarsstellung.

Glück fürs ZDF, dass sich die lang geführte Nachfolgefrage durch den Auftritt von Bully Herbig erledigt hat. Gottschalks letzter Stargast, der zusammen mit Franz-Xaver Kroetz kam, um seinen neuen Film vorzustellen, Pardon, Wettpate zu sein, hat in den letzten fünf Minuten jene Humor-und Unterhaltungsqualitäten bewiesen, die der große Blonde des Samstagabends seit langem durch Busenwitze wett zu machen versucht.

Dabei hatte alles viel versprechend angefangen. Gottschalk, das wusste man seit Wochen aus der Presse, würde Carla Bruni zu Gast haben. Jenes Ex-Model mit den vielen Liebhabern, das sich als Sängerin einen Namen machte und Anfang des Jahres den lustigen kleinen Franzosen geheiratet hat, der als Meister der fixen Taten und Grimassen versucht, Frankreich zu regieren. Sie in der Sendung zu haben, gilt als Scoop, denn seitdem Carla Bruni-Sarkozy als Première Dame des Stils gilt, wartet die deutsche Gazetten-Gesellschaft darauf, des Zauberwesens ansichtig zu werden.

Auch Karl Lagerfeld, die unterhaltsam blasierte Spöttelzunge, hatte zugesagt, genauso wie Atze Schröder, Sylvie van der Vaart und Salma Hayek, zwei Mönche und der 21-jährige Rennfahrer Sebastian Vettel. Gottschalk würde also das Niveau von plattem Witz mit und ohne sexuelle Anspielung aufrecht halten können.

Zunächst nutzte er die Plattform, die sich ihm in seiner fränkischen Heimat Nürnberg bot, für ein persönliches Anliegen. Ein reservierter Platz sei an diesem Abend leer geblieben, ließ der Moderator wissen. Für Günther Beckstein sei dieser gewesen, den Gottschalk persönlich kenne und der ein "sehr netter Mann" sei. "Der Günther", sagte der Moderator in fränkischer Mundart, tue ihm leid, denn "das hat er nicht verdient." Und als sei das nicht genug, empfahl er sich für dessen Nachfolge.

Da war das Auftreten der ersten Wettkandidatin geradezu eine Wohltat. Sie zeigte, dass man mit Bratwürsten auch Stricken kann, und hielt in jeder Hand etwas Fleischfarbenes, das schlichtweg wie ein Penis aussah, mit Hilfe dessen sie pinkfarbenes Garn zu Maschen formte.

Zu viel von allem

Eine Wohltat, die einer Reform zu verdanken ist: Statt der Stadtwette gibt es nun wieder eine Saalwette - in der Hoffnung damit näher an den Fernsehzuschauer zu rücken, für den das Spiel, bei der sich eine Stadt ins Zeug legte, häufig zu wenig Identifikationspotential bot.

Nah am Zuschauer waren die meisten Wetten. Das Repertoire reichte von einem Hund, der gefesselte Menschen befreite, über das Erraten von Autobahnen bis zu einem Flug per BMX-Rad über Hausdächer. Dass es zwischendurch dennoch langweilig wurde, liegt am Konzept. Ständig ist irgendwie von allem zu viel da: zu viele Gäste, zu viel Gerede, zu viel Zeit, die vergeht, ohne dass etwas geschieht. Und ein Moderator, dem einfach nicht mehr einfällt, als sein Programm auf "Bild"-Niveau zwischen Vorurteilen und sexuellen Anspielungen abzuspulen.

So muss sich eine Sylie van der Vaart erstmal begutachten lassen, bei verlorener Wette in ein Auto-Überschlagsimulator steigen, in dem sie Mühe hat, ihre Brüste vor dem Herausrutschen zu bewahren und Salma Hayek muss sich mit ihrer enormen Oberweite in ein Dirndl quetschen.

Der Spruch "Axel ist am Schwätzen - solange Salma sich nicht nach vorn beugt, ist ja alles gut" war da noch die harmlose Variante. Als Gottschalk angesichts ihres Dekolletees sagt, wie schön, dass heute noch gebohnert würde, muss König Karl zu Rettung des Niveaus einschreiten, das Ansinnen der Übersetzung unterbinden und den Moderator zurechtweisen.

Wie eine verklebte Biene Maja

Nah am Menschen ist wohl auch die Idee, die Ermittlung des Wettkönigs mit einem Fünf-Jahre-umsonst-Strom-Gewinn zu verknüpfen, für den Gottschalk das Anbieter-Logo etwa zwei Minuten in die öffentlich-rechtliche Kamera hielt, und das auch später noch auf der Großbildleinwand erschien. Auch Audi wird sich freuen, wird doch jede Folge ein Quattro mit tollen Eigenschaften in den Saal gefahren werden, der erst am Ende der gesamten Staffel gewonnen werden kann.

