Korrespondentendinner im Weißen Haus Schluss mit lustig

Es gehört zur Tradition, dass beim Korrespondentendinner im Weißen Haus Comedians auftreten. In diesem Jahr sorgte Michelle Wolf mit ihren Witzen für eine Kontroverse. Nun soll es seriös werden.

Komikerin Michelle Wolf
picture alliance/ Ron Sachs/ CNP

Komikerin Michelle Wolf


Sie machte bei der diesjährigen Abendgala derbe Witze über die Verbindung zwischen der Pornodarstellerin Stormy Daniels und Donald Trump und bezeichnete Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders in Anlehnung an die Serie "The Handmaid's Tale" als brutale Aufseherin. Dafür erntete Komikerin Michelle Wolff reichlich Kritik. Dabei gehört es zur Tradition des Abendessens im Weißen Haus, die aktuelle Politik auseinanderzunehmen. Für das kommende Jahr aber hat die White House Correspondents' Association (WHCA) nun den Autor und Präsidentenbiografen Ron Chernow als Gastredner eingeladen.

"Da wir die Bedeutung der freien und unabhängigen Presse für das Wohl der Republik feiern, freue ich mich Ron dazu sprechen zu hören", sagte der WHCA-Vorsitzende Olivier Knox. Der hatte dem Vorstand schon im Sommer angekündigt, beim nächsten Korrespondentendinner keinen Komiker auftreten lassen zu wollen. Hintergrund dürfte der Auftritt Wolfs sein. Die einen feierten im April diese Jahres die respektlosen Worte der 33-Jährigen als großartige Satire, andere nannten sie beleidigend. Trump selbst war der Abendgala wie schon im Jahr zuvor gleich ganz fern geblieben.

Ron Chernow
AP

Ron Chernow

Der Historiker und Journalist Chernow wird bei dem Abendessen am 27. April 2019 zu der amerikanischen Geschichte und dem ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung (First Amendment) sprechen. Dieser garantiert unter anderem das Recht auf Redefreiheit, Pressefreiheit und Religionsfreiheit.

"Die Pressefreiheit ist immer ein zeitgemäßes Thema und mir scheint es der perfekte Zeitpunkt zu sein, sich diesem Grundwert zu widmen", erklärte Chernow, der unter anderem Biografien über George Washington und John D. Rockefeller sowie Alexander Hamilton, einen der US-Gründerväter, verfasst hat.

Wolf twittert: "Feiglinge"

Schon in den Jahren zuvor hatte die WHCA die Pressefreiheit bei der Abendgala in den Fokus gestellt: Im Jahr 2017 sprachen "Watergate-Affäre"-Aufdecker Bob Woodward und Carl Bernstein, in diesem Jahr erzählte die ägyptisch-amerikanische Aktivistin Aya Hijazi ihre Geschichte. Die Komikerin Wolf bezeichnete die Ankündigung der Journalistenvereinigung dennoch als Feigheit, wie sie sogleich twitterte:

Die Entscheidung kommt zu einer Zeit, in der das Verhältnis des amerikanischen Präsidenten zur freien Presse einen neuen Tiefpunkt erlebt: Nachdem das Weiße Haus dem CNN-Reporter Jim Acosta vorübergehend die Akkreditierung entzogen hatte, verkündete es nun formelle Regeln für Pressekonferenzen.

Künftig dürfen Journalisten nur eine Frage stellen, wenn sie aufgerufen würden. Es bleibe dem Präsidenten oder anderen Vertretern des Weißen Hauses vorbehalten, ob der jeweilige Journalist Folgefragen stellen dürfe. Verstöße könnten mit der Suspendierung oder dem Entzug der Akkreditierung geahndet werden. Immerhin: Die WHCA reagierte mit Unverständnis und stellte klar, dass man sich an solche Beschränkungen nicht gebunden fühle.

brs/dpa



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