Wider die Holocaust-Leugner Lanzmanns "Shoah" wird auf Persisch gezeigt

Der Holocaust auf Arabisch, Türkisch und Persisch: Eine dem islamisch-jüdischen Dialog gewidmete Organisation hat Claude Lanzmanns berühmten Film "Shoah" übersetzen lassen. Zwei Satelliten-Sender aus Kalifornien sorgen jetzt dafür, dass das Werk auch tatsächlich in Iran zu sehen ist.

Szene aus "Shoah": "Bestes Mittel zum Kampf gegen die Leugner"
DEFD

Szene aus "Shoah": "Bestes Mittel zum Kampf gegen die Leugner"


Paris/Hamburg - "Wenn ich einen Film von einem iranischen oder japanischen Regisseur sehe, kann er mich zu Tränen rühren", sagte Claude Lanzmann dem französischen Nachrichtenmagazin " Le Point". Schließlich gebe es nur eine Form der Menschlichkeit. Also seien auch Japaner von seinem Film "Shoah" über den Holocaust tief bewegt gewesen: "Und ich habe keinen Zweifel daran, dass die Iraner ebenso bestürzt sein werden", betonte der Regisseur.

Von Montag an haben die Bewohner des Iran zumindest die Möglichkeit dazu. Denn Lanzmanns neunstündiges Werk von 1985, das mit Hilfe von zahlreichen Zeugenaussagen den deutschen Massenmord an den europäischen Juden zu rekonstruieren sucht, ist erstmals ins Arabische, Türkische und auch ins Persische übersetzt worden. Da die Zeitzeugen in "Shoah" verschiedene Sprachen sprechen, werden die Übersetzungen als Untertitel gezeigt. Die von Kalifornien aus auf Farsi - dem in Iran gesprochenen Neupersisch - sendenden Fernsehstationen Pars TV und Channel One zeigen den Dokumentarfilm in 50-minütigen Abschnitten, fünfmal die Woche, berichtet "Le Point".

Initiiert wurde die Übersetzung vom " Aladin-Projekt", einer unabhängigen Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Paris, die unter der Schirmherrschaft der Unesco steht und vom französischen Staat finanziell unterstützt wird. Erklärtes Ziel des 2009 gegründeten Aladin-Projektes ist es, für harmonische interkulturelle Beziehungen zwischen Juden und Moslems zu werben - indem Wissen über die Kulturen bereitgestellt wird. Und zwar in diesem Fall Wissen über den Holocaust, der in weiten Teilen der islamischen Welt - meist als Mittel anti-israelischer Propaganda - oft geleugnet wird.

So stellt die Organisation, die im Umfeld der französischen "Fondation pour la Mémoire de la Shoah" (Shoah-Gedenkstiftung) entstanden ist, auf ihrer Website kostenlose Übersetzungen etwa des Tagebuchs der Anne Frank oder von Primo Levis autobiografischem Bericht über Auschwitz, "Ist das ein Mensch?" zur Verfügung.

Die Ausstrahlung von Lanzmanns "Shoah"-Film auf Persisch hält die Präsidentin des "Aladin-Projektes", Anne-Marie Revcolevschi, für einen echten Test, wie es in Iran mit der Meinungsfreiheit bestellt sei. Schließlich hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Holocaust einen "Mythos" genannt, den westliche Staaten erfunden hätten, um den Staat Israel zu etablieren.

Abe Radkin, der Geschäftsführer des "Aladin Projektes", sagte der Nachrichtenagentur Associated Press, man würde es begrüßen, "wenn die iranische Regierung den Film in einem öffentlichen Programm zeigen würde."

Vorerst aber ist "Shoah" nur via Satellit oder Internet zu empfangen. Satellitenschüsseln sind zwar illegal in Iran, aber Verstöße gegen das Verbot werden nur punktuell verfolgt. Amir Shadjareh, Chef von Pars TV, einem der beiden übertragenden Sender, sagte SPIEGEL ONLINE im Jahre 2009, bis zu zehn Millionen Menschen könnten das Programm im Iran sehen. Channel One behauptet, 92 Prozent der 70 Millionen Iraner nutzten persischsprachige Satelliten-TV-Sender.

Die türkische Fassung soll im April auf dem Filmfestival von Istanbul Premiere haben und eine Woche darauf im öffentlich-rechtlichen Sender TRT gezeigt werden. Eine Ausstrahlung auf einem ägyptischen Kanal wurde im Zusammenhang mit den dortigen Unruhen und dem Sturz von Husni Mubarak verschoben: "Wir werden ein bisschen warten, bis die politische Situation in den arabischen Länder die Ausstrahlung eines solchen Films erlaubt", sagte Radkin: "Wir brauchen eine friedliche Atmosphäre, damit man sich auf seine Botschaft konzentrieren kann."

Claude Lanzmann jedenfalls ist von der argumentativen Kraft seines Films überzeugt: "Es ist wichtig, die Leugner zu bekämpfen - und 'Shoah' ist eines der besten Mittel dazu."

feb/AP

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Seite 1
jalomac 07.03.2011
1. Verblendete sind unbelehrbar
Ich fürchte das wird im Iran nur wenige beeindrucken. Wer so vollgeladen mit Propaganda ist dem ist nicht mit Filmen bei zu kommen. Man kann wirklich jede historische Wahrheit leugnen und ignorieren, egal!
Harald Lennartson 07.03.2011
2. Sie sollten ...
Zitat von jalomacIch fürchte das wird im Iran nur wenige beeindrucken. Wer so vollgeladen mit Propaganda ist dem ist nicht mit Filmen bei zu kommen. Man kann wirklich jede historische Wahrheit leugnen und ignorieren, egal!
... nicht von sich auf Andere schließen. Von den Iranern könnten wir eine Menge lernen ... und damit meine ich nicht die iranische Regierung.
kanopus 07.03.2011
3. .
Könnte man "Shoah" nicht auch hier bei uns mal wieder zeigen?
schmarrnsepp 07.03.2011
4. ^.^
Zitat von kanopusKönnte man "Shoah" nicht auch hier bei uns mal wieder zeigen?
Wurde doch erst vor einem runden Jahr auf Arte gezeigt, als Wiederholung dann noch einmal im August 2010. Außerdem gibt's die Doku als Torrent, beim Esel & als */rs/* für umme, und last, but not least im Arte-Shop (http://bit.ly/fc5sTz) für 75 Euronen.
haggi45, 07.03.2011
5. vice versa
Zitat von jalomacIch fürchte das wird im Iran nur wenige beeindrucken. Wer so vollgeladen mit Propaganda ist dem ist nicht mit Filmen bei zu kommen. Man kann wirklich jede historische Wahrheit leugnen und ignorieren, egal!
Auf der anderen Seite kann man genau mit solchen Filmen historische Tatsachen fälschen und verdrehen, um das Volk gegen bzw. für eine gewisse Volksgruppe aufzubringen. Siehe Hollywood-Filme über "böse" Indianer, "böse" Deutsche, "böse" Kommunisten, "böse" Araber etc. etc.
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