Wenn's um Carla Bruni geht, kennt sich SPIEGEL-ONLINE-Autorin Silke Burmester aus: Im November erscheint ihr satirisches Werk "Das geheime Tagebuch der Carla Bruni"

Wenn's um Carla Bruni geht, kennt sich SPIEGEL-ONLINE-Autorin Silke Burmester aus: Im November erscheint ihr satirisches Werk "Das geheime Tagebuch der Carla Bruni"

Wirklich unterhaltsam war die Show etwa, als ein 12-Jähriger "blind" Getränkekisten stapelte und hoch kletterte. Spannung ergriff den Zuschauer, als jemand Autobahnabschnitte zu erkennen versuchte: "Oha! ... Leitplankentyp A ... oha!" Heilloses Chaos herrschte im Vorwege einer Wette um einen Hund. Unschlagbar: Der krönende Abschluss, als Gottschalk die Größe besaß, seine Wettschuld einzulösen, indem er sich in einen riesigen Bottich Senf absenken ließ, um darin gänzlich unterzutauchen.

Schade nur, dass in diesem Moment der Ton ausfiel. Als er wieder da war, hing der Showmaster wie eine verklebte Biene Maja in der Luft und durfte zuhören, wie Bully Herbig ihn durch grandios spontane Komik um seinen Job brachte. Oder eben auch nicht, wir sind ja beim ZDF.

Tanzende Frauen als Lichtgestalten

Und sonst? Ach ja, da war ja noch Carla Bruni. Der lang erwartete Auftritt der Königin des Stils, der Aufmerkamkeitsgarant. Wie schön hätte der sein können!

Wie hätte man der Kosmopolitin einen adäquaten Rahmen geben können - ein Schlafzimmer, einen Papppalast, einen Globus. Aber nein, Carla Bruni-Sarkozy, Gattin Frankreichs und von Haus aus leichtfüßig singende Männerphantasie, muss von Rosen flankiert mit einem Stuhl auf einer Treppe sitzend, ihr Liedchen trällern. Tanzende Frauen als Lichtgestalten am Firmament - als hätte die Ikone, die bald als Wachsfigur glänzen wird, nicht schon genug Schund zu ertragen.

Aber auch die Sängerin weiß, wie man ein Publikum anheizt, lässt den Glamourfaktor zuhause und setzt sich ungeschminkt, in trister schwarzer Hose und Bluse auf Gottschalks Couch und bricht für die Politiker eine Lanze, die ununterbrochen für das Gemeinwohl arbeiten. Was sie sagt, bleibt so steif und starr wie ihr Gesicht. Kein Glam-Faktor weit und breit, kein Kennedy-Flair, keine Charme-Fanfare.

Und weil Gottschalk es nicht gelingt, der mittlerweile von PR-Beratern gut trainierten Präsidenten-Gattin ein wenig Lebendigkeit einzuhauchen, ist es König Karl, der der Situation Witz gibt.

Während Gottschalk in Altherrenmanier Sarkozy zu seiner Wahl gratulieren will, sagt Lagerfeld: "Aber Carla auch!"



