Von Silke Burmester
Johannes Heesters wollte "etwas Wichtiges" loswerden. Er habe vor ein paar Tagen "etwas Dummes", "etwas Fürchterliches" gesagt, gestand er vor seiner Gesangseinlage bei "Wetten, dass ...?", und das Publikum wusste gleich, was gemeint war. Vor wenigen Tagen hatte der 105-Jährige Hitler im niederländischen Fernsehen einen "guten Kerl" genannt.
"Dafür bitte ich um Verzeihung", sagte Heesters. Seiner Bitte schien ein wahrlich dringender Wunsch innezuwohnen. Das Publikum klatschte Beifall.
Auch Thomas Gottschalk schien erleichtert - und lud ihn ein, in fünf Jahren wieder in seine Show zu kommen. "Klar! Natürlich!", rief Jopie, der dann 110 Jahre alt wäre. An einen Flügel gelehnt schmetterte er Robert Stolz' Lied "'s ist einmal im Leben so", in einer Gala-Uniform à la Kaiser Franz Joseph von Österreich - diese Rolle spielt er derzeit in dem Singspiel "Im weißen Rössl" in Hamburg.
Die gefühlt 7000. Ausgabe von "Wetten, dass ...?", diesmal aus Stuttgart, war einmal mehr eine solide Familienshow. Die Gästebank war prominent besetzt: Nicole Kidman und Hugh Jackman, Anastacia und Til Schweiger, Lewis Hamilton und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, später auch noch Alexandra Neldel. Die Wetten waren unterhaltsam: ohne Schuh härter schießen als Thomas Hitzlsperger, Kerzenflammen löschen mit einem Modellflugzeug, vier Würfel übereinander auf einem Nagel stapeln - ohne Hände.
Von der Leyen jauchzte, jubelte, flirtete
Doch es brauchte erst Ursula von der Leyen, um aus der Unterhaltung Spaß werden zu lassen.
Die Familienministerin nahm Gottschalk das Zepter aus der Hand und inszenierte ihr eigenes "Sex in the Studio": Ob sie bitte fünf Sekunden neben dem Sexiest Man Alive sitzen dürfte - womit sie zu seinem Verdruss nicht Til Schweiger meinte, sondern Hugh Jackman, der diesen Titel gerade verliehen bekommen hatte. "Meine Töchter werden am Boden liegen!"
Von der Leyen jauchzte, jubelte, flirtete. Als ihr Wettkandidat - der Drittklässler Denis Kolb - es schaffte, in einer Mülltonne 15 Handstände binnen einer Minute zu machen, stieg sie aus Freude zu ihm in die blaue Tonne. Der galante Jackman hob sie danach heraus und trug sie wie eine Braut zurück auf die Couch.
Nicht einmal die Einspielung einer Single aus den siebziger Jahren, als die Albrechts als eine Art niedersächsische Trapp-Familie "Wohlauf in Gottes schöne Welt" sangen, brachte die Glückliche aus der Fassung. Nur ihr Wetteinsatz konnte ihr das Grauen ins Gesicht treiben - sie sollte bei Wettverlust eine Minute lang darlegen, warum man bei der nächsten Wahl für die Linke stimmen sollte.
Diese Sendung hatte zweifellos ihre Momente. Nicole Kidman (in Australien aufgewachsen) und Jackman (in Australien geboren) stellten ihren Film "Australia" vor, der jetzt in die deutschen Kinos kommt und der bisher wenig Erfolg hatte. Spannender als die Präsentation dieses Werks war, was passierte, als Kidman ihre Wette verlor. Zwei Norddeutsche hatten es nicht geschafft, in vier Minuten mit einem Bagger 250 Meter weit zu rudern. Darum sollte Kidman auf einem Didgeridoo spielen. Offensichtlich davon überfordert, einmal nicht die Kontrolle über ihr Erscheinungsbild zu haben, eröffnete sie eine sich zierende, zickige Seite. Das passte perfekt zu ihrem Porzellanteint.
Eine prima Vorlage für Gottschalk. Ob sie das schon mal gemacht hätte, wollte er wissen, als Frau Kidman das große Blasinstrument umfasste und es hilflos an ihre glänzenden Lippen führte. "Nein? Aber es steht dir sehr gut!"
30 Männer lassen die Hosen rauf
Auch bei den Pussycat Dolls konnte sich der Meister des Herrenwitzes einen sexistischen Spruch nicht verkneifen. Vor dem Auftritt der Sängerinnen erzählte er, der Plan, die aufreizend gekleideten Damen als Spielzeugpuppen herauszubringen, sei an Protesten gescheitert. Nachher fügte er hinzu: Kein Wunder, "so eine Puppe hätte mein Sohn auch nicht bekommen". Da gab es sogar Proteste im Saal.
Gottschalk machte auch noch ein paar Fehler, betitelte etwa "Lawrence von Arabien" eine "große Liebesgeschichte" und nannte Hitzlsperger "Zintzelsberger" - aber egal. Am Ende der Show beleidigte Gottschalk zudem noch einen Wettkandidaten. "Kauf dir mal ein neues Hemd", sagte er zu seinem Gast, als er diesen verabschiedete.
Die besten Tage dieser Show mögen vorbei sein. Trotzdem hat man am Ende des Abends ein paar Mal gelacht, wenn da Greise, Verirrte, Schauspieler, Regierungsmitglieder und Leute mit absonderlichen Fähigkeiten zusammengeworfen werden und am Ende Mr. Sexy eine Ministerin aus einer Mülltonne hebt.
Und wenn ein junger Mann namens Christoph Jäger eine Ankleidetechnik zeigt, die er aus Faulheit entwickelt hat: Er kann seine heruntergelassene Hose ohne Hände anziehen, nur mittels Beinverrenkungen. Gottschalk behauptete, dass andere das nicht könnten. 30 Freiwillige bewiesen ihm das Gegenteil.
Er verlor die Saalwette - doch Jägers Kunst verdeutlichte wieder einmal, zu welch sinnbringenden Entwicklungen Männer in der Lage sind, wenn man sie nur lässt.
mit Material von dpa
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