"Wie eine Hure": Thilo Sarrazin geht gegen "taz" vor

Von Felix Bayer und

Austeilen kann er ordentlich, das ist bekannt. Aber wie viel kann er einstecken? Thilo Sarrazin geht gegen die Berliner "Tageszeitung" vor. In der war zu lesen, dass der umstrittene Autor von anderen Medien "wie eine alte Hure" benutzt werde. Nun droht die Sache vor Gericht zu landen.

Thilo Sarrazin bei Buchvorstellung im Mai 2012: Was darf Satire? Zur Großansicht
dapd

Thilo Sarrazin bei Buchvorstellung im Mai 2012: Was darf Satire?

Berlin/Hamburg - Am Ende steht immer die "Wahrheit": Die so benannte letzte Seite der Berliner Tageszeitung "taz" ist die ihrer Selbstbeschreibung nach "einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit." Dort kann man zum Beispiel über einen Cartoon-Streifen schmunzeln. Oder Texte lesen, die dem eher unjournalistischen Grundsatz folgen: "Warum sachlich, wenn es persönlich geht."

Am 18. Juni 2012 ist die "taz" diesem Motto mit einer Hingabe gefolgt, die weit über das tolerable Maß hinausgeht - das findet jedenfalls Thilo Sarrazin, erfolgreicher Sachbuchautor, umstrittener Sozialdemokrat und notorischer Provokateur. Er war an jenem Tag Gegenstand einer Glosse mit dem Titel "Thilo Sarrazin: Südländer als Untermenschen". Anlass war ein Beitrag, den er für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" über die Euro-Krise geschrieben hatte, "inhaltlich gewohnt dürftig, aber mit dem üblichen Geschmäckle einer pseudoprovokanten Wortwahl", wie die "taz" urteilte. So weit, so geschützt durch die Meinungsfreiheit.

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Sarrazin versus "taz": Eine Frage der Meinungsfreiheit?
Doch der "Wahrheit"-Autor findet auch, Sarrazin werde "inzwischen von Journalisten benutzt wie eine alte Hure, die zwar billig ist, aber für ihre Zwecke immer noch ganz brauchbar, wenn man sie auch etwas aufhübschen muss." Am Ende des Textes steht als Fazit eine Frage: "Fragt sich nur, wer da Hure und wer Drübersteiger ist?"

Sarrazins Anwalt, der Berliner Medienrechtler Christian Schertz, hat nun eine Unterlassungserklärung von der "taz" gefordert. In einer Stellungnahme gegenüber SPIEGEL ONLINE schreibt er, dass "diese Aussage die Grenze der sogenannten Schmähkritik überschreitet". Schertz weiter: "Die Aussage ist rein diffamierend und hat mit einer sachlichen Auseinandersetzung nichts mehr zu tun."

Hure? Ist doch keine Beleidigung!

Bei der "taz" reagierte man erst einmal gelassen. Am Montag ist laut Michael Ringel, dem zuständigen Redakteur der "Wahrheit"-Seite, ein Schreiben von Schertz mit der Aufforderung eingegangen, die fragliche Unterlassungserklärung abzugeben, sprich: die strittige Aussage nicht mehr zu verbreiten. Eine darin für denselben Tag gestellte Frist habe man jedoch verstreichen lassen.

Nun droht also der Gang vor Gericht. Schertz: "Da die 'taz' keine Unterlassungsverpflichtungserklärung abgegeben hat, werden wir prüfen, ob gerichtliche Schritte eingeleitet werden." Juristisch gesehen ist es also noch nicht so weit, wie die "taz" selbst am Dienstag etwas voreilig, versteckt und ohne weitere Erklärung in einer Medienkolumne schrieb: "Sarrazin verklagt die taz wegen Beleidigung - langweilig."

Die "taz" ist laut Ringel bereit, die Sache auszufechten. Man sehe sich im Recht - "weil wir als inzwischen bekannte Satireseite der 'taz' uns auf die Freiheit der Satire berufen." Zudem sprächen drei Argumente für die Zeitung: Es handele sich nicht um einen Vergleich Sarrazins mit einer Hure, sondern um eine Metapher, die das Verhältnis einiger Journalisten zu ihm beschreibe. Es sei auch gar nicht die Absicht gewesen, Sarrazin mit dem Wort "Hure" zu beleidigen - zumal der Begriff keine Beleidigung, sondern eine Berufsbezeichnung sei. Und schließlich beleuchte der Text das Verhältnis von Journalisten zum Autor Sarrazin - und richte sich daher primär gegen sie und nicht ihn.

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insgesamt 61 Beiträge
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1. Wenn dann...
popkontext 27.06.2012
..ist das diskriminierend gegen Sexarbeiterinnen.
2. Hier könnte ein Titel stehen
shokaku 27.06.2012
Ganz schwach von Sarrazin. Wer so austeilt wie er, muss dann auch mal einstecken können. Seine Wortwahl ist mitunter ja auch gewöhnungsbedürftig. Außerdem ist es komplett unnötig die Journalismusimitation der taz mit einem Prozess aufzuwerten.
3.
Klarseherps 27.06.2012
Zitat von sysopAusteilen kann er ordentlich, das ist bekannt. Aber wieviel kann er einstecken? Thilo Sarrazin geht gegen die Berliner "Tageszeitung" vor. In der war zu lesen, dass der umstrittene Autor von anderen Medien "wie eine alte Hure" benutzt werde. Nun droht die Sache vor Gericht zu landen. "Wie eine Hure": Thilo Sarrazin geht gegen "taz" vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,840998,00.html)
Bei der taz wundert einen ja gar nichts mehr! Wenn ich Fr. Pohl in Talkshows höre, weiss ich immer nicht genau ob ich Sie auslachen oder mich fremd-schämen soll. Aber weiter so Fr. Pohl! Bald ist ihr Niveau so weit unten, dass Sie den lieben Kai als Chefredakteur der BILD beerben können!
4. Zum Totlachen!
I. Öner 27.06.2012
Dass Herr Sarrazin kein Ahnung von Integration hat, ist weitläufig bekannt. Dass er keine Ahnung von Satire hat, war zu vermuten. Ich, der nun der Grund dafür ist das Deutschland sich abschafft, würde Herrn Sarrazin gerne einige Lehrstunden in Sachen Satire erteilen und dahingehend aufklären, welch großen gesellschaftspolitischen Stellenwert diese in einer freiheitlich-demokratischen Staat hat. Wobei, für Herrn Sarrazin bräuchte ich mehr als eine Lehrstunde um ihm was beizubringen!
5. Richtig so
ernstjüngerfan 27.06.2012
Zitat von sysopAusteilen kann er ordentlich, das ist bekannt. Aber wieviel kann er einstecken? Thilo Sarrazin geht gegen die Berliner "Tageszeitung" vor. In der war zu lesen, dass der umstrittene Autor von anderen Medien "wie eine alte Hure" benutzt werde. Nun droht die Sache vor Gericht zu landen. "Wie eine Hure": Thilo Sarrazin geht gegen "taz" vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,840998,00.html)
Die "Taz" hat sich da reichlich weit und frech aus dem Fenster gelehnt. Jetzt ist eine verdiente Klatsche angesagt. Sarrazin sollte denen die verdiente Lektion erteilen.
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