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r.zmudzinski, 05.10.2008
1. Abschalten
Na, dann hab ich`s ja genau richtig gemacht, ich habe nämlich nach 5 Minuten Gottschalks dämliches Gequassel nicht mehr hören können und meinen Fernseher ausgeschaltet.
Hercules Rockefeller, 05.10.2008
2. Sendung nächstes Mal nüchtern gucken
Ich kann die Kritik zur Sendung nicht nachvollziehen! Es fällt schon auf, dass die Autorin entweder nicht ganz bei sich war oder der Fernseher katastrophale Lautsprecher haben muss. Denn erstens hat nicht "Axel" geschwätzt, der war nämlich garnicht da. Ein Atze hatte sich eingefunden, der hat aber nicht mit der Salma geschwätzt, sondern wie Gottschalk anmerkte, der "Karl" tat solches. Und es sollte auch nicht "gehobelt" werden, sondern in Anspielung auf die Frisur des Blumenboten "gebonert"! Ich tippe auf ein paar Likörchen am Abend, denn nur so ist die Symphatie für die immergleichen Saufgags des Bulli zu erklären. Der Mann kann die Sendung sicher nicht retten, er kann sich ja selbst kaum retten, wie die immer schlechteren Filmprojekte die er verbricht deutlich machen-der Zuschauer wills längst nicht mehr sehen. Und nicht jedes (zugegeben manchmal arg billige) Kompliment über das Aussehen einer Frau ist gleich ein Altherrenwitz. Es sieht auch nicht jeder in einer Weißwurscht automatisch einen Penis, wie ihn die Autorin erkannt haben will. Die Sendung alles in allem war gut, dass sich nur schwer Gäste finden lassen, die auch etwas zu erzählen haben, ist nunmal ein Problem unserer Zeit. Ausser Rendite und Cash weiß kaum noch einer was zu erklären, wo es keinen neuen Film zu promoten gibt bleibt über den Darsteller oft nichts mehr zu sagen-so wenig Persönlichkeit hat der moderne Jetset heutzutage. Ich bin es auch leid, hier immer wieder lesen zu müssen, wie schlimm doch der Gottschalk sei. Also ausser Opdenhövel gibts hier momentan keinen, der eine große Unterhaltungsshow abseits des Volksmusikzirkus über die Bühne bringen kann. Die Autorin könnte gewiss schon von Wetten Dass präsentiert von Jürgen Milski träumen, wo ja schon Bulli zu begeistern weiß?
oteno 05.10.2008
3. noch viel peinlicher als geschildert
im artikel wird erwähnt, dass gottschalk zu salma hayek gesagt hätte, dass "heute noch gehobelt wird". nein viel schlimmer: er sagte, dass es schön sei dass heute noch "gebohnert" wird und fragte sie ob ihre mutter das auch noch machen musste. an dieser stelle schritt lagerfeld ein und meinte, dass die übersetzung wohl nicht gelingen könne und unangebracht wäre. so etwas würde man eine "sp...." (dort bricht er ab). ich denke er wollte zurecht auf den latein-amerikanischen hintergrund von salma hayek verweisen, vor dessen hintergrund diese frage wirklich an (wenn auch naive) unverschämtheit grenzte.
simon_paland, 05.10.2008
4. Silke Burmester
Silke Burmester Ich kenne diese Frau nicht, und das ist auch gut so. Sie ist typisch für eine ganze Generation junger Frauen, die nicht verstanden haben, dass Männer anders sind als Frauen - und dass dieser Unterschied gut und richtig ist. Wetten dass ... ?! war doch diesmal ganz lustig, und der Strauß der Gäste war interessant. Alles andere wäre gelogen !
Hagbard 05.10.2008
5. Titel
Ach ja, ach ja. Er wiederholt sich rituell, der Wetten-dass-und-Gottschalk-Verriss. Immer wieder aufs Neue. Nach jeder Ausgabe. Erneut und erneut und erneut. Dabei bleibt dem Autor nichts weiter, als wiederzugeben, was bereits alle wissen, die zugeschaut haben und allen egal ist, die nicht zugeschaut haben. Nur dass er halt alles von der Negativ-Warte aus beurteilt und nicht mit eigenen Phantasien geizt. Oder wie sonst soll ich den Vergleich Bratwürste-Penisse auffassen? Gar als Kniff, um eine schlichte, wenig spektakuläre Tatsache (nämlich dem Aussehen von Würsten) ins lächerliche zu ziehen oder ihr (noch schlimmer) den Beweis für die Niveaulosigkeit der Sendung aufzubürden? Ob Gottschalks Witzeleien nun Niveaulos sind oder nicht: Zuschauer können mit der Fernbedienung abstimmen. Und Lagerfeld? Na ja. Dass er sich nicht zusammenreissen kann und mit den ihn flankierenden Damen Privatgespräche führt (und nebenbei heraushängen lässt, dass er sowohl französisch als auch englisch spricht), hier ein wenig katzbuckelt und dort ein wenig Weltläufigkeit zu Markte trägt, rettet die Show nicht. Es wertet nichts auf, es ist nicht mehr als eine kleine Unhöflichkeit am Rande. Also, was soll ich mit diesem Artikel anfangen? Darf ich Wetten das nicht mehr als Ersatzprogramm während der Werbepausen des Spielfilms beim Nachbarn heranziehen, ohne mir selbst "Bild-Nieveau" zu attestieren? Was nun, wenn ich mir gar eine ganze Show anschaue? Wäre das dann noch niveauloser? Oder müsste ich es dazu noch gut finden? Natürlich würde ich das. Es wäre die Voraussetzung, mir das zwei oder drei Stunden am Stück zu geben. Da habe ich dem Autor wieder einiges Voraus. Der hat es sich nämlich angeschaut und fand es furchtbar. Wozu hat er solches Leid auf sich genommen? Um guten Gewissens seinen Verriss schreiben zu können? Das ist kein sehr beneidenswertes Los.
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